Neuer Kampfjet ist viel lauter
VBS redet den F-35 leise

Der neue Kampfjet F-35 wird deutlich lauter sein als die bisherigen F/A-18. Derzeit stellt das VBS Massnahmen vor, um Anwohner rund um die drei Militärflugplätze Payerne, Meiringen und Emmen zu beruhigen. Das reicht nicht allen.
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Der F-35 (r.) soll den bisherigen Schweizer Kampfjet F/18-18 ablösen.
Foto: Sam Bosshard

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Der neue F-35-Kampfjet wird ab 2028 in der Schweiz eingesetzt
  • Der F-35 ist lauter als der F/A-18, bis zu 3 Dezibel
  • 30 Mio. CHF für Schallschutzfenster an 230 betroffenen Gebäuden geplant
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Daniel BallmerRedaktor Politik

Schöner, schneller, besser – von Anfang an lobte das VBS den neuen US-Kampfjet F-35 in den höchsten Tönen. Nicht nur moderner als die Konkurrenz, sondern erst noch günstiger sei er. Der Fünfer und das Weggli. Die damalige Verteidigungsministerin Viola Amherd (63) liess keine Gelegenheit aus, die Werbetrommel zu rühren. Kritik war unerwünscht.

Nicht alle Voraussagen haben sich bewahrheitet. Stichwort: Fixpreis. Der Flieger wird deutlich teurer als versprochen. Auch die Umbaukosten für die Militärflughäfen wurden stets kleingerechnet. Doch geht es um den Fluglärm, sind vom VBS nur leise Töne zu hören. Denn der F-35 ist nochmals deutlich lauter als die heutigen Kampfjets F/A-18.

«Versuchen, wenn immer möglich Rücksicht zu nehmen»

Nun versucht das VBS einmal mehr, den Flieger im besten Licht darzustellen. Er soll ab 2028 auf dem Militärflugplatz Payerne VD stationiert werden, ab 2030 in Meiringen BE und ab 2032 in Emmen LU.

Zwar sei der F-35 tatsächlich lauter, räumt das VBS ein. Aber es sei nur halb so wild: «Mit 3 Dezibel ist der Unterschied gerade noch wahrnehmbar», betonte Oberst Marcel Mühlethaler am Montag vor den Medien. Er ist verantwortlich für die Einführung des F-35.

Künftig seien aber nur etwa halb so viele Flüge nötig (Payerne 4200 Starts/Landungen, Meiringen 2040, Emmen 1090). Dies, weil mehr Trainings im Flugsimulator möglich sein sollen. Die Jahresbelastung bleibe so in etwa gleich wie heute.

«Ich kann versichern, dass sich die Luftwaffe ihrer Verantwortung gegenüber der Bevölkerung durchaus bewusst ist», sagte Mühlethaler. «Wir versuchen, wenn immer möglich, Rücksicht zu nehmen.»

Wenn es nichts bringt, zahlt der Bund auch nicht

Aber alleine darauf will sich das VBS dann doch nicht verlassen. Diese Woche informiert es die Bevölkerung an den betroffenen Standorten über weitere Massnahmen.

Massnahme 1: Um die Lärmbelästigung möglichst tief zu halten, will die Luftwaffe jeweils am Montagmorgen und Freitagnachmittag auf Trainingsflüge mit dem F-35 verzichten. Damit setze die Luftwaffe ein Anliegen der betroffenen Gemeinden um.

Massnahme 2: Dennoch sind Liegenschaften rund um die drei Flugplätze von zu hohen Lärmgrenzwerten betroffen. Dort müssen Schallschutzfenster eingebaut werden. In Meiringen und Payerne seien es je noch rund 30 Häuser, in Emmen etwa 170.

«Falls Massnahmen zu keiner nennenswerten Lärmsenkung führen, werden wir darauf verzichten», erklärte Projektleiter Patrick Zollinger. Die 30 Millionen Franken für die Sanierungen trägt der Bund, sie sind mit der Armeebotschaft 2026 beantragt.

Eigentlich wollte das VBS zum Hörvergleich der Bevölkerung am Dienstag italienische F-35 starten lassen. Rom aber machte einen Rückzieher – «aus operationellen Gründen». Die Präsentation muss daher verschoben werden.

Andernorts schnellte die Zahl der Lärmklagen in die Höhe

Rund drei Dezibel soll der F-35 beim Start lauter sein als die F/A-18. Das tönt nicht nach viel. Tatsächlich aber verursacht der F-35 beim Start denselben Schalldruck wie zwei F/A-18, die gleichzeitig starten. In Dänemark, wo der Jet seit ein paar Jahren im Einsatz ist, kam es zu vielen Lärmklagen. Anwohner sollen gar ihre Häuser verkauft haben.

Ähnlich tönte es 2021 nach der Einführung des F-35 in Norwegen oder Holland. Ein Beitrag der SRF-«Rundschau» zeigte damals: Anwohner litten unter dem Tarnkappenjet. Die Zahl der Lärm-Beschwerden schnellte in die Höhe.

Die tiefen Lärm-Frequenzen sorgten zudem für Vibrationen, Vasen und Geschirr wackelten. In einer Dorfschule nahe der Startpiste seien Lärmwerte bis 110 Dezibel gemessen worden – so laut wie ein Presslufthammer.

In Meiringen löste das damals Sorgen aus. Massgebend sei der einzelne Start, die einzelne Landung, nicht die durchschnittliche Belastung. Es dürfe nicht lauter werden. Der Vergleich mit dem Ausland hatte aber gezeigt, dass etwa Norwegen deutlich mehr in den Schallschutz von Anwohnern investiert hatte als die Schweiz bis dahin.

Massnahmen reichen nicht allen

Das VBS hatte sich davon anfangs wenig beeindruckt gezeigt. Heute tönt es anders: Bisher wurden verschiedene Massnahmen geprüft, um den Lärm rund um die Flugplätze so weit wie möglich zu mindern. Der Druck zeigt Wirkung.

Der Gemeinde Emmen aber reicht das nicht. Weil die einzelne Flugbewegung lauter wird, bedeute das eine zusätzliche Belastung. Sie will daher eine «angemessene Entschädigung». Und Emmen hat konkrete Forderungen: Der Bund soll sich etwa finanziell an der Sanierung des Hallenbads Mooshüsli beteiligen, das in der Anflugschneise liegt.

Die Probleme mit dem F-35 scheinen für das VBS kein Ende zu nehmen.

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