Zu teuer, zu ineffizient
Skyguide verärgert Albert Rösti

Die staatliche Flugsicherung steht massiv in der Kritik. Bundesrat Rösti ist verärgert – und das Parlament lässt die Skyguide-Chefs antraben.
Publiziert: 09:06 Uhr
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Aktualisiert: 10:27 Uhr
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Zu teuer, zu ineffizient: Der Staatsbetrieb Skyguide sorgt für Negativschlagzeilen.
Foto: Sven Thomann

Darum gehts

  • Skyguide hat Probleme und steht unter Druck vonseiten der Politik
  • Virtual-Centre-Projekt verzögert sich, Bundesrat Rösti fordert schnelle Lösung
  • Skyguide-CEO Alex Bristol erhält nach Rücktritt 415'000 Franken bis Juli 2026
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Raphael RauchBundeshausredaktor

Skyguide kann es zurzeit niemandem recht machen. Zu Beginn der Sommerferien wollte die Flugsicherung zeigen, dass sie dem Passagieransturm gewachsen ist, und vergab grosszügig Starts und Landungen. Offenbar zu grosszügig, denn Skyguide hat nun ein Verfahren am Hals. Das Zürcher Amt für Mobilität hat eine Anzeige beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) eingereicht. «Wir haben ein Verfahren eröffnet», bestätigt das Bazl gegenüber Blick.

Skyguide gilt als Sorgenkind des Schweizer Flughimmels. Letzte Woche gaben der Zürcher Flughafen und die Swiss gemeinsam eine Medienkonferenz zur Sommerbilanz – die staatliche Flugsicherung wollten die beiden nicht am Tisch haben. Skyguide musste eine eigene Medienkonferenz abhalten.

Diesen Mittwoch traten Skyguide-Präsident Aldo C. Schellenberg (66) und der bald abtretende CEO Alex Bristol (56) vor die Medien. Schellenberg trug ein babyblaues Hemd, Bristol erschien in Babyrosa. So pastellig die Kleidung, so harmonisch die Aussage der beiden: Die «Programmstruktur» des Virtual Centre werde bis Ende 2027 abgeschlossen, auch wenn das Prestigeprojekt dann noch nicht das könne, wofür es eigentlich konzipiert worden sei. Ursprünglich sollte Skyguide standortunabhängig den Schweizer Flugraum überwachen. Die Idee war, dass Fluglotsen von Zürich aus den Genfer Luftraum und umgekehrt sichern können. Damit könnten Personalkosten gespart und der Fluglotsenmangel kompensiert werden.

Rösti bestellte Skyguide-Chefs ein

Doch davon ist Skyguide nach wie vor weit entfernt. Vor 2030 seien die Lieferanten gar nicht in der Lage, die benötigten Komponenten bereitzustellen, heisst es an der Medienkonferenz. Aber das abgespeckte Virtual Centre sei bereits jetzt ein Erfolg, das Skyguide helfe, Kosten zu sparen.

Was Schellenberg und Bristol verschweigen: Sie haben eine radikale Kehrtwende vollzogen. Im Mai zog Skyguide noch in Erwägung, das Virtual Centre erst 2035 zu realisieren – obwohl das Projekt bereits 2024 hätte zum Fliegen kommen müssen.

Die Kehrtwende dürfte mit einer Intervention von Bundesrat Albert Rösti (58) zusammenhängen, der für Skyguide die politische Verantwortung trägt. Wie Blick aus Röstis Umfeld erfahren hat, war Rösti über die weiteren Verzögerungen beim Virtual Centre sehr verärgert. Der Bundesrat bestellte die Skyguide-Spitze ins Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) ein und forderte eine schnelle Lösung – oder einen Übungsabbruch.

Nach seinem Abgang kassiert der CEO 415'000 Franken

Was bei Rösti ebenfalls nicht gut ankam: Obwohl Bristol Ende Oktober sein Amt abgibt, bleibt er noch bis Juli 2026 beschäftigt und kassiert in dieser Zeit 415’000 Franken. Röstis SVP-Parteifreund Thomas Aeschi (46) sprach im Parlament von «eklatanten Missständen bei Skyguide» und wollte vom Uvek-Vorsteher wissen, warum Bristol nach seinem Rücktritt noch ein «üppiges Salär» kassiere. Am Ende setzte Rösti durch, dass Bristol weiterhin Aufgaben für Skyguide wahrnimmt, solange er angestellt ist und bezahlt wird.

An der Medienkonferenz präsentierte die Skyguide-Führung vielversprechende Zahlen. Skyguide rechnet mit steigenden Gewinnen und kündigte an, bis 2029 das Corona-Darlehen zurückzuzahlen. Allerdings: Der Staatsbetrieb hat Gebührenerhöhungen eingepreist, die noch gar nicht bewilligt sind. Die EU-Kommission könnte die Skyguide-Rechnung noch gehörig versalzen. Einen ersten Entwurf hat Brüssel abgelehnt, am 16. August hat Bern eine zweite Version zur Genehmigung geschickt. Dass diese durchgewinkt wird, gilt als fraglich. Brüssel hält die Begehrlichkeiten der Skyguide in einem Dokument, das Blick vorliegt, für «nicht gerechtfertigt». Die Kostensteigerungen seien im Vergleich zum Verkehrsanstieg «unverhältnismässig». Was in Brüssel ebenfalls nicht gut ankommt: Der Kostenanstieg ist nicht nur auf neue Investitionen zurückzuführen, sondern «in erheblichem Masse auf höhere Personalvergütungen und auf den Anstieg der Eigenkapitalrendite».

Finanzdelegation lässt Skyguide antraben

Skyguide hingegen setzt auf das Prinzip Hoffnung und beteuert, den finanziellen Turnaround geschafft zu haben. Die Politik hingegen meldet Zweifel an. Morgen Montag ist Skyguide Thema in der Finanzkommission. Und am Freitag müssen Schellenberg und Bristol bei der Finanzdelegation antraben. «Aufgrund der anhaltenden Herausforderungen bei Skyguide wird die Finanzdelegation die Finanzierung der Flugsicherung und die Stabilisierung der Flugsicherungssysteme nahe weiterverfolgen sowie die genannten Sachverhalte an Aussprachen thematisieren», sagt Kommissionspräsident Lars Guggisberg (48, SVP) zu Blick. Skyguide dürfte noch länger das Sorgenkind der Schweizer Luftfahrt bleiben.

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