Darum gehts
- 4300 Schweizer stecken wegen Iran-Krieg im Nahen Osten fest
- EDA bietet keine organisierten Rückholflüge, Kritik von Betroffenen
- Schweizer fühlen sich im Stich gelassen, Notfallnummer unzureichend
Die Schweiz muss mehr machen. Davon ist Grünen-Nationalrätin Sibel Arslan (45) überzeugt. Wegen des Kriegs im Iran stecken derzeit Zehntausende Touristen im Nahen Osten fest. Wie das Aussendepartement (EDA) mitteilt, befinden sich aktuell auch 4300 Schweizerinnen und Schweizer in der Krisenregion.
Im Gegensatz zu Deutschland oder Österreich aber plant der Bund keine organisierten Rückholflüge. Für Arslan ist diese Zurückhaltung fehl am Platz. «Die Schweiz sollte zumindest alle Möglichkeiten prüfen, um eigene Staatsbürger möglichst rasch in die Heimat zurückholen zu können», sagt die Präsidentin der Aussenpolitischen Kommission. Dabei biete sich eine Koordination mit anderen Staaten an.
Auch Leserinnen und Leser von Blick vor Ort kritisieren mangelnde Unterstützung des EDA. Sie fühlen sich «im Stich gelassen». Aus Dubai meldet ein Schweizer, dass ihm bei der EDA-Notfallnummer über das Wochenende nur eine automatische Stimme geantwortet habe: «Das Ganze hilft absolut nichts.»
«Für uns ist das kein Thema»
Doch auch im Bundesparlament sind solch staatlichen Rückholaktionen umstritten. «Für mich ist das derzeit kein Thema», sagt SVP-Aussenpolitiker Roland Rino Büchel (60). «In erster Linie geht es um Eigenverantwortung.» Andererseits seien solche Rückholflüge gar nicht so einfach umzusetzen – gerade wenn Lufträume und Flughäfen gesperrt seien. Zudem ändere sich die Situation vor Ort laufend.
Das sieht Mitte-Aussenpolitikerin Elisabeth Schneider-Schneiter (62) ähnlich: «Die Schweiz hat gar nicht die nötigen logistischen Mittel, wie etwa eine Militärmaschine, wenn die ordentlichen Fluglinien nicht mehr fliegen können.» Wichtig aber sei, dass die Schweiz ihre Staatsbürger konsularisch unterstütze. Darum seien die Botschaften vor Ort so lange wie möglich aufrechtzuerhalten.