Europäer und Saudis kaufen Kriegsmaterial lieber von Kiew
Selenski torpediert Schweizer Drohnenexport-Pläne

Das VBS investiert Millionen in die Entwicklung von Kriegsdrohnen. Doch die Welt kauft lieber von der Ukraine.
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Herr der Drohnen: Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski.
Foto: Press Service Of The President Of Ukraine

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Schweiz plant ab 2027 Export von Kriegsdrohnen
  • Ukraine bietet modernere Technologien an
  • Neun Länder schlossen seit Juli 2026 Rüstungsdeals mit der Ukraine ab
  • Schweiz droht erneut im Abseits zu stehen
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Annalena MüllerPolitredaktorin SonntagsBlick

Neutralität, Profitstreben und Durchwursteln sind erprobte Maximen der Schweizer Aussenpolitik. Sie werden aber immer mehr zum Problem für die Verteidigungsfähigkeit. Die Schweiz steht auf Wartelisten für begehrte Rüstungsgüter wie etwa Patriot-Abfangraketen ganz hinten. Nun droht sie auch auf einem Sektor abgehängt zu werden, in dem sich die Schweiz ganz vorne wähnte: Drohnen.

Seit 2024 gibt es im VBS die Taskforce Drohnen. Ausgestattet mit einem Budget von 47 Millionen Franken sollen unter Federführung des Bundesamts für Rüstung (Armasuisse) Kriegsdrohnen entwickelt werden. Die Systeme sind nicht nur für die eigene Armee gedacht, sondern ausdrücklich auch für den Export.

Damit nutzt die Schweiz ihre weltweite Führungsposition in der Drohnentechnologie, um sich eine Schlüsselrolle auf dem Markt für Rüstungsgüter zu sichern. Das soll der Verteidigung des Landes dienen und ab 2027 auch Geld ins Land bringen. Das VBS machte daraus nie ein Geheimnis.

Armasuisse arbeitet mit verschiedenen Schweizer Drohnenbauern zusammen, darunter Rheinmetall Schweiz, Auterion und Ens Dynamics. Erste Tests fanden letzten Dezember in Graubünden und im Mai in Glarus statt. Die Beschaffungsbehörde zeigte sich mit den Ergebnissen zufrieden. Eine von der Armee in Auftrag gegebene Studie am Center for Security Studies (CSS) der ETH Zürich kam diese Woche zum Schluss: Die Schweiz ist prinzipiell in der Lage, einen «Produktionsverbund Drohnen» aufzubauen, dessen Kapazitäten innert kurzer Zeit hochgefahren werden könnten.

Ukraine bodigt Schweizer Ambitionen

Nun aber drohen diese Ambitionen ausgerechnet von der Ukraine gebodigt zu werden. Anfang Juli machte Kiew den Weg für Waffenexporte an ausgewählte Partner frei – und markiert einen Wendepunkt. Das 2022 von russischen Truppen angegriffene Land ist damit nicht länger nur Empfänger von Militärhilfe, sondern wird neu auch zum Anbieter von Militärtechnologie. Die entsprechenden Verträge werden als bilaterale Abkommen mit einer Laufzeit von zehn Jahren abgeschlossen. Laut der ukrainischen Botschaft in Bern umfassen sie unter anderem gemeinsame Rüstungsproduktionen in Partnerländern, Waffenexporte sowie militärische Übungen.

Bevorzugt werden dabei Nationen, die der Ukraine seit der russischen Invasion geholfen haben. Neun Unterstützer-Staaten haben bereits einen solchen Deal abgeschlossen, wie die ukrainische Botschaft bestätigt. Zu den Vertragspartnern gehören die vom Irankrieg betroffenen Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien und Katar, aber auch Aserbaidschan. Ebenfalls unterschrieben haben Litauen, Estland und Lettland. Die baltischen Staaten gelten als mögliche russische Einfallsgebiete. Auf dem Nato-Gipfel vergangene Woche folgten die Niederlande und Dänemark. Beide Länder unterhalten enge Beziehungen zur Ukraine. Deren Botschaft bestätigte auch Gespräche mit Deutschland, Norwegen, Schweden, Finnland, Italien, Frankreich, Grossbritannien und den USA. Das starke Interesse dürfte an den jüngsten militärischen Erfolgen der Ukraine liegen. Dieser gelang in den letzten Wochen Angriffe auf Rohstoffanlagen bei Moskau und sogar in Sibirien, 2000 Kilometer jenseits der Frontlinie.

Schweizer Drohnen vor dem Aus?

Vor diesem Hintergrund sieht der Drohnenexperte Frank Sauer für Schweizer Systeme auf dem internationalen Waffenmarkt kaum Vorteile. Der Forscher der Universität der Bundeswehr München hält fest: «Die Ukraine hat einen gewaltigen – aus der Not geborenen – Vorsprung.» Dies zeige sich bei der Softwareentwicklung, «insbesondere hinsichtlich Autonomie, Mesh-Netzwerken (Geräten mit gemeinsamem WLAN, die Red.) und echtem Schwarmverhalten». Hinzu komme die kostengünstige Massenproduktion von Drohnen für unterschiedlichste Zwecke. Zudem biete Kiew im Rahmen der Deals das direkte Training der jeweiligen Partner-Armeen an. «In der Ukraine ist die relevante Expertise auf allen Ebenen kriegserprobt», so Sauer.

Georg Häsler, Oberst der Schweizer Armee und Militärexperte der «NZZ», sieht in der ukrainischen Initiative eine Chance für die Schweiz – zumindest theoretisch: «Die Schweiz hat es durchaus in der Hand, eigene Pfand-Produkte zu entwickeln, aber nicht im luftleeren Raum», erklärt er. Wegen der kurzen Innovationszyklen bräuchten Entwickler direkte Erfahrungen von der Front. Ein Deal mit Kiew würde diesen Austausch sichern und Schweizer Innovationen ermöglichen. Dessen sei man sich auch in der Taskforce Drohnen bewusst. Häsler stellt allerdings klar: «Aus Angst vor der politischen Ausschlachtung rund um die Neutralitäts-Initiative wird niemand eine solche Diskussion lancieren.» Eine abgeschottete Schweizer Produktion hingegen wäre laut Häsler im Konkurrenzkampf mit der Ukraine reine Geldverschwendung.

Auf Anfrage bestätigt Armasuisse, es bestehe «keine Rüstungskooperation zwischen der Schweiz und der Ukraine». Die Behörde räumt aber ein: «Einkaufen allgemein ist ein guter Weg, schnell Fähigkeiten und Lösungen in die Schweizer Armee zu integrieren und von anderen Kompetenzen zu profitieren.» Ob die Ukraine die Schweiz überhaupt für einen Deal berücksichtigen würde, ist indes ungewiss. Die Schweiz sanktioniert neben Russland seit 2022 auch die Ukraine. Es überrascht daher wenig, dass die Schweiz nicht auf der Liste der bevorzugten Staaten für Export-Abkommen steht.

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