Darum gehts
- SVP Zürich nutzt KI-Bild für Neutralitätsi-Initiative am 27. November 2026
- Kritik: Bayerische Lederhosen statt Schweizer Trachten, SVP verteidigt Designwahl
- 55 Prozent lehnen KI-Bilder ab laut Leserumfrage
Künstliche Intelligenz ist längst auch in der Schweizer Politik angekommen. Die Zürcher SVP setzt im Abstimmungskampf zur Neutralitäts-Initiative, über die am 27. November 2026 abgestimmt wird, auf ein KI-generiertes Kampagnenbild.
Genau dieses sorgt nun für Diskussionen. Die Illustration zeigt mehrere Generationen vor einer Alpenkulisse und wurde mit Google KI Gemini erstellt. Grünen-Nationalrätin Meret Schneider kritisiert, die Figuren würden bayerische Lederhosen statt Schweizer Trachten tragen. Die SVP weist den Vorwurf zurück: Die Kleidung sei bewusst alpenländisch gewählt und solle den länderübergreifenden Frieden im Alpenraum symbolisieren.
Zwischen Innovation und Irritation
Unabhängig von der Trachten-Debatte wirft der Fall auch eine grundsätzliche Frage auf: Sollten KI-generierte Bilder in der Werbung oder in politischen Kampagnen eingesetzt werden? In unserer Community ist man sich darüber uneinig: In einer Leserumfrage finden 55 Prozent, der Einsatz sei unpassend und irreführend. 35 Prozent haben nichts dagegen – sofern die Bilder als KI-generiert gekennzeichnet sind. Nur 10 Prozent begrüssen den Einsatz und finden, neue Technologien sollten genutzt werden.
Dieses Meinungsbild spiegelt sich auch in der Kommentarspalte wider. So schreibt Leser David Brunner: «Die SVP wirbt für authentische Schweizer Werte. Mit der KI-Kampagne zerstört sie ihre Glaubwürdigkeit im Kern. Die Verwendung von KI für politische Kampagnen ist ein Armutszeugnis.»
Auch Fatlind Sulejmani steht derartigen Bildern skeptisch gegenüber: «Finde generell, dass diese KI-Werbeplakate grotesk aussehen. Das hat man schon bei der Initiative zur Individualbesteuerung gesehen. Wenn man schon keine Ahnung von der Benutzung von KI hat, dann soll man es entweder lernen oder einfach ganz sein lassen.»
Für Roland Mall liegt das Problem ebenfalls in der fehlenden Kontrolle: «Wer KI braucht, um authentische Werbefiguren zu kreieren, sollte wenigstens das Resultat überprüfen. Diese SVP-Comicfamilie wirkt auf den ersten Blick total unnatürlich und deplatziert.»
«Neue Technologien sollte man nicht verteufeln»
Andere Leserinnen und Leser sehen den Einsatz von KI deutlich gelassener. Für sie steht nicht die Entstehung des Bildes, sondern dessen Botschaft im Vordergrund. Einen Mittelweg schlägt Martin Lutz vor: «KI-Bilder meinetwegen, aber bitte klar deklariert!»
Leser Yanik Tresch ist der Meinung, dass KI-Bilder nichts mit der Glaubwürdigkeit einer Kampagne zu tun haben. «Es geht ja nur um eine visuelle Richtigkeit. Das Wichtige, also die Botschaft dahinter, soll man verstehen – und da hat die SVP wieder einmal recht.»
Reto Huber plädiert ebenfalls für einen pragmatischen Umgang mit der neuen Technologie: «KI ist ein Werkzeug wie jedes andere auch.» Entscheidend sei die Botschaft, die vermittelt werden soll. «Nicht, ob das Bild von einem Fotografen oder einer künstlichen Intelligenz stammt. Neue Technologien sollte man nicht verteufeln, sondern sinnvoll nutzen!»