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Kritik am Gesetzesvorschlag zur Regulierung von Tech-Plattformen

Der Bundesrat will per Gesetz mehr Transparenz und Sicherheit im digitalen Raum schaffen. Die meisten Vernehmlassungsteilnehmer wollen Tech-Plattformen schärfer regulieren.
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Der Bundesrat will per Gesetz mehr Transparenz und Sicherheit im digitalen Raum schaffen.
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Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • 5 bis 15 Unternehmen betroffen vom Gesetzesentwurf
  • SVP spricht von «Zensurgesetz», für Grüne ist das Gesetz «klar ungenügend»
  • Kritik an unzureichendem Jugendschutz
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Keystone-SDADie Schweizer Nachrichtenagentur

Mit dem Bundesgesetz über Kommunikationsplattformen und Suchmaschinen will der Bundesrat mehr Transparenz und Sicherheit im digitalen Raum schaffen. Sehr grosse Kommunikationsplattformen wie Facebook, X, Tiktok und Google sollen Nutzerinnen und Nutzern in der Schweiz in Zukunft ein Verfahren anbieten müssen, mit dem sie bestimmte, mutmasslich rechtswidrige Inhalte unkompliziert melden können.

Der bundesrätliche Vorentwurf beschränkt sich auf sehr grosse Kommunikationsplattformen und Suchmaschinen. Diese beeinflussen laut der Landesregierung aufgrund ihrer Reichweite die öffentliche Debatte und Meinungsbildung stark. Nach heutigem Stand beträfe das Gesetz demnach fünf bis fünfzehn ausländische Unternehmen.

SVP gegen «neues Zensurgesetz»

Bei den Parteien ist die SVP gegen den Vorentwurf, den sie «das neue Zensurgesetz» nennt: «Wir brauchen keine staatliche Meinungs-Polizei und keine Übernahme von EU-Bürokratie.» Die bestehende Rechtsordnung sei ausreichend, um echte Kriminalität im Netz zu verfolgen. Alles, was darüber hinausgehe, sei ein Angriff auf die Freiheit der Bürger. Die Vorlage zentralisiere Kompetenzen beim Bund und missachte die Hoheit der Kantone in der Strafverfolgung.

Die Mitte unterstützt den Gesetzesentwurf grundsätzlich, denn die Regulierung von Kommunikationsplattformen und Suchmaschinen sei notwendig, um die Rechte der Nutzer zu stärken. Die Partei fordert jedoch Verbesserungen, insbesondere in den Bereichen Schutz von Minderjährigen, Risikoreduktion, Transparenzpflicht und Krisenmanagement (zum Beispiel gegen Desinformation). Zudem solle zielgerichtete Werbung für Minderjährige stark beschränkt werden.

Für Grüne «klar ungenügend»

Das Prädikat «klar ungenügend» verleiht die Grüne Partei dem Gesetzesentwurf – die Schutzmechanismen seien nicht ausreichend. So sei unter anderem ein Verbot von personalisierter Werbung aufzunehmen. Auch die Grünliberale Partei sieht im Entwurf Lücken und fordert wesentliche Nachbesserungen, unter anderem stärkere Regeln gegen KI-generierte sexuelle Inhalte.

Die SP sieht die Vorlage des Bundesrats ebenfalls als ungenügend an. Sie führe das bisher in der Schweiz gegenüber den Plattformkonzernen praktizierte «laissez-faire fort – mit Folgen für die Rechte der einzelnen Userinnen und die Gesellschaft als Ganzes».

Die Partei verlangt «ein entschlossenes Vorgehen gegen die Markt- und Meinungsmacht der grossen Plattformkonzerne» und fordert «die vollständige Übernahme und Umsetzung der EU-Plattformregulierung und das Ende des Haftungsprivilegs der grossen Plattformen». Mit der Vorlage werde sich an den toxischen Geschäftsmodellen und Unternehmensstrukturen der Tech-Plattformen nichts ändern. Der Gesetzesentwurf müsse auf alle Plattformen anzuwenden sein, auch auf kleinere wie zum Beispiel den Messengerdienst Telegram.

Verlegerverband begrüsst Regulierung

Der Verlegerverband Schweizer Medien VSM begrüsst die geplante Regulierung. Der Gesetzesentwurf stelle einen wichtigen Schritt dar, um die Rechte der Nutzerinnen zu stärken sowie mehr Transparenz und Fairness im digitalen Raum zu schaffen. Die Vorlage sei dringlich und sollte rasch umgesetzt werden. Der Verband warnt, die Medienvielfalt sei aufgrund der Marktmacht der globalen Plattformen akut gefährdet.

Auch das Medienausbildungszentrum MAZ in Luzern begrüsst zwar das geplante Bundesgesetz, fordert aber weitergehende Schritte, darunter unter anderem eine strikte Kennzeichnungspflicht für von Künstlicher Intelligenz (KI) geschaffene Inhalte. Dies mit dem Ziel, dass sogenannte Deepfakes sowie synthetische (zusammengesetzte) Texte und Bilder auf Schweizer Plattformen erkannt werden können.

Kinderorganisationen fordern mehr Schutz

Mehrere Kinder- und Jugendorganisationen kritisieren am Gesetzesentwurf, dass dessen Schutz nicht ausreiche. Der europäische Digital Services Act (DSA) hingegen zeige, wie wirksamer Jugendschutz gestaltet werden könne: mit sicheren Voreinstellungen, Einschränkungen personalisierter Werbung und konkreten Pflichten zur Risikominderung.

Die Schweiz dürfe nicht hinter dieses Niveau zurückfallen, da sonst Kinder und Jugendliche hierzulande schlechter geschützt wären als Gleichaltrige in der EU, warnen der Kinderschutz Schweiz, Pro Familia, und der Dachverband Offene Kinder- und Jugendarbeit Schweiz sowie Pro Juventute. Letztere schreibt: «Kinder- und Jugendschutz darf nicht wirtschaftlichen oder aussenpolitischen Interessen untergeordnet werden», auch solle die Medienkompetenz gefördert werden.

Die digitalpolitische Organisation Algorithmwatch warnt, dass der aktuelle Gesetzesentwurf keine Massnahmen zum Jugendschutz vorsehe. Dazu bräuchte es etwa ein Verbot von personalisierter Werbung für Minderjährige, mahnt die Organisation in ihrer Stellungnahme. Ausserdem fehle die Pflicht für Plattformen, negative Auswirkungen auf Jugendliche zu evaluieren und zu minimieren.

Sichere Plattformen für Jugendliche fordert auch die Digitale Gesellschaft Schweiz – darüber hinaus die Einbeziehung integrierter KI-Systeme in den Geltungsbereich des Gesetzes und die verbindliche Pflicht zur Risikominderung, nicht nur der Risikoanalyse.

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