Darum gehts
- Die Schweiz hält trotz Nahostkrieg Botschaften in Teheran und Tel Aviv offen
- Vier EDA-Mitarbeitende konnten Teheran wegen Kriegsausbruch nicht verlassen
- EDA reduzierte Personal in Teheran dieses Jahr von 14 auf 10 Personen
Trotz des Kriegs im Mittleren Osten hält das EDA an seiner diplomatischen Präsenz in Teheran, Tel Aviv und Ramallah fest – und setzt auf die Guten Dienste der Schweiz. Während mehrere westliche Staaten in den vergangenen Tagen ihr diplomatisches Personal aus dem Nahen Osten abgezogen haben, bleiben die Schweizer Vertretungen trotz der angespannten Sicherheitslage geöffnet.
«In Zeiten des Krieges sind die Guten Dienste wichtiger denn je. Wir bleiben so lange, wie wir können», sagt Monika Schmutz Kirgöz (58), Leiterin der Abteilung für den Nahen und Mittleren Osten sowie Nordafrika (MENA), im Gespräch mit SonntagsBlick. «Die Kriegsparteien haben die Koordinaten unserer Botschaften und der Wohnungen unserer Mitarbeitenden. Laut Völkerrecht sind sie verpflichtet, die Zivilbevölkerung zu schützen.»
«Bis zuletzt für eine diplomatische Lösung gearbeitet»
Mehrere Länder, darunter europäische Staaten und die Vereinigten Staaten, haben ihre Diplomatinnen und Diplomaten zuletzt evakuiert. Schmutz Kirgöz verteidigt die Position der Schweiz: «Es ist wichtig, dass wir so lange wie möglich vor Ort bleiben, um Gesprächskanäle offen zu halten. Bis zuletzt haben wir für eine diplomatische Lösung gearbeitet.»
Das EDA verfolgt die Situation in der Region und im Iran genau. «Es gibt einen Evakuierungsplan, der angewandt wird, wenn sich die Situation weiter zuspitzen sollte», sagt Schmutz Kirgöz. Die Evakuierungen seien dieses Jahr einfacher als letztes Jahr. Damals musste die Schweiz noch zig Akten in Teheran vernichten, damit etwa geheime Namenslisten von schweizerisch-iranischen Doppelbürgern nicht in die Hände der Mullahs fielen.
Verhandlungen in Genf
Erst noch am Donnerstag gab es Verhandlungen zwischen Washington und Teheran in Genf – vermittelt von Oman. Der omanische Aussenminister reiste nach den Gesprächen weiter nach Washington, um US-Vizepräsident J. D. Vance (41) zu treffen. Oman zeigte sich über den Kriegsausbruch empört: «Ich bin bestürzt. Aktive und ernste Verhandlungen wurden erneut untergraben», schrieb Badr al-Busaidi (65) auf X.
Al-Busaidi hatte sich optimistisch gezeigt, dass eine Verhandlungslösung in greifbarer Nähe sein könnte. Die Angriffe seien weder im Interesse der USA noch dienten sie dem Frieden in der Welt, so der Minister des Golfstaats weiter. Er bete für die Unschuldigen, die nun zu leiden hätten. Er rufe die Vereinigten Staaten dazu auf, das Land nicht weiter mit in den Konflikt hineinzuziehen. «Das ist nicht unser Krieg.»
Bunker in Tel Aviv, Keller in Teheran
Was sagt die Schweiz? «Ich kann die Enttäuschung Omans verstehen», sagt Botschafterin Schmutz Kirgöz. «Wir haben in Genf intensiv zusammengearbeitet, um die Gespräche stattfinden zu lassen. Dass es am Ende nicht gelungen ist, ist zu bedauern.»
Während die diplomatischen Kanäle offen bleiben, werden die Schutzmassnahmen für das Personal laufend überprüft. Die Botschaft in Tel Aviv verfügt über einen Bunker. In Teheran hingegen steht lediglich ein Keller zur Verfügung – dort übernachten die noch zehn vor Ort verbliebenen Mitarbeitenden auf Feldbetten.
Vier EDA-Kollegen sollten am Samstag ausfliegen
«Eigentlich sollten am Samstag vier Kolleginnen und Kollegen Teheran verlassen. Sie sassen bereits im Flugzeug – doch dann konnte das Flugzeug wegen des Kriegsausbruchs nicht mehr starten», berichtet Schmutz Kirgöz. Bereits vor einigen Tagen hatte das EDA die Personalstärke in Teheran von 14 auf 10 Mitarbeitende reduziert. Die Schweizer Vertretung nimmt dort seit Jahrzehnten die US-Interessen wahr – eine Rolle, die angesichts der Eskalation an Bedeutung gewinnt.