Darum gehts
- Ema M. (†4) stirbt nach Routine-Mandeloperation am 4. Februar in Serbien
- Bronchospasmus und Blutungen in der Erholungsphase führten zu ihrer Verlegung nach Belgrad
- Familie fordert Aufklärung, interne und externe Untersuchungen wurden eingeleitet
«Die Krankenschwester kam aus dem Operationssaal und sagte mir, sie habe zu Gott gebetet, dass meine Ema überleben möge.» Nach einer routinemässigen Mandeloperation in einem Spital im serbischen Čačak ist ein vierjähriges Mädchen tragischerweise verstorben.
Ema M.* (†4), die aus der Gegend von Čačak stammte, litt an Problemen mit ihren Mandeln. Im allgemeinen Spital in Čačak wurde sie deshalb an ihrer dritten Mandel operiert. Eine Routineoperation – doch dann traten Komplikationen auf. Das Mädchen wurde von Čačak nach Belgrad verlegt. Doch dort verstarb Ema am 4. Februar im Institut für Mutter und Kind.
Während der Erholungsphase traten Komplikationen auf
Laut ihren Eltern habe Ema ausser Problemen mit ihren Mandeln keine weiteren gesundheitlichen Probleme gehabt. Da die Routineoperation nun so tragisch endete, wurde im Spital in Čačak eine interne Qualitätsprüfung angeordnet. Untersucht wird, ob es Versäumnisse gegeben hat.
Während der Operation war die Blutung normal, und nach der Mandelentfernung gab es keine Blutungen, erklärt eine Quelle von Blic. Auch der Anästhesiebericht scheint unauffällig. Während der Erholungsphase trat jedoch ein Bronchospasmus auf, eine Verkrampfung der Muskeln um die Atemwege, die das Atmen erschwerte. «Ausserdem kam es zu einer starken Sekretion aus dem Schlauch», heisst es von der Quelle.
«Bei der Aufnahme ins Spital war die HNO-Untersuchung des Mädchens jedoch unauffällig; ihre Nase und ihr Rachen waren in gutem Zustand, und es gab keine Kontraindikationen für die Operation», fügt die Quelle hinzu.
«Niemand hat mir gesagt, was genau im Operationssaal passiert ist»
Die Mutter des Mädchens, Sanja, beschreibt die Momente nach der Operation: «Eine Krankenschwester sagte mir zunächst, die Operation sei vorbei und ich solle sie aufwecken. Doch dann kam sie zurück in den Operationssaal und blieb dort etwa drei Stunden lang, glaube ich. Als sie herauskam, sagte sie mir nur, dass sie nicht wisse, was passiert sei, dass ihr Zustand jedoch kritisch sei und dass sie zu Gott bete, dass meine Ema überleben möge.»
Danach sei der Chirurg aus dem Operationssaal gekommen und habe der Mutter gesagt, dass die Operation gut verlaufen sei. Doch als sie das Mädchen aufweckten, hätten sie eine Blutung in der Lunge festgestellt.
«Genauer gesagt, war Blut im Schlauch. Ich weiss nicht, wann sie den Schlauch wieder eingeführt haben, da er angeblich zweimal gelegt wurde. Vielleicht haben sie sie dabei verletzt, denn das Kind ist nie krank gewesen. Das sind alles unsere Vermutungen, denn niemand hat mir gesagt, was genau im Operationssaal passiert ist. Sie sagten mir nur, dass ihr Zustand nicht stabil sei und sie nach Belgrad verlegt werden müsse. Wir waren lange dort und warteten auf die Verlegung», sagt die Mutter des Mädchens.
«Es ist wichtig für uns, die Wahrheit zu erfahren»
Als endlich die Verlegung organisiert werden konnte, kam das Mädchen mit einem Blutdruck von 50 zu 22 in Belgrad an.
«Die Ärzte und das medizinische Personal in Belgrad haben wirklich ihr Bestes gegeben, das weiss ich ganz sicher. Wir vermuten, dass im Spital von Čačak ein Fehler gemacht wurde. Auf unseren Wunsch und auf Wunsch des Instituts für Mutter und Kind wurde eine forensische Autopsie durchgeführt. Es ist wichtig für uns, die Wahrheit zu erfahren, warum wir unser Kind verloren haben», sagt Emas Mutter.
Kundgebung vor dem Spital
Vor dem Spital in Čačak versammelten sich am Montagabend Familie und Freunde der kleinen Ema sowie weitere Bürger von Čačak. Sie wollen die Angehörigen unterstützen und fordern Antworten, wie und warum das Mädchen nach einer Routineoperation gestorben ist.
«Wir haben uns hier versammelt, um Antworten zu suchen, um Gerechtigkeit für Ema zu suchen. Damit so etwas nie wieder jemandem passiert. Ein Kind kam zur Mandeloperation und starb. Das darf nicht ignoriert werden», sagte einer der Versammelten.
Auch Emas Eltern waren unter den Versammelten, tränenüberströmt und gebrochen vor Trauer. Ihre Mutter Sanja sagte: «Niemand hat mir etwas gesagt, nur dass mein Kind nach Belgrad muss.»
Interne und externe Untersuchung eingeleitet
Das allgemeine Spital in Čačak erklärte in einer Pressemitteilung: «Wir sprechen der Familie unser tiefstes Beileid aus und werden alle Massnahmen ergreifen, um die Ursache dieses tragischen Ereignisses zu ermitteln.»
Eine interne Überprüfung sei angeordnet worden. Die Spitalleitung hat das Gesundheitsministerium und die Gesundheitsaufsichtsbehörde über den Vorfall vom 4. Februar informiert. Das Spital gab bekannt, dass eine interne Überprüfung der Qualität der fachlichen Arbeit angeordnet wurde.
Auch extern wurde eine Überprüfung der Qualität der fachlichen Arbeit angeordnet. Diese soll zusätzlich zu den Ergebnissen der Obduktion feststellen, ob eine medizinische Fahrlässigkeit vorliegt. Der medizinische Inspektor stellte bereits fest, dass die medizinischen Unterlagen in Übereinstimmung mit allen fachlichen Standards geführt worden seien, hiess es weiter in der Erklärung.
*Name bekannt
Dieser Artikel ist zuerst auf Blic.rs erschienen.