Darum gehts
- Bundespräsident Guy Parmelin besucht Serbien und Nordmazedonien
- In der Schweiz leben rund 150’000 Menschen mit Wurzeln in Serbien
- Handelsvolumen mit Serbien überstieg 2025 erstmals 1 Milliarde Franken
Guy Parmelin (66) ist gerade viel unterwegs: Letzte Woche war der Bundespräsident noch in Saudi-Arabien, am Montag sass er in der Sondersession des Nationalrats in Bern. Und bereits am Dienstag ist der Bundesratsjet in Serbien gelandet. Parmelin ist zum Präsidialbesuch eingetroffen und wird von Präsident Aleksandar Vučić (56) empfangen. Danach gehts gleich weiter: Erstmals reist ein Schweizer Bundespräsident als offizieller Staatsgast nach Nordmazedonien.
Eine gewisse diplomatische Brisanz hat der Besuch: Vučić war wegen seiner prorussischen Haltung in Europa mehrfach in die Kritik geraten, ebenso wegen des Umgangs mit Demonstrierenden.
Gründe für den Balkan-Abstecher gibt es aber genug: In der Schweiz leben viele Personen aus Ex-Jugoslawien. Über 50’000 serbische Bürgerinnen und Bürger sind es. Insgesamt dürften rund 120’000 bis 150’000 Personen in der Schweiz Wurzeln im Balkanstaat haben. Rund 100’000 sind es im Fall von Nordmazedonien. Parmelin betont denn auch die gewachsene gemeinsame Geschichte, seit die Schweiz während der Balkankriege Flüchtlinge aufgenommen und humanitäre Hilfsprogramme lanciert hatte.
Viele serbische Auswanderer hätten enge Beziehungen zu ihrer Heimat, in die sie Geld überweisen, in Unternehmen in Serbien investieren und die wirtschaftliche oder kulturelle Zusammenarbeit fördern, sagt Parmelin zu Blick. «Die grosse serbische Diaspora in der Schweiz ist eine gut integrierte und dynamische Gemeinschaft, die in zahlreichen Bereichen, darunter Wirtschaft, Wissenschaft, Medizin, Sport und Kultur, einen wesentlichen Beitrag für die Schweiz geleistet hat.» Serbien und die Schweiz feiern zudem 110 Jahre diplomatische Beziehungen.
Schlüsselstandort für Auslagerung von IT-Diensten
Als Wirtschaftsminister blickt Parmelin auch auf die Zahlen. «Serbien ist der wichtigste Schweizer Handelspartner im westlichen Balkan», betont er. Das Handelsvolumen überstieg vergangenes Jahr erstmals die Milliardengrenze. «Was den Dienstleistungshandel betrifft, so ist die Schweiz weltweit Serbiens viertgrösster Partner. Es besteht weiterhin Potenzial für eine Ausweitung, insbesondere in den Bereichen IT, technologieorientierte Branchen und erneuerbare Energien.»
Über 600 Schweizer Firmen sind in Serbien aktiv. In den letzten Jahren wurde Serbien zu einem Schlüsselstandort für Schweizer IT-Auslagerungen. Firmen wie Galaxus, Ricardo und die Scout24-Portale haben Bezüge zu Serbien. Die Schweiz könne zudem bei der Weiterentwicklung der dualen Berufsbildung einen relevanten Beitrag leisten, so Parmelin.
215 Schweizerinnnen und Schweizer leisten Dienst bei Friedenssicherung
Nicht zuletzt hat die Schweiz eine Friedensmission. 215 Schweizerinnen und Schweizer leisten Dienst bei der Friedenssicherungsmission Kfor. Der Bundesrat will das Mandat bis Ende 2029 verlängern. Seit mehreren Jahren treffen sich die Parteien zudem einmal jährlich in Solothurn zum Dialog.
Die Schweiz arbeite hin auf die «Normalisierung der Beziehungen und auf praktische Fortschritte, die das tägliche Leben der Menschen auf beiden Seiten verbessern», sagt Parmelin. «Ich bin beeindruckt von den wirtschaftlichen Fortschritten, die die Balkanländer in den letzten zwei Jahrzehnten erzielt haben. Diese Fortschritte hätten ohne ein gewisses Mass an Stabilität nicht erreicht werden können.»
Parmelin will auch das neue Kooperationsprogramm zwischen der Schweiz und Serbien lancieren. Es setzt die Schwerpunkte «auf demokratische Regierungsführung, wirtschaftliche Entwicklung und Beschäftigung sowie Klimawandel und nachhaltige Stadtentwicklung».
Serbien schätzt den Besuch Parmelins. Die serbische Botschaft sieht es als starkes politisches Zeichen, dass Parmelin bei einem seiner wenigen Auslandsbesuche ins Land reise.