Vertrauliche Dokumente zeigen
Armee schiesst intern gegen die Ruag

Die Armee ist höchst unzufrieden mit dem bundeseigenen Rüstungskonzern Ruag. Politiker sind alarmiert – die Probleme könnten die Sicherheit des Landes gefährden.
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Die bundeseigene Ruag wartet die Waffensysteme der Armee.
Foto: PETER SCHNEIDER

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Die Schweizer Armee ist unzufrieden mit Ruag wegen schlechter Leistung
  • Zufriedenheit sank von 61 Prozent 2024 auf 51 Prozent 2025
  • 76 Prozent des Ruag-Umsatzes stammen vom Schweizer Militär, Kritik wächst
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Daniel BallmerRedaktor Politik

Regelmässig sorgt die Ruag für Negativschlagzeilen. Da war 2016 ein Datenklau. 2021 wurde publik, dass die Rüstungsfirma dem Bund als Eigner für Wartungsarbeiten viel zu viel verrechnet hatte. Es kam zu Ungereimtheiten beim geplanten Verkauf von Leopard-1-Panzern 2023 nach Deutschland sowie zu einem millionenschweren Korruptionsskandal.

Nun zeigt sich: Die Armee ist alles andere als zufrieden mit dem Rüstungskonzern. Das zeige ein vertrauliches Dokument des Bundesrats an die Geschäftsprüfungskommission (GPK). Dieses liege der «NZZ am Sonntag» in Auszügen vor. Darin würden Ergebnisse einer Umfrage unter Ruag-Kunden umrissen, die der Bund bis heute unter Verschluss hält.

Zu teuer und zu langsam

Die Kundenumfrage zeige, dass die Ruag Lieferfristen «sowie diverse mit Armasuisse bzw. der Armee getroffene vertragliche Vereinbarungen nicht vollständig einhalten kann». Die Zufriedenheit der Armee, der Hauptkundin der Ruag, habe sich zuletzt nochmals deutlich verschlechtert: Sie sei von 61 Prozent 2024 auf 51 Prozent 2025 gesunken.

Auch lege der Bundesrat offen, was die Armee konkret stört. Dabei geht es um deutlich mehr als ein paar verschleppte Aufträge: «Kritisiert wird insbesondere das Preis-Leistungs-Verhältnis, der vom Kunden als zu hoch empfundene Personal- und Verwaltungsaufwand sowie eine ungenügende Termintreue.»

Oder wie die «NZZ am Sonntag» schreibt: Die Ruag sei nach Ansicht der Armeespitze zu teuer, zu kompliziert und zu langsam. Mögliche Folgen seien gravierend. Die Versäumnisse könnten sich laut dem Verteidigungsdepartement (VBS) negativ auf die Bereitschaft der Armee auswirken, ihre Leute auszubilden und Einsätze durchzuführen.

Äusserst beunruhigende Situation

Sicherheitspolitiker reagieren alarmiert. «Die Ruag ist ein wesentlicher Partner für die Armee und somit ein zentraler Faktor für die Verteidigung unseres Landes», wird SVP-Nationalrat Mauro Tuena (54) zitiert. Die äusserst beunruhigende Situation müsse sofort behoben werden.

SP-Nationalrat Fabian Molina (35) doppelt nach: «Entweder die Ruag bekommt es endlich hin, ihren Kernauftrag zu erfüllen. Oder man kauft diese Leistungen wann immer möglich andernorts ein.» Für die Ruag wäre das gravierend: Die Armee ist die mit Abstand wichtigste Kundin. 76 Prozent ihres Umsatzes verdankt sie dem Schweizer Militär.

Ruag gelobt Besserung

Der Ruag ist das bewusst. Die Verbesserung der Kundenzufriedenheit sei «absolut prioritär». Eine kontinuierliche Verbesserung «der operativen Leistung und der Termintreue» stehe für das Unternehmen im Zentrum. Viele Systeme der Armee seien aber «altersbedingt sehr aufwendig in der Instandhaltung».

Hinzu kämen Verzögerungen bei den Lieferanten. Der Optimierungsprozess werde einige Zeit in Anspruch nehmen und auch Kosten verursachen. Die «NZZ am Sonntag» dazu: Die Ruag, die bereits heute als zu teuer kritisiert wird, brauche mehr Geld.

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