Bund schlägt Alarm
Staustunden haben um 22 Prozent zugenommen!

Autofahrerinnen und Autofahrer stehen in der Schweiz immer öfter und länger im Stau. Neue Zahlen zeigen eine massive Zunahme. Das Strassennetz stosse vermehrt an seine Kapazitätsgrenze, heisst es beim Bund.
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Seit Jahren eilt die Schweiz von Staurekord zu Staurekord.
Foto: Sven Thomann

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Die Schweiz verzeichnete im Jahr 2025 68'040 Staustunden, das ist ein Anstieg um 22 Prozent
  • Laut Astra ist der Nationalstrassenverkehr seit 1990 um 140 Prozent gewachsen
  • 9 Milliarden Franken sind bis 2045 für den Nationalstrassenausbau geplant, Kritik am Bundesrat
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Marco LüssiBlattmacher

68’040 Staustunden wurden im letzten Jahr in der Schweiz verzeichnet. Die Zahl, die Blick exklusiv vorliegt, belegt: Die Überlastung des Verkehrs nimmt immer weiter zu. Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl der Staustunden noch einmal um 22 Prozent angestiegen.

Von einer «deutlichen Zunahme» im Jahr 2025 spricht man auch beim Bundesamt für Strassen (Astra). Sprecher Jérôme Jacky (36) sagt zu Blick: «Staus treten häufiger auf, dauern länger und werden weniger zuverlässig planbar.»

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Verkehrsflut auf den Autobahnen

Als zentralen Grund nennt das Astra das Verkehrswachstum auf den Autobahnen. Während der Verkehr auf anderen Strassen seit dem Jahr 1990 im Gleichschritt mit der Bevölkerung zugenommen habe – also um rund 30 Prozent –, sei er auf den Nationalstrassen um 140 Prozent gewachsen. Jacky: «Dadurch stösst das Netz mittlerweile immer häufiger an seine Kapazitätsgrenze.»

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Dies ist längst nicht mehr nur zu Pendlerzeiten der Fall, sondern vielerorts über weite Teile des Tages. Weil das Netz am Limit laufe, könnten auch kleinere Ereignisse wie Pannen, Unfälle oder abrupte Bremsmanöver zu Staus und stockendem Verkehr führen, so Jacky.

Verkehrsfluss soll besser werden

Das Astra greift deshalb zu Massnahmen, die den Verkehrsfluss verbessern sollen. Jacky: «Mit intelligenten Anlagen wie Geschwindigkeitsharmonisierungen, temporären Pannenstreifenumnutzungen und Einfahrtsdosierungen wird der bestehende Strassenraum besser genutzt.» Zudem arbeite das Astra daran, diese Verkehrsmanagement-Anlagen weiterzuentwickeln.

Wo das Verkehrsaufkommen dauerhaft hoch ist und weiter zunimmt, will der Bund zudem «punktuelle Ausbauten» vornehmen. Wo und wie, zeigt die Vorlage «Verkehr ‘45», die der Bundesrat am Freitag verabschiedet hat. Als Erstes sollen zwei Projekte auf der Autobahn A1 umgesetzt werden: der 6-Spurausbau Aarau-Ost–Verzweigung Birrfeld AG und der 6-Spurausbau Perly–Bernex. So sollen Engpässe zwischen Bern und Zürich sowie in der Region Genf beseitigt werden. Die beiden Projekte kosten 1,6 Milliarden Franken. Insgesamt sollen bis 2045 9 Milliarden Franken in den Ausbau von Nationalstrassen fliessen.

Kritik an Rösti von allen Seiten

Verkehrsminister Albert Rösti (58) muss für die Vorlage allerdings viel Kritik einstecken – von allen Seiten. Grünen-Präsidentin Lisa Mazzone (38) sagt: «Jede neue Spur führt zu mehr Verkehr, mehr Lärm, mehr Emissionen.» Der Bundesrat müsse endlich aufhören, «Infrastrukturen zu bauen, die uns im fossilen Zeitalter gefangen halten».

2024 habe die Stimmbevölkerung Röstis Pläne für Megastrassen aus Umweltschutzgründen bachab geschickt. Dass der Bundesrat nun trotzdem Milliarden in Autobahnen investieren wolle, sei die Missachtung eines Volksentscheids.

«Dramatische Verschlechterung»

Ganz anders sieht es die Autolobby. Peter Grünenfelder (59), Präsident von Auto Schweiz, sagt, der Bundesrat vernachlässige den Strassenausbau zugunsten der Bahn: «Es kann nicht sein, dass die Automobilistinnen und Automobilisten mit immer mehr Steuern und Abgaben einen wesentlichen Teil der Verkehrsinfrastruktur finanzieren und gleichzeitig immer länger im Stau stehen, weil der Bundesrat unter Ausblendung der tatsächlichen Mobilitätsbedürfnisse einseitig in die Bahninfrastruktur investieren will.»

Auch FDP-Nationalrat Heinz Theiler (56, Schwyz) fragt sich, ob der Bundesrat genug gegen die Stausituation unternehme, die sich in den letzten Jahren «dramatisch verschlechtert» habe. In einer diese Woche eingereichten Interpellation will Theiler von der Landesregierung wissen, wie hoch die volkswirtschaftlichen Schäden seien, die durch das heutige Stauniveau angerichtet würden.

Scharfe Worte aus Zürich

Ärger über den Bundesrat herrscht auch im Kanton Zürich. Regierungspräsidentin Carmen Walker Späh (68, FDP) bemängelt, dass im Konzept «Verkehr ’45» ergänzende Ausbauten zu Bahn-Grossprojekten fehlen würden. «Das ist, wie wenn man eine Autobahn ohne Auffahrt bauen würde.»

Besonders sauer stösst Walker Späh auf, dass der Bundesrat dafür am 800 Millionen Franken teuren Bau des Grimseltunnels festhalten will, der das Goms mit dem Berner Oberland verbinden soll. «Es kann nicht sein, dass die knappen Gelder für die Bahninfrastruktur für touristische Prestigebauten zweckentfremdet werden.»

«Belastung dürfte weiter wachsen»

Sowohl bei der Bahn als auch bei den Strassen herrscht also grosse Uneinigkeit darüber, ob, wo und wie der Ausbau bewerkstelligt werden soll. Sicher ist: Von selber wird der Dichtestress im Verkehr nicht abnehmen. Astra-Sprecher Jacky: «Wir gehen davon aus, dass die Belastung auf dem Nationalstrassennetz auch künftig hoch bleibt beziehungsweise noch weiter wachsen dürfte.»

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