Darum gehts
- Die Schweizer Armee musste 238 M113-Schützenpanzer wegen Defekten mehrfach stilllegen
- Fehlerhafte Reparaturen durch die Ruag sollen erneut Probleme verursacht haben
- Panzer sind über 60 Jahre alt, Ersatzteile schwer verfügbar, Kosten steigen
Es ist zum Haareraufen! Schon Ende 2023 musste die Armee alle ihre 238 Schützenpanzer M113 grounden. Das Problem lag bei der Antriebswelle. Weil Ersatzteile nur schwer zu beschaffen sind, dauerte es ganze zwei Jahre, bis die ganze Flotte wieder flott war.
Doch nur ein paar Wochen später ging wieder nichts mehr. Im Februar nahm das Militär den Stahlkoloss erneut aus dem Verkehr. Dieses Mal war es der Seitenantrieb. Der Defekt könnte Probleme beim Lenken und Bremsen auslösen. Seither muss die Truppe improvisieren.
Fakt ist: Der M113 ist mittlerweile ein Oldtimer – und reparaturanfällig. Die Schweiz hat den gepanzerten Transporter schon 1963 aus den USA bezogen. Seine Ablösung ist längst geplant; ein Ersatz aber noch immer in weiter Ferne. Allerdings: Das Alter der Fahrzeuge scheint nicht der einzige Grund für die Pannenserie zu sein.
Fehlerhafte Teile eingebaut
«Das Problem ist vielmehr, dass die Ruag den Unterhalt nicht im Griff hat», erklären Quellen aus dem Umfeld. Der bundeseigene Rüstungskonzern übernimmt für die Armee Instandhaltungsarbeiten. Nur seien diese teilweise mangelhaft. So sollen etwa bei Arbeiten am M113 mehrfach Fehler gemacht worden sein, die weitere Defekte ausgelöst hätten.
Die Unzulänglichkeiten werden von der Armee gegenüber der Nachrichtenagentur SDA bestätigt. So seien vor dem zweiten Grounding bei Instandhaltungsarbeiten Metallteile im Öl festgestellt worden. Ursache dürfte ein fehlerhaftes Zylinderrollenlager sein, das bei der letzten Revision verbaut wurde.
Eine Untersuchung habe ergeben, dass die Defekte auf eine «nicht spezifikationskonforme Geometrie einzelner Lagerdeckel» zurückzuführen seien, ergänzt die Armee gegenüber Blick. Sprich: Die von der Ruag eingebauten Deckel passten nicht. Zur Panne beigetragen habe zudem die Verwendung von Dichtmasse. Die Fahrverbote seien daher nicht nur mit dem Alter der Schützenpanzer zu begründen, sondern auch mit Fehlern im Rahmen der Revision.
Ruag dementiert den Einbau fehlerhafter Teile
Die Ruag selber will vom Einbau fehlerhafter Teile hingegen nichts wissen. Erste Untersuchungen deuteten darauf hin, dass einzelne Bauteile sowie das Alter der M113 für Probleme gesorgt hätten. Die abschliessende Beurteilung stehe aber noch aus. Gemeinsam mit der Armee werde nun nach einer «nachhaltigen und belastbaren Lösung» gesucht.
Rückendeckung erhält die Ruag von Panzeroffizier Erich Muff. Schliesslich seien die Fahrzeuge über 60 Jahre alt. Der Rüstungskonzern müsse sie aber weiter unterhalten, weil die Politik kein Geld für moderne Mittel bereitstelle: «Ersatzteile sind kaum mehr erhältlich, jahrzehntelange Ruag-Mitarbeiter mit viel Erfahrung gehen irgendwann in Pension und die Jungen machen doch keine Lehre mehr auf so alten Kisten», begründet er.
Die Ruag brauche entsprechende Rahmenbedingungen, um professionell für die Armee arbeiten zu können. «Die M113 gehören eigentlich ins Museum», findet Muff: «Es wird Zeit, dass Bundesrat und Parlament in die Pflicht genommen werden, nicht erst, wenn es zu spät ist oder ein schwerer Unfall passiert.»
Armeespitze ist schon länger unzufrieden
So gnädig sind nicht alle. Die Armeespitze ist schon länger unzufrieden mit der Ruag. So wurde im Mai ein vertrauliches Dokument des Bundesrats bekannt. Darin wird eine Umfrage umrissen, die zeige, dass die Ruag Lieferfristen «sowie diverse mit Armasuisse bzw. der Armee getroffene vertragliche Vereinbarungen nicht vollständig einhalten kann».
So zeigte sich etwa, dass die Ruag mit der Wartung der F/A-18-Flieger überfordert ist. Das Struktursanierungsprogramm wird nur an 15 der 30 Jets komplett vorgenommen. Die technisch anspruchsvollen Arbeiten sind aufwendiger als angenommen, begründete die Ruag.
Die Zufriedenheit der Armee habe sich zuletzt weiter verschlechtert: «Kritisiert wird insbesondere das Preis-Leistungs-Verhältnis, der vom Kunden als zu hoch empfundene Personal- und Verwaltungsaufwand sowie eine ungenügende Termintreue.»
«Für die Sicherheit der Schweiz ist das ein ernsthaftes Problem»
Oder anders: Die Ruag sei nach Ansicht der Armee zu teuer, zu kompliziert und zu langsam. Mögliche Folgen seien gravierend. Die Versäumnisse könnten sich laut dem VBS negativ auf die Bereitschaft der Armee auswirken, ihre Leute auszubilden und Einsätze durchzuführen.
«Die miserable Kundenzufriedenheit ist beunruhigend», findet SVP-Sicherheitspolitiker Mauro Tuena (54). Die Ruag täte gut daran, sich rasch zu verbessern. «Bisher sehe ich dafür aber keine Anzeichen – gerade wenn man die verunglückten Reparaturarbeiten am M113 betrachtet», sagt er. «Für die Sicherheit der Schweiz ist das ein ernsthaftes Problem.»