Darum gehts
- Mitte-Politiker fordern Smartphone-Verbot für Kinder unter 12 Jahren in der Schweiz
- Zu viele Kinder leiden unter Schlafproblemen und Konzentrationsstörungen durch Smartphones
- Bundesrat lehnt das Handyverbot ab
Ob Chatten, Gamen oder Social Media – das Smartphone ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Auch für viele Kinder ist das Handy ein ständiger Begleiter. Viele nutzen es täglich, und das stundenlang. Mit negativen Folgen: Schlafprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten in der Schule bis hin zu körperlichen und psychischen Beschwerden durch eine übermässige Smartphone-Nutzung.
«Diese Situation hat schädliche Auswirkungen auf die körperliche und psychische Gesundheit der Kinder und damit indirekt auf die Zukunft unserer Gesellschaft», sagen die beiden Mitte-Nationalräte Giorgio Fonio (41, TI) und Regina Durrer (54, NW). Der Problematik wollen sie mit einer radikalen Massnahme den Riegel vorschieben. «Es braucht ein Smartphone-Verbot für Kinder unter zwölf Jahren!» Das fordern sie gemeinsam in einem Vorstoss, den sie in der Frühlingssession im Parlament eingereicht haben. Handys, die nur zum Telefonieren und Simsen gebraucht werden können, wären vom Verbot ausgenommen.
Eingriff in elterliche Erziehungsautonomie
Der Bundesrat erteilt dem Ansinnen nun eine Absage. «Der Schutz von Kindern vor problematischen Nutzungsformen digitaler Technologien ist ein legitimes und wichtiges Anliegen», schreibt SP-Gesundheitsministerin Elisabeth Baume-Schneider (62) in ihrer Antwort. «Die Motion geht aber mit einem Verkaufsverbot von Smartphones und Nutzungsabonnements an Kinder unter 12 Jahren sehr weit und stellt einen wesentlichen Eingriff unter anderem in die Erziehungsautonomie der Eltern dar.»
Insbesondere würden sich Fragen der praktischen Umsetzbarkeit und Wirksamkeit stellen. Entsprechende Regelungen wären mit erheblichen Umgehungsmöglichkeiten verbunden, etwa durch den Bezug von Geräten und Abonnements über die Eltern, wie dies bereits heute häufig der Fall sei, so das Innendepartement.
Digitale Alterskontrolle wird geprüft
Allerdings ist sich Baume-Schneider der Problematik bewusst, die die digitale Mediennutzung für die psychische und physische Entwicklung von Kindern mit sich bringt. So bleibt sie denn auch nicht untätig.
Bereits geprüft wird etwa eine digitale Alterskontrolle für den Zugang zu den wichtigsten Funktionen und Apps. Auch Altersschranken für soziale Netzwerke sowie weitere Jugendschutz-Massnahmen sind ein Thema und könnten im neuen Bundesgesetz über Kommunikationsplattformen und Suchmaschinen, das derzeit erarbeitet wird, aufgegriffen werden.
Fonio will dranbleiben
Für Mitte-Nationalrat Fonio war der Bundesratsentscheid «absehbar», wie er gegenüber Blick sagt. Das Thema müsse trotzdem mit Nachdruck vorangetrieben werden. «Es ist offensichtlich, dass das Problem nicht mehr nur den Bildungsbereich betrifft, sondern vor allem die Gesundheit unserer Kinder», macht er klar. Dies bestätigten Fachpersonen, Kinderärztinnen und Kinderärzte sowie zunehmend auch internationale Studien.
«Es geht nicht darum, die Technologie zu verteufeln, sondern darum, die Kindheit in einer sensiblen Entwicklungsphase zu schützen», betont der Tessiner. «Als Gesellschaft haben wir die Pflicht, das Vorsorgeprinzip anzuwenden gegenüber Instrumenten, die erhebliche Auswirkungen auf den Schlaf, die Konzentrationsfähigkeit, die psychische Gesundheit und die sozialen Beziehungen der jüngeren Generation haben können.»