Darum gehts
- Schweiz verzeichnete 68'040 Staustunden, 22 Prozent mehr als 2024
- Direktor Röthlisberger kritisiert stark belastetes Verkehrsnetz im Mittelland
- Volks-Nein zu Ausbauprojekten 2024 blockiert, nur zwei Projekte für 2027
Wenn langsam die letzten Feriengänger aus dem Tessin in die Deutschschweiz zurückkehren, wird die neu gewonnene Geduld gleich wieder auf die Probe gestellt. Die Schweiz steht immer häufiger im Stau. Nicht nur nach den Ferien, sondern generell: 68'040 Staustunden wurden im letzten Jahr in der Schweiz verzeichnet, 22 Prozent mehr als im Vorjahr.
Das ärgert auch Jürg Röthlisberger, Direktor des Bundesamts für Strassen. «Vielerorts im Mittelland steigt das Verkehrsaufkommen mittlerweile am Morgen stark an, je nach Region schon früh, und bleibt konstant hoch», sagt er im Interview mit der «NZZ». Er wählt klare Worte zum Verkehrsaufkommen in der Schweiz. «Die typischen Verkehrsspitzen mit einem Tief am Tag gibt es vielerorts nicht mehr», sagt er. «Im Raum Zürich flacht der Verkehr nicht mehr vor 22 Uhr ab.» Das Netz sei stark belastet und «die Verlässlichkeit nicht mehr gegeben».
Punktuelle Ausbauten
Röthlisberger weiter: «Für die Verkehrsteilnehmer ist heute oft kaum absehbar, ob eine Fahrt eineinhalb oder drei Stunden dauert.» Nun wolle man das mit «punktuellen Ausbauten und dem Verkehrsmanagement» verbessern.
Nur: Erst kürzlich hat das Stimmvolk einen Autobahnausbau abgelehnt. Der Bundesrat um Albert Rösti (58) hat in den Ausbauschritt 2027 dann auch nur zwei Projekte aufgenommen: eines in Aarau Ost bei der Verzweigung Birrfeld AG und eines zwischen Perly und Bernex GE.
Diese Projekte brauche man «unbedingt», so Röthlisberger. «Auch die anderen sechs Vorhaben, die das Stimmvolk im Jahr 2024 verworfen hat, sind immer noch nötig.» Doch es gehöre zur Demokratie, nach einem Volks-Nein einen Stopp einzulegen. «Ich akzeptiere, dass wir aus politischen Gründen die abgelehnten Projekte nicht gleich wieder vorschlagen können. Einen Teil bringen wir allenfalls in der übernächsten Etappe wieder.»
Region Basel ist der Stau-Hotspot
Und wo staut es sich am stärksten? Bei der Region Basel spricht sogar der Bund von einem «Hotspot». Die Staustunden haben hier um schier unglaubliche 60 Prozent zugenommen. Rund 40 Prozent der zusätzlichen Staustunden auf dem gesamten Nationalstrassennetz sind in der Region Basel entstanden.
Die grösste Zunahme betrifft den Autobahnabschnitt zwischen der Verzweigung Hagnau und Badischer Bahnhof. Alleine hier wurden 2025 je nach Fahrtrichtung bis zu 1500 zusätzliche Staustunden gemessen. Das entspricht einer Mehrbelastung von drei bis vier Stunden am Tag.
Ebenfalls deutlich zugenommen hat die Belastung auf der A1 mit zusätzlichen 2431 Staustunden. Das damit verbundene Wachstum von 15 Prozent liegt allerdings unter dem schweizweiten Durchschnitt. Die Zunahmen waren räumlich entlang der Gesamtachse verteilt, mit Schwerpunkten im Raum Genf, im Raum Bern, zwischen Luterbach SO und Härkingen SO sowie in den Räumen Aarau und Zürich.