Peinliche Panne in Bern
Bund gibt geschwärzte Dokumente raus – lesbar sind sie trotzdem

Der Bund wollte heikle Einschätzungen zurückhalten – und machte sie unbeabsichtigt sichtbar: Eine Schwärzungspanne zeigt, dass die umstrittenen OP-Pauschalen intern selbst als problematisch eingeschätzt wurden.
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Seit Anfang des Jahres gelten für rund 300 Operationen ohne Spitalübernachtung Pauschalen – unabhängig vom jeweiligen Einzelfall.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Seit Anfang 2026 gelten Pauschalen für rund 300 Operationen ohne Spitalübernachtung
  • Kritik von FMCH: Besonders kurze Eingriffe werden lukrativer; aufwändigere nicht kostendeckend durchführbar
  • FMCH forderte Antworten von Bund und erhielt geschwärztes Dokument, das trotzdem lesbar war und für Empörung sorgte
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Patrick GerberRedaktor Politik

Es gibt wenig politische Themen, die die Bevölkerung so stark bewegen wie die Gesundheitskosten. Und ausgerechnet in diesem Bereich ist dem Bund nun eine Panne passiert: In freigegebenen Unterlagen des Innendepartements wurden sensible Passagen zwar geschwärzt – allerdings so ungenügend, dass sie teilweise dennoch lesbar blieben. Damit gelangten interne Einschätzungen an die Öffentlichkeit. Den Vorfall hat die «NZZ» publik gemacht.

Aber von vorne: Seit Beginn dieses Jahres gibt es diesbezüglich neue Regelungen. Für rund 300 Operationen ohne Spitalübernachtung gelten neu Pauschalen. Medizinerinnen und Mediziner erhalten dafür – ungeachtet des Einzelfalls – immer einen fixen Betrag. 

Obwohl sie dieses System grundsätzlich positiv sehen, kritisieren sie seit Jahren, dass die Pauschalen schlecht gemacht seien. So gibt es beispielsweise etwa eine Pauschale «Eingriffe am Hals». Das Problem: Darunter können sowohl Behandlungen fallen, die 5 Minuten dauern, als auch solche, die mehrere Stunden in Anspruch nehmen. 

Pauschalen bergen Risiken

Laut der FMCH, einem Zusammenschluss chirurgischer Fachgesellschaften in der Schweiz, kann diese Entwicklung dazu führen, dass sich Ärztinnen und Ärzte vermehrt auf kurze und damit finanziell attraktive Eingriffe spezialisierten. Aufwendigere Operationen seien hingegen häufig nicht kostendeckend durchführbar, wie die «NZZ» weiter schreibt. Dadurch bestehe das Risiko, dass bei Behandlungen minderwertige Materialien oder veraltete Verfahren eingesetzt würden. Es drohten sogar höhere Prämien. 

Der Bundesrat hat diese Warnungen offenbar ignoriert – zum Unverständnis der FMCH. Die Fachgesellschaft wollte wissen, wie es dazu gekommen war, und verlangte die entsprechenden Dokumente. Das Innendepartement des Bundes unter der Leitung von Elisabeth Baume-Schneider (62, SP) antwortete laut «NZZ»-Bericht mit einem rund 70-seitigen Dokument, das teilweise geschwärzt war. Dies wurde aber offenbar so schlecht gemacht, dass vieles dennoch lesbar war. 

Ein Punkt, der eigentlich nicht an die Öffentlichkeit hätte gelangen sollen, ist, dass dem Innendepartement sehr wohl bewusst war, dass die Pauschalen alles andere als perfekt sind. So könne man etwa noch nicht sagen, ob die Fixbeträge für die Praxen ökonomisch tatsächlich sinnvoll seien. Die FMCH zeigte sich gegenüber der «NZZ» enttäuscht, dass die Pauschalen dennoch in dieser Form in Kraft getreten sind.

Bund prüft Abläufe

Zur Panne erklärte das Bundesamt für Gesundheit der Zeitung, die Schwärzungen seien in der betreffenden Version technisch nicht korrekt umgesetzt worden. Man kläre die Ursache und wolle die internen Abläufe entsprechend anpassen.

In der Sache hält das BAG fest, die Tarifstrukturen entsprächen den gesetzlichen Vorgaben. Die Datenbasis sei jedoch unvollständig gewesen, weil aus dem ambulanten Bereich zu wenig Zahlen vorlagen – die Pauschalen sollen nun laufend verbessert werden.

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