Céline Amaudruz (47) will Bundesrätin werden – das hat die Genfer SVP-Nationalrätin am Donnerstag bekannt gegeben. Obwohl das eigentliche Thema der SRF-«Arena» der Stand der Parteien ein Jahr vor den Wahlen war, wurde vor allem über die Nachfolge von Bundesrat Guy Parmelin hitzig diskutiert.
Der Thurgauer SVP-Nationalrat Manuel Strupler (46) verteidigte seine Parteikollegin. «Amaudruz ist eine sehr gute Kandidatin.» Der Thurgauer nahm sie auch gegen die Angriffe von «Weltwoche»-Chef Roger Köppel (61) in Schutz. Amaudruz sei seit Jahren Vizepräsidentin der SVP. «Da müssen wir nicht darüber reden, ob sie in der Partei ein Leichtgewicht ist.»
Zuspruch bekam Amaudruz auch von der Grünen-Fraktionspräsidentin Greta Gysin (43). «Amaudruz bringt Eigenschaften mit, die ich für die Zusammensetzung des Bundesrats als positiv erachtet.» Die Bundesverfassung besage, dass Sprachen und Landesteile in der Landesregierung angemessen vertreten sein müssten. «Das heisst ganz klar eines: Es muss jemand aus der Romandie sein.»
Angriffig äusserte sich SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer (38). «Bei Amaudruz habe ich grosse Fragezeichen», sagte sie. Es brauche eine Person im Bundesrat, die sich zum Kollegialitätsprinzip bekenne und demokratische Entscheidungen wahrnehme. Bei der SVP sei dies in den Hintergrund getreten. Céline Amaudruz habe vor wenigen Wochen auf dem Bundesplatz mit einer Hellebarde – also mit einer Waffe in der Hand – alle anderen Parteien als Gefahr für die Demokratie bezeichnet.
Ausserdem zweifelt daran Meyer, dass sich Amaudruz in der Regierung für die Frauen einsetzen würde. «Wir sehen bei anderen rechten Parteien in Europa, dass sie nicht für die Sache der Frauen einstehen.» Sie verwies auf Giorgia Meloni (49) in Italien, Marine Le Pen (58) in Frankreich und Alice Weidel (47) von der AfD, die in der Sache der Frau «das Rad zurückdrehen».
Schlagabtausch zwischen GLP und Grünen
Zum hitzigen Wortgefecht kam es auch zwischen Gysin und dem Zürcher GLP-Nationalrat Patrick Hässig (47). Dass die Grünen den vakanten Bundesratssitz der SVP nicht angreifen, begründete Gysin mit «Realpolitik». «Wir wissen, dass eine Kandidatur gegen die SVP keine Chance hätte.» Man wolle keine starken Kandidaturen verheizen. Gleichzeitig betonte sie aber: «Wir haben arithmetisch einen Anspruch auf einen Sitz im Bundesrat.»
Der am Freitag veröffentlichte Wahlbarometer zeigt, dass ein Zusammenschluss von Grünen und GLP die beiden Parteien zur drittstärksten Kraft machen würde. GLP-Nationalrat Hässig machte aber klar, dass er nicht mit den Grünen zusammenspannen will. Die GLP wolle in Erneuerbare investieren. «Bei den Grünen ist man sich nie sicher, ob eine Einsprache kommt, wenn eine Staumauer erhöht werden soll», kritisierte er. Auch den Solarausbau in den alpinen Regionen würden die Grünen ausbremsen.
Die Retourkutsche von Gysin kam prompt. Die GLP wolle lieber eine AKW- und Gentech-Mehrheit im Bundesrat retten, als einen grünen Bundesrat oder eine grüne Bundesrätin zu wählen. «Vielleicht müsste sich die GLP mal überlegen, ob das ‹Grün› im Namen wirklich noch gerechtfertigt ist.»