Kritik von Schweizer Politikern
«Spahn spielte ein unredliches Spiel»

Was denken schwule Nationalräte über Jens Spahn und Leihmütter? Einig sind sie sich darin: Der Ständerat soll die erleichterte Stiefkindadoption nicht länger blockieren.
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Jens Spahn und sein Mann schwelgen im Babyglück!
Foto: Instagram

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Jens Spahn tritt nach Leihmutterschaftsdebatte und öffentlichem Druck von Merz zurück
  • Spahn zahlte privat 100'000 Euro für Leihmutter, obwohl er politisch dagegen war
  • Schweizer Politiker fordern eine vereinfachte Stiefkindadoption
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Raphael RauchBundeshausredaktor

CDU-Fraktionschef Jens Spahn (46) galt als konservativer Hoffnungsträger. Doch am Samstag stolperte er über seine Doppelmoral: Politisch lehnte er die Leihmutterschaft ab, privat bezahlten sein Mann und er über 100’000 Euro für eine kalifornische Leihmutter. Nach Druck von Kanzler Friedrich Merz (70) trat Spahn zurück.

In der Schweiz ist – wie in Deutschland – die Leihmutterschaft verboten. Was denken schwule Parlamentarier in der Schweiz über den Spahn-Abgang in Deutschland? Und haben sie selbst einen Kinderwunsch?

GLP-Nationalrat Patrick Hässig (47): «Eigene Kinder sind kein Thema mehr. Ich bin jedoch stolzer Vierfach-Götti und geniesse die Stunden oder Tage, wenn wir zusammen unterwegs sind.» Hässig findet: «Jens Spahn spielte ein politisch unredliches Spiel. Anderen etwas zu verbieten, was man selber aber macht, geht nicht.»

Grünen-Nationalrat Michael Töngi (59) befürchtet nun einen Backlash – Jens Spahn könnte «einer ernsthaften Diskussion um die Leihmutterschaft einen Bärendienst erwiesen haben». Auch findet Töngi Spahns Aufteilung «in eine private und politische Haltung zum Thema hochproblematisch». Mit 59 Jahren sei sein Kinderwunsch abgehakt, sagt Töngi. «Ich war mein Leben lang von Nichten, Neffen, Nachbarskindern und Kindern von befreundeten Familien umgeben, dass das nie ein ultradringender Wunsch war.» Wichtig sei nun, dass die erleichterte Stiefkindadoption durchkomme. Über die Leihmutterschaft wünscht sich Töngi eine ehrliche Diskussion in der Schweiz: «Jens Spahn zeigt, dass es bereits gemacht wird, einfach im Ausland.»

FDP-Nationalrat Hans-Peter Portmann (63) ist die Frage nach dem Kinderwunsch zu privat. Aber er wünscht sich eine politische Debatte über die Leihmutterschaft in der Schweiz: «Es ist Unsinn, dass Menschen, die ihren Kinderwunsch auf diesem Wege erfüllen wollen, ins Ausland ausweichen müssen. Die gesellschaftliche Realität hat sich verändert, weshalb es eine Legalisierung braucht.»

Auch FDP-Fraktionschef Damien Cottier (51) will sich privat nicht äussern. Anders als Portmann will er am Verbot der Leihmutterschaft festhalten. Allerdings setzt sich Cottier dafür ein, die Rechte von Regenbogenfamilien zu stärken: «Ich unterstütze die erleichterte Stiefkindadoption und bedaure, dass eine knappe Mehrheit des Ständerats dieses Vorhaben ohne Notwendigkeit verzögert. Der Schutz des Kindes muss im Vordergrund stehen.» Im September ist der Nationalrat dran – Cottier kündigt an, Tempo zu machen. «Ich hoffe, dass sich der Ständerat dieser pragmatischen Lösung anschliesst. Sie verbessert die Situation vieler Familien.»

Arne Burisch (48), Co-Präsident des Dachverbandes Regenbogenfamilien, kritisiert die aktuelle Rechtslage: «Unsere Kinder haben in Deutschland zwei Väter und in der Schweiz für mindestens ein Jahr nur einen bis zur Stiefkindadoption. Das schafft Rechtsunsicherheit. Wenn dem leiblichen Vater etwas passiert, würde die Kesb ausrücken. Das ist nicht im Sinne des Kindeswohls.» Burisch findet, dass die soziale Dimension der Leihmutterschaft zu kurz kommt: «Unsere Leihmutter aus Kalifornien hat uns in der Schweiz besucht und steht mit unseren Kindern in Kontakt.» 

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