Flugsicherung unter – jetzt rollt der erste Kopf
IT-Chaos bei Skyguide – Verantwortlicher kündigt

Schon wieder sorgt ein Softwareproblem bei der Flugsicherung Skyguide für Ärger. CEO Peter Merz krempelt den Staatsbetrieb um, ein IT-Verantwortlicher muss gehen.
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Die staatliche Flugsicherung Skyguide sorgt schon wieder für Ärger.
Foto: Sven Thomann

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Skyguide drosselt Kapazität in Zürich wegen IT-Problemen um zehn Prozent
  • CEO Peter Merz will bis 2027 rund 220 Stellen abbauen
  • EU fordert 290 Millionen Euro Einsparungen, mögliche Fusion der Flugsicherung in Zürich und Genf
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Raphael RauchBundeshausredaktor

Die staatliche Flugsicherung Skyguide kommt nicht zur Ruhe. Am Mittwoch musste der Staatsbetrieb die Kapazität am Flughafen Zürich kurzfristig um zehn Prozent drosseln. Der Grund: Eine für den Anflug zentrale Anwendung spielte nach einem nächtlichen Update verrückt.

Die Folge: Nur noch 35 Flieger konnten pro Stunde landen. Für Passagiere blieb das Chaos weitgehend unsichtbar, vereinzelt kam es zu Verspätungen. Doch hinter den Kulissen läuten die Alarmglocken.

Bristol stellte letztes Jahr noch 83 Leute ein

Der Vorfall ist kein Einzelfall. Seit Jahren kämpft Skyguide mit IT-Problemen. Das Grossprojekt «Virtual Centre», einst als Zukunft der Flugsicherung gefeiert, entwickelte sich zum Dauerärgernis. Und erst kürzlich sorgte ein ähnlicher Zwischenfall für Nervosität im System.

Der neue CEO Peter Merz (58) hat von Bundesrat Albert Rösti (58, SVP) den Auftrag erhalten, bei Skyguide aufzuräumen. Merz greift durch und kündigte an, bis Ende 2027 bis zu 220 Stellen abzubauen. Bereits bis September sollen 90 Kündigungen erfolgen, im Frühsommer nächsten Jahres weitere 130. Damit distanziert sich Merz klar von seinem Vorgänger Alex Bristol (57). Trotz schwieriger Finanzlage stellte Bristol Mitarbeiter am laufenden Band ein – allein 83 im Jahr 2025.

Frust in der Belegschaft

Nach Informationen von Blick kam es vergangene Woche an einer Mitarbeiterversammlung in Genf zu einer regelrechten Chropfleerete. Mitarbeitende übten scharfe Kritik an der früheren Geschäftsleitung und dem aktuellen Verwaltungsrat. Die Stimmung: angespannt, verunsichert, teilweise wütend. Skyguide-intern waren die Missstände jahrelang bekannt – doch Bristol und VRP Aldo Schellenberg (67) lächelten alles weg.

Recherchen von Blick zeigen: Der Mann, der als Hauptverantwortlicher für das IT-Debakel gilt, muss nun Skyguide verlassen. Klaus Meier hat gekündigt – offenbar kam er damit einem Rauswurf zuvor. Meier war bis letztes Jahr für die IT verantwortlich und hatte damit auch das «Clear the Sky»-Debakel zu verantworten. Am 15. Juni 2022 musste wegen Fehlern bei einem Software-Update der gesamte Schweizer Luftraum für fünf Stunden gesperrt werden. Weder Starts, Landungen noch Überflüge waren möglich. 

Kein goldener Fallschirm

Im Juli 2025 versorgte der Verwaltungsrat Meier mit einem Pöstli: Er wurde seitwärts befördert zum «CEO Delegate European Affairs», also zum Verbindungsmann zwischen Skyguide und der EU-Kommission. Den neuen Posten schaffte CEO Peter Merz gleich wieder ab. Skyguide bestätigt, Meier werde das Unternehmen Ende September verlassen und sich selbständig machen. Einen goldenen Fallschirm gebe es nicht.

Auch in der Geschäftsleitung stehen Abgänge an: Sie wird von neun auf fünf Mitglieder verkleinert, vier Kaderleute müssen gehen oder werden degradiert. Die Kommunikationschefin musste Skyguide bereits Knall auf Fall verlassen. Der HR-Chef geht Ende dieses Jahres in Pension, die Finanzchefin verlässt das Unternehmen spätestens 2027. Unklar ist, was aus dem Entwicklungschef und dem Chefjuristen wird.

«Wir müssen Prozesse vereinfachen»

Gleichzeitig wächst der finanzielle Druck. Die EU hält Skyguide für zu teuer – rund 290 Millionen Euro Mehrkosten stehen im Raum. Für die kommenden Jahre könnten drastische Tarifsenkungen folgen. Von Sparvorgaben von bis zu 58 Millionen Euro jährlich ist die Rede.

Skyguide-CEO Peter Merz betont im Geschäftsbericht: «Wir müssen Prozesse vereinfachen, Verantwortlichkeiten klären, konsequent fokussieren und den Aufwand wieder enger an unser Mandat koppeln.» Das heisst: Strukturen verschlanken, Personal entlassen, Kosten senken. 

Genf und Zürich zusammenlegen?

Laut «NZZ» prüft die Flugsicherung, die Betriebe in Zürich und Genf zusammenzulegen. Das würde viel Geld sparen. Skyguide-Sprecher Vladi Barrosa zu Blick: «Wir prüfen alle Optionen. Da die bestehenden Zentren in Genf und Dübendorf heute schon voll sind, müsste vor einer allfälligen Zusammenlegung ein neues Gebäude gebaut werden – parallel zum laufenden Betrieb.»

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