Darum gehts
- Mitte-Nationalräte fordern Verkaufsverbot von Smartphones an Kinder unter 12 Jahren
- 44 Prozent der Leser unterstützen Verbot
- Ausnahme: Handys nur für Telefonate und SMS, keine Social-Media-Zugänge
Die beiden Mitte-Nationalräte Giorgio Fonio (41, TI) und Regina Durrer (54, NW) wollen Kinder vor Smartphones schützen. Ihr Vorstoss sieht vor, dass weder Geräte noch Nutzungsabos an Minderjährige unter zwölf Jahren verkauft werden dürfen.
Anbieter sollen beim Verkauf das Alter der Käufer überprüfen und die Geräte standardmässig mit Kinder- und Jugendschutz-Einstellungen ausstatten. Damit Kinder nicht einfach auf die Smartphones ihrer Eltern ausweichen können, soll der Zugang zu wichtigen Funktionen und Apps auf allen Geräten über eine digitale Alterskontrolle gesichert werden. Ausgenommen vom Verbot wären einfache Handys, mit denen nur telefoniert und SMS geschrieben werden können.
Zustimmung und Kritik
Wie unsere Leserinnen und Leser zu diesem Vorstoss stehen, zeigt eine Blick-Umfrage: 44 Prozent sprechen sich für ein Verbot aus, da Kinder dadurch besser geschützt werden. 35 Prozent sind dagegen und finden, dass Eltern selbst entscheiden sollten, ob ihr Kind ein Smartphone bekommt. Weitere 14 Prozent könnten sich eine teilweise Einschränkung vorstellen, etwa ohne Zugang zu Social Media. Nur 6 Prozent lehnen ein Verbot ab, weil es im digitalisierten Alltag zu praktischen Problemen führen könnte.
Für Leser Marcel Baumann ist klar: «Wer Kindern schon ein Handy gibt, spielt mit ihrer Entwicklung! Sie müssen erst lernen, die reale Welt zu entdecken, echte Freundschaften zu erleben und soziale Fähigkeiten zu entwickeln. Ein Smartphone ersetzt diese Lernprozesse nicht.» Den Vorstoss der Mitte-Nationalräte befürwortet er durchaus. «Kinder unter zwölf Jahren brauchen Grenzen, Struktur und Vorbilder.»
Auch Marcel Bertsch begrüsst ein Smartphone-Verbot. «Als strenger Papa habe ich meinem Sohn die Playstation verboten und hatte viele Male Stress mit meiner Frau und meinem Sohn. Ich machte viel Sport mit ihm, ging mit der Familie in die Natur, beschäftigte ihn mit Wandern, Radfahren, Fussball usw.» Ein Handy gab es erst mit 16 Jahren. «Das Handy ist Gift für Kinder – sie sollen in der Freizeit draussen in der Natur sein, aber während der Schulzeit konzentriert lernen können. Dafür sollten die Eltern ein gutes Vorbild sein und ihnen den Weg zeigen!»
Leser Othmar Kamm berichtet: «Gestern im Zug war eine Frau mit Kinderwagen, in dem ein ca. 3-jähriges Kind sass. Die Mutter drückte diesem kleinen Kind ein Handy in die Hand, damit es ruhig war.» Für ihn sei dies ein typisches Beispiel dafür, wie «es leider heute anfängt». Er betont: «Daher kann man diesem Übel nur beikommen, wenn man Verbote ausspricht. Viele Eltern wissen nicht mehr, was den Kindern schadet oder was sie brauchen könnten.»
Bedenken zur Umsetzbarkeit
Doch nicht alle stehen hinter dem Vorstoss. Einige Leserinnen und Leser betonen, dass Erziehung und Mediennutzung in erster Linie in den Händen der Familien liegen sollten, statt durch gesetzliche Verbote geregelt zu werden. «Es ist Sache der Eltern und nicht des Staates, um die Gesundheit der Jugendlichen und Kindern besorgt zu sein. Eigenverantwortung!», kommentiert Anita Schneider-Witschi.
Auch Marco Weber äussert sich kritisch: «Wie soll das Verbot denn aussehen? Dass Kinder bis 12 überhaupt keinen Kontakt mit Handys haben dürfen? Wie will man das prüfen? Wer kontrolliert das? Wer und wie wird gebüsst? Ein Verbot, das schwer bis gar nicht kontrollierbar ist, kann man auch bleibenlassen und stattdessen eher auf Prävention, Aufklärung und Erziehung setzen. Ob man das gut findet oder nicht, die Welt ist digitaler geworden.»
Ähnliche Worte findet Leser Ernest Mittelholzer. Den Vorstoss bezeichnet er als «sehr kurz gedacht». «Oft geben Eltern ihren Kindern das Natel, damit sie diese erreichen können, und umgekehrt. Die Nutzung muss sich jeder, auch ein Kind, selbst aneignen. Zudem bewirken Verbote meist das Gegenteil, besonders bei einer Technologie, die auch für junge Menschen entwickelt wurde.»