Darum gehts
- Neue Studie beleuchtet Einflussfaktoren auf Zinsentscheid
- Anlagerendite ist besonder wichtig
- Unterschiede gehen in die Zehntausende von Franken
Die Zahl ist erfreulich: 4,3 Prozent Zins flossen letztes Jahr durchschnittlich auf die Pensionskassenkonten der zweiten Säule, wie eine Erhebung der Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge zeigt. Swisscanto kommt in seiner neusten Pensionskassenstudie sogar auf 4,7 Prozent.
Je nach Vorsorgeeinrichtung sind die Unterschiede aber gross. Bei der Sulzer Vorsorgeeinrichtung gab es letztes Jahr einen Zins von 13 Prozent aufs angesparte Alterskapital, bei der UBS-Pensionskasse 7,5 Prozent, bei Gastrosocial 5,5 Prozent, bei Profond hingegen nur 2,25 Prozent. Bei einem Altersguthaben von beispielsweise 300'000 Franken geht die Differenz in die Zehntausende von Franken: Schlug Sulzer 39'000 Franken obendrauf, waren es bei Profond nur 6750 Franken – also über 30'000 Franken Unterschied.
Differenzen summieren sich
Eine neue Studie zeigt nun auf, welche quantitativen Einflussfaktoren für die Verzinsung der Altersguthaben entscheidend sind. Für seine Masterarbeit an der Universität St. Gallen hat Renato Konrad dafür knapp 1000 Vorsorgeeinrichtungen für die Jahre 2020 bis 2024 analysiert.
In diesem Zeitraum lag der durchschnittliche Jahreszins bei 2,6 Prozent. Dabei lag der Unterschied zwischen den jeweils 10 Prozent besten und schlechtesten untersuchten Vorsorgeeinrichtungen bei über 4 Prozentpunkten. «Aufgrund des Zinseszinseffekts kann sich diese Differenz über ein Erwerbsleben von 40 Jahren zu einem jährlichen Rentenunterschied von mehreren Zehntausend Franken summieren, ohne dass Arbeitnehmende oder Arbeitgeber einen einzigen Franken mehr an Beiträgen leisten mussten», hält die Studie fest.
Zins wirkt sich auf Altersrenten aus
Das zeigt ein konkretes Berechnungsbeispiel. Dieses geht von einem versicherten Lohn von 80'000 Franken und Altersgutschriften von insgesamt 400'000 Franken aus. Bei einer jährlichen Durchschnittsverzinsung von 1,5 Prozent würde das Alterskapital damit auf gut eine halbe Million Franken steigen, bei 5,3 Prozent hingegen auf fast 1,1 Millionen.
Bei einem Umwandlungssatz von 5,3 Prozent würde die Jahresrente im ersten Fall 27'349 Franken betragen, im zweiten Fall 57’842 Franken. Auf die Monatsrente gerechnet macht der Unterschied über 2500 Franken aus. «Die Verzinsungsunterschiede führen demnach zu signifikant unterschiedlichen Leistungen bei Pensionierung», so das Fazit.
Anlagerendite entscheidend – aber nicht nur
Was die Einflussfaktoren betrifft, ist die effektiv erzielte Anlagerendite von grösster Bedeutung. «Je höher die Anlagerendite, desto höher die Verzinsung der Altersguthaben», heisst es in der Studie dazu. Je mehr Geld erwirtschaftet wird, umso grosszügiger können sich die einzelnen Kassen also zeigen.
Aber Achtung: Auch strukturelle Merkmale wie der Anteil des Rentenkapitals, der Anteil des BVG-Altersguthabens, der Umwandlungssatz oder der Deckungsgrad wirken sich auf die Zinspolitik der einzelnen Pensionskassen aus. Diese beeinflussen teils auch das Anlageverhalten.
«Für den Stiftungsrat ist der jährliche Zinsentscheid eine Gratwanderung», kommt die Studie zum Schluss. So müsse er festlegen, welcher Anteil der erzielten Rendite und gegebenenfalls vorhandenen Reserven an die Versicherten ausgeschüttet und welcher Teil zur Bildung von Reserven zurückbehalten werde.
«Wird zu viel ausgeschüttet, ohne ausreichende Wertschwankungsreserven zu bilden, kann dies bei der nächsten Krise an den Finanzmärkten schwerwiegende Folgen haben», schreibt der Autor. «Ist der Stiftungsrat hingegen zu konservativ und fällt die Verzinsung der Altersguthaben zu tief aus, droht Unmut bei den angeschlossenen Versicherten.»
Strukturelle Unterschiede berücksichtigen
Für die Branche liefert die Arbeit spannende Einblicke. «Die Verzinsung von Altersguthaben ist kein politischer Entscheid und kein Ausdruck von Beliebigkeit, sondern das Resultat konkreter ökonomischer Rahmenbedingungen und struktureller Gegebenheiten», kommentiert Nico Fiore (33) vom Pensionskassenverband Interpension die Ergebnisse.
Die Arbeit zeige eindrücklich, dass vereinfachende Vergleiche der Vielfalt in der zweiten Säule nicht gerecht würden. «Wer die berufliche Vorsorge seriös beurteilen will, muss strukturelle Unterschiede zwischen den Einrichtungen berücksichtigen und darf einzelne Kennzahlen nicht isoliert betrachten.»