Darum gehts
- Die Schweizer Bundesverwaltung führte Ende 2025 Microsoft-365 ein
- US-Behörden könnten auf vertrauliche Bundesdaten zugreifen
- 54'000 Mitarbeiter nutzen die neue Plattform mit KI-Funktion «Copilot»
Die Digitalisierung in Bundesbern wirft Fragen zum Datenschutz auf. Ende 2025 wurde die neue Microsoft-365-Arbeitsumgebung in der Schweizer Bundesverwaltung ausgerollt. Davon betroffen sind rund 54'000 Arbeitsplätze. Teil dieser Umgebung ist auch die KI-Funktion «Copilot».
Da die Funktion standardmässig in der genutzten Softwarelizenz enthalten ist, erfolgte die Aufschaltung ohne explizite Zustimmung der Politik. Dies birgt erhebliche Risiken, da vertrauliche Dokumente mit der KI verarbeitet werden können – darüber berichtet die «NZZ am Sonntag».
US-Recht ermöglicht Zugriff auf Daten
Da Microsoft dem US-Recht unterliegt, ist die Firma gesetzlich verpflichtet, den amerikanischen Behörden Zugriff auf die Daten auf ihren Servern zu gewähren. Auf Anfrage der «NZZ am Sonntag» schreibt Microsoft, dass die US-Regierung «keinen uneingeschränkten Zugriff» auf die Daten erhalte.
Auch Cloud bereitet Probleme
Im Aussendepartement (EDA) kam es zu einem konkreten Fall. Laut Bericht der internen Revision sollen als «intern» eingestufte Dokumente in der Microsoft-Cloud gelandet sein, berichtet «NZZ am Sonntag» weiter.
«Aus technischer Sicht funktioniert die Vorrichtung, die das Hochladen von klassifizierten Dokumenten in die Cloud verhindern soll, derzeit nur teilweise», bestätigt das EDA. Zum Inhalt der Daten äusserte sich das Departement nicht.
Pilotprojekt Gov-GPT
Künstliche Intelligenz ist in der Bundesverwaltung länger kein Fremdwort mehr. Ein kleiner Kreis, darunter Bundesräte, Staatssekretäre und Amtsdirektoren, arbeitet bereits seit November 2024 mit einer internen Lösung: Gov-GPT. Dies entwickelte das Bundesamt für Informatik.
Im Gegensatz zu kommerziellen US-Lösungen läuft Gov-GPT in einer speziell geschützten Umgebung auf den Servern der Bundesverwaltung. Dies erlaubt den Nutzern, sogar vertrauliche Informationen, also der zweithöchsten Geheimhaltungsstufe, einzuspeisen. Damit können Texte erstellt oder komplexe Daten überprüft werden. Der Bund nutzt zudem bereits andere KI-Tools, etwa für Wetterprognosen bei Meteo Schweiz oder zur Betrugserkennung durch die Wettbewerbskommission.