Millionen für geplantes Informationszentrum
Gönnt sich das Parlament einen Besucherpalast?

Das Parlament will ein neues Besucherzentrum, um sich selbst und seine Arbeit zu präsentieren. Doch das geht ins Geld.
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Hier am Bundesplatz in Bern könnte ein neues Besucherzentrum für das Parlament entstehen.
Foto: Daniel Ballmer

Darum gehts

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  • Das Parlament plant ein Besucherzentrum im ehemaligen Credit-Suisse-Gebäude in Bern
  • Kosten: 44,2 Mio. Franken, jährliche Miete von 1,6 Mio., Fertigstellung 2029
  • 950 m² interaktive Ausstellung, 2000 m² Gesamtfläche, fünf Sprachen

Das Bundeshaus in Bern platzt aus allen Nähten. Nicht wegen der 246 Parlamentarierinnen und Parlamentarier, sondern wegen der Besucher des hohen Hauses. 100'000 Leute strömen jährlich ins Parlamentsgebäude, um die Debatten zu verfolgen, an Rundgängen teilzunehmen und sich über das politische System zu informieren.

Die Verwaltungsdelegation der Bundesversammlung prüfte deshalb, Teile des ehemaligen Credit-Suisse-Gebäudes am Bundesplatz 2 für ein Besucherzentrum zu nutzen. Im November 2024 unterzeichnete die Verwaltungsdelegation des Parlaments eine Absichtserklärung für «eine Miete von geeigneten Gebäudeflächen im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss». Für eine Machbarkeitsstudie wurde schon ein Kredit von 150'000 Franken eingestellt. 

Über 40 Millionen Franken

Jetzt schafft die Immobilienbotschaft des Bundes Klarheit: Für 44,2 Millionen Franken soll das Gebäude gemietet und ausgebaut werden. Allein der Mietzins beträgt 1,6 Millionen Franken pro Jahr, für Nebenkosten kommen 93'000 Franken dazu. Der Mietvertrag sieht eine feste Mietdauer von zwölf Jahren sowie eine Option für die Verlängerung von zweimal je fünf Jahren vor. 

In dieser Lage würden nur äusserst selten geeignete Flächen frei. «Eine solche Gelegenheit an dieser Lage ist aussergewöhnlich.»

Die Mietfläche ist über 2000 Quadratmeter gross und umfasst fünf Geschosse. Im Erdgeschoss sollen ein Shop und eine interaktive Ausstellung entstehen sowie «Raum für Debattenspiele». «Die Ausstellung ist interaktiv und in fünf Sprachen verfügbar (Deutsch, Französisch, Italienisch, Rätoromanisch, Englisch). Sie belegt eine Fläche von rund 950 Quadratmetern», heisst es in der Botschaft.

Büros für Mitarbeitende

Im ersten Obergeschoss soll die Ausstellung erweitert werden und ein Veranstaltungsraum entstehen, während im zweiten Obergeschoss auch Büroräume für Mitarbeitende der Parlamentsdienste gebaut werden können. Im Untergeschoss sind Garderoben, Toiletten, Lagerflächen und Technikräume geplant. Schon 2029 soll das neue Besucherzentrum in Betrieb genommen werden. 

Der Zeitpunkt ist ungünstig: Der Bund muss sparen. Kürzlich hat das Parlament entschieden, dass auch bei der Kommunikation der Rotstift angesetzt werden soll. Insgesamt 6,25 Millionen Franken müssen die Departemente und die Bundeskanzlei proportional verteilt auf ihre Grösse sparen.

Auch in der Immobilienbotschaft heisst es deutlich: Eigentlich priorisiere man andere Projekte. «Die finanziellen Mittel für die Umsetzung und den Betrieb sind nicht vorhanden.» Das Parlament bräuchte also mehr Geld. 

Während die Beamten also weniger Geld für die Kommunikation ausgeben dürfen, will das Parlament in eigener Sache ausbauen. Das wird zu reden geben. SVP-Nationalrat Erich Hess (45) hatte bereits im Juni 2024 einen Vorstoss eingereicht, der einen Verzicht forderte. Im Nationalrat lief er damit vorerst auf. Doch definitiv ist das noch nicht. Damit das Besucherzentrum gebaut wird, muss das Parlament der Immobilienbotschaft zustimmen.

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