Trotz Widerstand aus Röstis SVP
Bundesrat hält an seinen Tempo-80-Plänen fest

Die SVP will nicht aufs Bremspedal treten müssen – der Bundesrat beharrt darauf. Doch die Partei von Albert Rösti plant den Aufstand gegen Tempo 80 auf vielen Autobahnen.
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Bei zu viel Verkehr können gewisse Anlagen automatisch die erlaubte Höchstgeschwindigkeit anpassen.
Foto: Keystone

Darum gehts

  • Albert Rösti plant Tempo 80 auf Schweizer Autobahnen zu Stosszeiten
  • Tempo 80 soll Staus verringern und Verkehrssicherheit verbessern, sagt Bundesrat
  • Heute gelten Tempo 80 auf 500 km, bald auf 1100 km
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Daniel BallmerRedaktor Politik

Verkehrsminister Albert Rösti (58) ist von seinen Plänen überzeugt: Tempo 80 auf Autobahnen verflüssigt den Verkehr, erhöht die Sicherheit und senkt erst noch den Lärm. Alles in einem. Zu Stosszeiten dürfte daher schon bald das Tempolimit auf grossen Teilen des Schweizer Autobahnnetzes kommen.

Heute gilt Tempo 80 zu Stosszeiten auf rund 500 Autobahnkilometern – in ein paar Jahren dürfte es auf 1100 der insgesamt 2254,5 Kilometer der Fall sein. Möglich machen das elektronische Anzeigen, die auf Tempo 80 umschalten, wenn es zu viel Verkehr hat.

Tempo 80 ist «der falsche Weg»

Das passt nicht allen in Röstis SVP. Für Nationalrat Thomas Knutti (52) ist Tempo 80 «aus verkehrstechnischer wie auch volkswirtschaftlicher Sicht der falsche Weg». Per Vorstoss fordert er den Bund auf, dass das Tempolimit wirklich nur ausnahmsweise möglich sein soll, wenn es etwa um die Verkehrssicherheit geht.

«Die Nationalstrassen sind das Rückgrat der Mobilität in der Schweiz», argumentiert Knutti. «Häufige und grossflächige Tempowechsel destabilisieren den Verkehrsfluss, erhöhen die Unfallgefahr und führen zu ineffizientem Fahrverhalten.» Tempowechsel würden genau jene Staus verursachen, die sie verhindern sollen.

Bei Tempo 80 weniger Überholmanöver

Tempo 80 soll nur streckenweise situationsabhängig signalisiert werden, versichert der Bundesrat. Für einen gleichmässigen Verkehrsfluss könnten Temporeduktionen sinnvoll sein, «weil die Nationalstrassen auf zahlreichen Abschnitten regelmässig überlastet sind». Das zeige sich in den seit Jahren zunehmenden Staustunden.

Ende 2024 hatte sich das Stimmvolk gegen einen Autobahn-Ausbau entschieden. Und solange ein Kapazitätsausbau auf den stark belasteten Abschnitten nicht möglich ist, trage die zwischenzeitliche Signalisation von Tempo 80 dazu bei, den Verkehrsfluss zu stabilisieren und Stausituationen zu vermeiden, argumentiert der Bundesrat.

Bei Tempo 80 seien Personenwagen gleich schnell unterwegs wie Lastwagen. So komme es zu deutlich weniger Überholmanövern, was auf zweispurigen Autobahnen eine deutlich ausgewogenere Auslastung von Überhol- und Normalspur begünstige.

Temporeduktion nur bei drohendem Stau

Gleichzeitig führe Tempo 80 zu einem gleichmässigeren Verkehrsablauf mit kürzeren Abständen, weniger Fahrspurwechseln und damit verbunden auch weniger abrupten Bremsmanövern. So könne die vorhandene Infrastruktur effizienter genutzt werden, ist der Bundesrat überzeugt.

Dennoch: Tempo 80 werde erst signalisiert, wenn die Anlagen eine drohende Verkehrsüberlastung feststellen. «Sobald sich die Verkehrslage normalisiert, wird die Temporeduktion wieder aufgehoben», betont der Bundesrat.

Ein Verzicht auf solche Anlagen würde zu häufigeren und ausgeprägteren Staus führen. Diese wirkten sich negativ auf die Verkehrssicherheit aus, verlängerten die Fahrzeiten und führten zu unerwünschtem Ausweichverkehr. Zumindest in diesem Punkt dürften sich Verkehrsminister Rösti und seine Partei einig sein.

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