Darum gehts
- Am 30. Juni schossen russische Abwehrsysteme nahe Moskau auf ein Ziel
- Unbestätigt: Es könnte eine neue ukrainische FP-9-Rakete gewesen sein
- FP-9: 9,5 Meter lang, 855 km Reichweite, Geschwindigkeit über Mach 7
Am 30. Juni heulten in der Region Moskau die Sirenen, nachdem die russische Flugabwehr auf ein unbekanntes Ziel in grosser Höhe reagiert hatte. Rasch machten Spekulationen die Runde: Hat die Ukraine erstmals ihre neue ballistische Rakete FP-9 eingesetzt? Sollte das Waffensystem tatsächlich einsatzbereit sein, könnte es das Kräfteverhältnis im Krieg spürbar verändern. Doch was geschah an diesem Tag wirklich – und welche Hinweise sprechen für oder gegen einen Einsatz der FP-9?
Was ist passiert?
Russische Abwehrsysteme vom Typ S-300 und S-400 schossen auf ein Ziel über Moskau. Das russische Verteidigungsministerium sprach von einer «operativ-taktischen weitreichenden Rakete», ein Begriff, der normalerweise für ballistische Systeme wie die Iskander verwendet wird, nicht für Marschflugkörper oder Drohnen. In sozialen Netzwerken tauchten Videos angeblicher Trümmerteile nahe Moskau auf. Ukrainische Blogger lokalisierten die Aufnahmen, doch eindeutig lässt sich die Waffe darauf nicht bestimmen.
Spricht das für einen FP-9-Einsatz?
Vieles weist darauf hin. Die russische Bezeichnung passt zu einem ballistischen System. Die Flughöhe, in der die Abwehr aktiv wurde, entspricht typischen ballistischen Flugbahnen. Und: Das ukrainische Rüstungsunternehmen Fire Point, das die FP-9 entwickelt, hatte erst kürzlich angekündigt, dass Testflüge bevorstehen – mit Moskau als möglichem Ziel. Bestätigt ist das jedoch nicht.
Was spricht dagegen?
Weder Kiew noch Moskau haben einen FP-9-Einsatz bestätigt. Die kursierenden Trümmerbilder sind zu unscharf für eine sichere Zuordnung. Zudem erklärte Fire-Point-Chefkonstrukteur Denys Schtilerman (52), das Triebwerk der Rakete sei noch nicht vollständig getestet. Offiziell gilt die FP-9 weiterhin als System in der Entwicklungsphase, ein Einsatz zum jetzigen Zeitpunkt wäre also verfrüht.
Was kann die FP-9?
Die technischen Daten der Rakete beeindrucken: Rund 9,5 Meter lang, mit einem Sprengkopf von bis zu 800 Kilogramm. Die Reichweite wird auf bis zu 855 Kilometer geschätzt, genug, um neben Moskau auch St. Petersburg zu erreichen. Mit einer Geschwindigkeit von über Mach 7 wäre sie für die russische Luftabwehr ein extrem schwer abzufangendes Ziel.
Was würde der Einsatz bedeuten?
Wäre die FP-9 einsatzbereit, könnte sich das Kräfteverhältnis im Krieg deutlich verschieben. Die Ukraine wäre in der Lage, strategische Ziele tief im russischen Hinterland zu treffen. Moskau müsste seine Luftverteidigung neu ausrichten und kritische Infrastruktur besser sichern. Die Ukraine könnte so von einer Drohnenmacht zu einer Raketenmacht aufsteigen.
Politisch würde der Druck auf Russland steigen, gerade angesichts der anhaltenden russischen Angriffe auf ukrainische Infrastruktur. Gleichzeitig wächst mit einer solchen Fähigkeit auch das Risiko einer Eskalation: Eine ballistische Bedrohung bis nach Moskau dürfte in Kiew wie auch in westlichen Hauptstädten Debatten über rote Linien neu entfachen.