Darum gehts
- Kanton Appenzell Innerrhoden gab versehentlich hochsensible Daten an Journalisten weiter
- Die rund 150 Dokumente enthielten hochsensible Daten wie Löhne, Adressen und Fahndungslisten
- Eine Strafrechtsprofessorin kritisiert den Vorfall als «grob fahrlässig»
So einfach kamen die Journalisten der «Appenzeller Zeitung» wohl selten an brisante Daten: Nach einer Medienkonferenz zur Rechnung 2025 des Kantons Appenzell Innerrhoden überreichten die Behörden die verwendete Powerpoint-Präsentation auf einem USB-Stick. Doch statt Folien fanden die Journalisten hochsensible Informationen – etwa Löhne, Adressen, Schuldner- und Fahndungslisten.
Rund 150 Dokumente mit hochsensiblen Daten gab der Kanton Appenzell Innerrhoden unfreiwillig der «Appenzeller Zeitung» weiter. Bis zur Rückgabe des Sticks wussten die Behörden nichts von ihrem Fehler. Die Zeitung selbst machte den Vorfall publik.
«Hochsensible Informationen» nicht geschützt
Die Staatsanwaltschaft werde prüfen müssen, ob Anhaltspunkte für eine vorsätzliche Datenweitergabe bestünden, sagte die St. Galler Strafrechtsprofessorin Monika Simmler der «Appenzeller Zeitung». Laut ihr ist dies wahrscheinlich nicht der Fall. Dennoch bezeichnet sie den Vorfall als «grob fahrlässig». Er könne Disziplinarmassnahmen zur Folge haben und auch für den Kanton ungemütlich werden. Dieser habe seine Pflicht, «hochsensible Informationen» zu schützen, nicht erfüllt.
Die Redaktion der «Appenzeller Zeitung» gab den USB-Stick sodann den unwissenden Behörden zurück. Die Redaktion betonte, keine Kopien angefertigt zu haben. Die Innerrhoder Standeskommission – also die Kantonsregierung – erklärte in einer Stellungnahme, dass die Daten für eine externe Revisionsstelle gedacht waren. Man gebe die Daten auf einem USB-Stick weiter, da die Revisoren «aus Datenschutzgründen keinen Zugriff auf das kantonale Netzwerk» erhielten.
Anfällig für Cyberangriffe
Der Mitarbeiter, der den Vorfall zu verantworten habe, sei unter «Androhung einer Kündigung im Wiederholungsfall» ermahnt worden, erklärte die Standeskommission weiter.
Doch es scheint, als lägen die Probleme tiefer: Bereits im Berichtsjahr 2024 hätten die Rechnungsprüfer laut der «Appenzeller Zeitung» auf das Gefahrenpotenzial für Cyberangriffe aufmerksam gemacht. Auch das E-Mail-Konto von Säckelmeister Ruedi Eberle (58) war demnach bereits betroffen – Daten seien dabei aber keine freigegeben worden.