Darum gehts
- Armee-Rekrutierung kostet 1100 Franken pro Person, interne Revision kritisiert Kosten
- Hohe Abhängigkeit von teuren Mandatsärzten belastet Kostenstabilität und Betriebssicherheit
- Rund 35'000 Stellungspflichtige 2025 geprüft, Gesamtkosten bei 37,5 Millionen Franken
Die Schweizer Armee sollte dringend über die Bücher gehen, findet die interne Revision im Verteidigungsdepartement. Medizinisch, sportlich, psychologisch werden Stellungspflichtige in einem von sechs Rekrutierungszentren auf Herz und Nieren geprüft. Dann heisst es Gebirgsgrenadier, Zivilschützer oder untauglich. Das klappt so weit ganz gut.
Nur: Die Rekrutierungskosten lassen die VBS-Prüfstelle stutzen. In den letzten Jahren wurden jeweils rund 35'000 Stellungspflichtige beurteilt – bei einem Gesamtaufwand von etwa 37,5 Millionen Franken. Das ergibt einen finanziellen Aufwand von rund 1100 Franken pro Person, rechnet die interne Revision in ihrem Prüfbericht vor. Eine stattliche Summe.
Kosten haben keine Priorität
Die Kosten stünden offensichtlich nicht im Fokus. Die jeweiligen Akteure würden einzig die Ausgaben in ihrem Verantwortungsbereich kennen. «Die benötigten Ressourcen werden mehrheitlich von den Verantwortlichen vorausgesetzt», schreibt die Prüfstelle. Komme es zu Kostenüberschreitungen, bemühe sich der Armeestab, dies zu kompensieren.
Angesichts der Sparbemühungen des Bundes sowie der geplanten Investitionen in die Armee sei es aber «unabdingbar zu wissen, wo und wie die Bundesmittel am wirksamsten und effizientesten eingesetzt werden können». Es brauche daher bei der Rekrutierung eine gesamtheitliche finanzielle Steuerung, empfiehlt die interne Revision.
Die Prüfer haben denn auch ein Problem ausgemacht: «Ein zentrales Risiko besteht in der hohen Abhängigkeit von kostenintensiven Mandatsärztinnen und -ärzten aufgrund von Rekrutierungsschwierigkeiten bei festangestelltem medizinischem Fachpersonal.» Das beeinträchtige die Kostenstabilität sowie die Betriebssicherheit.
Verzögerungen im Rekrutierungsprozess
Die Prüfung habe gezeigt, dass die medizinischen Untersuchungen nicht durch Armeeärzte sicherzustellen seien. «Bereits heute führen punktuelle Engpässe beim medizinischen Fachpersonal vereinzelt zu Wartezeiten sowie Verzögerungen im Rekrutierungsprozess», warnen die Prüfer. Gerade in Randgebieten.
Um die nötigen Kapazitäten abzudecken, greife die Armee ergänzend auf Ärztinnen und Ärzte im Mandatsverhältnis zurück. Das stelle zwar eine kurzfristig wirksame Lösung dar, findet die Prüfstelle, sie sei aber teuer und berge die Gefahr zunehmender Abhängigkeit.
Im vergangenen Sommer hatte bereits die Geschäftsprüfungskommission des Nationalrats Bedenken angemeldet: Vorgaben des Bundesrats würden nicht eingehalten, wonach Tauglichkeitsbeurteilungen immer von mindestens zwei Ärzten zu fällen sind. Auch müssten die Ärztinnen und Ärzte Angehörige der Armee oder von dieser angestellt sein.
Hoffen auf Pilotprojekt
Die interne Revision beurteilt die Situation teilweise als kritisch. Das Risiko bestehe, dass Abgänge nicht rechtzeitig ersetzt werden können: «Dies kann den gesamten Rekrutierungsprozess beeinträchtigen, da dessen Abschluss zwingend von der Beurteilung der Diensttauglichkeit durch das Facharztpersonal abhängt.»
Das Problem ist der Armee bewusst. Bisherige Massnahmen zur Steigerung der Attraktivität von Festanstellungen aber seien erfolglos geblieben. Seit diesem Jahr würden nun gezielt Wiedereinsteigerinnen, Teilzeitkräfte oder Militärärzte angesprochen, um die Zahl der Festanstellungen zu erhöhen und den Einsatz von Mandatsärzten zu senken.
Hat das Modell Erfolg, soll es weitergeführt und schrittweise auf alle Standorte ausgebaut werden. Dann dürften auch die Rekrutierungskosten wieder sinken.