Videos zeigen den Drohnenangriff in Tschetschenien
0:40
Angriff auf Militärstützpunkt:Videos zeigen den Drohnenangriff in Tschetschenien

600 Geschosse auf Moskau, grösste Attacke seit einem Jahr, überraschende Präzision
Wie die Ukraine zur Drohnen-Supermacht wurde

Die Ukraine hat den grössten Drohnenangriff seit über einem Jahr auf Moskau gestartet. Präsident Selenski betont, dass auch die stärkste russische Luftabwehr überwunden werden kann. Laut Experten hat längst eine neue Phase des Krieges begonnen.
Kommentieren
1/6
Die Ukraine griff Moskau bei einem grossangelegten Drohnenangriff an.
Foto: Screenshot X / @Askin187er

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Ukraine greift Moskau mit grösstem Drohnenangriff seit einem Jahr an
  • Bis zu 1000 Drohnen täglich produziert, darunter Langstreckendrohnen
  • Angriffe mehrmals pro Woche: Krieg verlagert sich ins russische Hinterland
RMS_Portrait_AUTOR_332.JPG
Janine EnderliRedaktorin News

Für die Menschen in Moskau war es ein Schock: Die Ukraine hat nach Angaben Russlands den grössten Angriff auf das Land seit über einem Jahr geflogen. Dies berichtet unter anderem der britische «Telegraph». Bei der gross angelegten Attacke dürfte es sich um die Reaktion auf den Grossangriff aus Russland handeln, der am Mittwoch über die Ukraine hereingebrochen war. 

Der Angriff zeigt: Die Ukraine gehört im Drohnenkrieg inzwischen zu den stärksten Akteuren und kann den Krieg auch ins russische Hinterland verlagern. Präsident Wolodimir Selenski (48) gibt sich entsprechend selbstbewusst: «Die Konzentration der russischen Luftverteidigung in der Region Moskau ist am höchsten. Aber wir überwinden sie.» 

«Moskau schläft nie»

Robert Brovdi, Chef der ukrainischen Drohnentruppen, veröffentlichte auf Telegram das Foto einer Kampfdrohne mit der Botschaft: «Moskau schläft nie.» In die Bildunterschrift unter dem Post schrieb er: «Der Freifahrtschein fürs friedliche Luxusleben in Patriki und Umgebung ist gestrichen.» Eine deutliche Drohung gegen das noble Moskauer Viertel rund um die Patriarchenteiche.

Gegenüber dem Exilmedium «Meduza» sprechen Kommentatoren, Militärblogger und Journalisten von einer «neuen Phase des Krieges». 

Warum ist die Ukraine so stark bei Drohnen?

Seit Beginn der Invasion hat Kiew seine Kriegsführung radikal umgebaut. Drohnen stehen im Zentrum.

  • Masse statt Klasse: Hunderte Start-ups und staatliche Programme produzieren günstige Systeme in grosser Zahl.
  • Schnelle Innovation: Neue Modelle werden oft innerhalb weniger Wochen angepasst und an die Front gebracht.
  • Dezentrale Produktion: Viele kleine Hersteller statt weniger grosser Rüstungsfirmen.

Wie «Meduza» analysiert, liegt der Vorteil vor allem in dieser Flexibilität.

Welche Drohnen setzt die Ukraine konkret ein?

Die Bandbreite ist enorm. Ein wichtiger Bestandteil: FPV-Drohnen (First Person View). Sie kosten nur wenige Hundert Dollar, werden direkt ins Ziel gesteuert und können Objekte aus der Ferne zerstören. Abfangdrohnen, mobile Feuereinheiten und automatisierte Flugabwehrgeschütze sind zentral für das Land, um sich gegen Attacken zu verteidigen. Aktuell produziert die Ukraine laut eigenen Angaben bis zu 1000 Drohnen täglich. 

Parallel kommen Aufklärungsdrohnen (zum Beispiel «Leleka-100», «Furia») zum Einsatz. Sie liefern Bilder für Artillerie und Angriffe. Doch das reicht nicht mehr aus.

Spätestens seit Ende 2025 zeigt sich, dass im Kriegsverlauf eine grössere Reichweite erforderlich geworden ist. Viele wichtige Ziele lagen nicht mehr direkt an der Front, sondern im «mittleren Hinterland» – dort, wo sich heute ein grosser Teil der Truppen, Logistik und Infrastruktur beider Armeen befindet.

Um diese Ziele regelmässig angreifen zu können, entwickelte die Ukraine gezielt billige Langstreckendrohnen. Sie haben Tausende Kilometer Reichweite und funktionieren ähnlich wie westliche Marschflugkörper. 

Das ist neu

Die vielleicht wichtigste Veränderung: Langstreckendrohnen verlagern den Krieg zunehmend weg von der Front, wie auch die neusten Attacken zeigen. Dabei nimmt die Ukraine Öl-Raffinerien, Militärbasen und Infrastruktur tief in Russland ins Visier. Das hat mehrere Effekte: Die russische Logistik wird geschwächt und der psychologische Druck auf die Bevölkerung Russlands erhöht sich. 

Neu ist dabei vor allem die Frequenz der Angriffe. Die ukrainischen Streitkräfte und der Geheimdienst SBU verfügen laut «Meduza» jeweils über eigene Programme für Langstreckenangriffe – und können inzwischen mehrmals pro Woche koordinierte Attacken durchführen. Damit nähert sich Kiew bei der Frequenz grosser Angriffe russischen Dimensionen an.

Was sagst du dazu?
Meistgelesen