Darum gehts
- Am 14. Juni wird über die 10-Millionen-Initiative der SVP abgestimmt
- SGB-Modell: Junge verlieren dann bis zu 2200 Franken an Rente
- Mehr Rentner und weniger Erwerbstätige als Problem
Noch sind die Abstimmungsentscheide vom 8. März nicht gefallen, da wirft bereits der nächste Urnengang seine Schatten voraus. Am 14. Juni entscheidet das Stimmvolk über die 10-Millionen-Initiative der SVP. Diese stösst auf breiten Widerstand. So startet am Montag die bürgerliche Nein-Allianz zusammen mit den Wirtschaftsverbänden ihre Kampagne gegen die «Chaos-Initiative», wie sie von der Gegnerschaft gebrandmarkt wird.
Doch schon jetzt geht der Gewerkschaftsbund auf die Barrikaden. «Die SVP-Initiative ist ein Wolf im Schafspelz», warnt SGB-Chefökonom Daniel Lampart (57) im Gespräch mit Blick. «Der Bevölkerungsdeckel führt zwangsläufig zu schmerzhaften Renten- und Kaufkraftverlusten für alle.»
Lampart warnt vor Rentenverlust
Er hat mit einem eigenen Modell berechnet, welche Effekte die Initiative haben könnte. «Die SVP-Initiative führt bei jungen Arbeitnehmenden dann zu einem durchschnittlichen Rentenverlust von bis zu 2200 Franken pro Jahr.» Doch auch heutige Pensionierte würden leiden, weil die Renten der beruflichen Vorsorge teuerungsbedingt an Kaufkraft verlieren würden.
Kalkuliert man auch noch die höheren Krankenkassenprämien mit ein, die Lampart aufgrund der Initiative erwartet, steigen die jährlichen Einbussen in seinem Modell sogar auf bis zu 2450 Franken jährlich. «Das entspricht rasch einmal einer BVG-Monatsrente, die mit der SVP-Initiative verloren geht.»
Mehr Rentner, weniger Erwerbstätige
Der Gewerkschafter geht in seinem Modell davon aus, dass mit einer 10-Millionen-Obergrenze die Zuwanderung junger Erwerbstätiger gedrosselt werden müsste, da der Rentneranteil im Inland zunimmt. Die ständige Wohnbevölkerung im erwerbsfähigen Alter von 20 bis 64 Jahren würde damit per 2060 nicht auf über sechs Millionen steigen, wie das Bundesamt für Statistik in seinen Bevölkerungsszenarien prognostiziert. Stattdessen würde sie im Vergleich zu heute sinken – auf nur noch gut 5,2 Millionen. Eine Lücke von gut 13 Prozent!
«Wird die Erwerbsbevölkerung derart stark reduziert, sind die wirtschaftlichen Schäden wahnsinnig hoch», sagt Lampart. Mit dem Wegfall der bilateralen Verträge werde die Produktivität reduziert und die Teuerung angeheizt, wodurch die Reallöhne weniger stark zunehmen würden.
Der Altersquotient wiederum, also das Verhältnis von Erwerbsfähigen zu Senioren, würde markant steigen. Und: «Weniger Erwerbstätige bedeuten auch weniger Beiträge für die Altersvorsorge bei gleichzeitig steigenden Rentenausgaben.»
Auch AHV betroffen
Die Auswirkungen auf die Altersvorsorge sieht Lampart als bedeutenden Knackpunkt. «Eine tiefere Erwerbstätigkeit reisst ein Loch in die AHV-Kasse», sagt er. «Zehn Prozent weniger AHV-Einnahmen entsprechen im Jahr 2060 einem Ausfall von rund acht Milliarden Franken – oder einem Lohnprozent.» Mit fehlenden Einnahmen steige der Druck für höhere Lohnbeiträge zugunsten der AHV oder eines höheren Rentenalters.
Als gravierend erachtet er auch die Folgen für die zweite Säule. «Der höhere Altersquotient führt dazu, dass die Pensionskassen weniger risikoreich anlegen können und damit geringere Renditen erwirtschaften werden», erklärt Lampart. «Eine tiefere Rendite führt zu einer tieferen Verzinsung der Vorsorgeguthaben und damit zu tieferen Renten.» Auch der Umwandlungssatz komme unter Druck, was die Situation zusätzlich verschärfe. Damit erklärt er den drohenden 2200-Franken-Rentenverlust.
Asip-Direktor gibt Rückendeckung
Rückendeckung erhält Lampart in seinen Überlegungen von Lukas Müller-Brunner (43), Direktor des Pensionskassenverbands Asip. Die Berechnungen könne er zwar nicht bestätigen, grundsätzlich lasse sich aber sagen: «Je höher der Rentneranteil, desto weniger Risiken kann eine Pensionskasse bei der Anlagestrategie eingehen.»
Auch die gesamtwirtschaftliche Entwicklung wirke sich auf die Renten aus – und diese könnte mit einem Bevölkerungsdeckel gebremst werden. Ein entscheidender Faktor sei zudem das Zinsumfeld. «Die Krux liegt dabei in der Kulmination von verschiedenen negativen wirtschaftlichen Effekten, die das Umfeld für die Pensionskassen erschweren würden.»
SVP-Dettling findets «lächerlich»
Bei SVP-Chef Marcel Dettling (45) hingegen sorgt das Lampart-Modell für Kopfschütteln. «Das ist doch lächerlich, diese Zahlen sind völlig aus der Luft gegriffen», sagt der Schwyzer Nationalrat zu Blick. Die Zuwanderung sorge für immense Kosten in zahlreichen Bereichen, von der Verkehrsinfrastruktur über steigende Mietkosten bis zu höheren Baulandpreisen. «Die Jungen bezahlen die Rechnung heute schon! Mit unserer Initiative geben wir Gegensteuer.»
Die Linke wolle die Altersvorsorge offenbar über noch mehr Zuwanderung sichern, moniert Dettling. «Das ist ein Schneeballsystem.» Die Ausländer, die heute in die AHV einzahlten, hätten später Anspruch auf eine Rente. Und wenn die Rente zu tief sei, bekämen sie Ergänzungsleistungen. «Diese Rechnung geht niemals auf!»
Lampart unterschlage zudem die Problematik der Asylmigranten. «Es sind Hunderttausende in der Schweiz, die Mehrheit ist jung, bezieht Sozialhilfe und irgendwann eine AHV-Rente», so Dettling. «Die Linken würden besser mithelfen, dass diese Asylschmarotzer nicht in die Schweiz kommen und unseren Sozialstaat plündern.»