Darum gehts
Crans-Montana steht vor einem heiklen Silvester-Spagat: Kann man ins neue Jahr feiern, wenn vor einem Jahr Dutzende Menschen ums Leben kamen? Am 1. Januar 2026 fing um 1.27 Uhr die Bar Le Constellation Feuer. 41 Menschen kamen ums Leben, über hundert wurden verletzt.
In Crans-Montana haben die Vorbereitungen für das Silvesterfest begonnen, das zugleich Jahrestag der Brandkatastrophe ist. Der Walliser Nobelskiort erwartet wie jedes Jahr an Silvester mehrere Zehntausend Wintergäste. Viele von ihnen haben den Wunsch, das neue Jahr feuchtfröhlich zu beginnen und zu feiern.
Den Jugendlichen zuhören
Der Tourismus-Direktor von Crans-Montana, Bruno Huggler (59), will dafür in den nächsten Wochen die Jugendlichen in die Überlegungen für die Ausgestaltung der Silvesternacht einbinden. «Entscheidend ist, den Jugendlichen zuzuhören», sagt Huggler im Gespräch mit Blick. Also denjenigen, die vor einem Jahr ihre Freundinnen und Freunde verloren haben. «Sie sollen mitbestimmen, wie Crans-Montana den Silvesterabend verbringt», betont der Tourismus-Direktor.
Ein Verzicht auf Aktivitäten zum Jahreswechsel schliesst Huggler ebenso aus wie einen Courant normal. «Wir brauchen einen empathischen Weg, der der Trauer Raum gibt, ohne den Silvesterabend vollständig zu blockieren», sagt Huggler. Die konkrete Ausgestaltung der Silvesternacht werde derzeit in einer breit abgestützten Arbeitsgruppe erarbeitet. «Wir können keine Vorgaben machen, aber werden entsprechende Empfehlungen aussprechen.»
Von Nizza lernen
Zur öffentlichen Silvesterfeier auf dem Victoria-Platz im Ortsteil Montana versammeln sich traditionell viele Menschen, um gemeinsam ins neue Jahr zu feiern. «Es ist schwierig, verschiedene Interessen unter einen Hut zu bekommen», sagt Huggler. «Klar ist: Die tragische Silvesternacht ist Teil unserer Geschichte – und wir werden eine Form finden, um würdig daran zu erinnern.»
In den letzten Wochen hat sich der Vorstand der Tourismusorganisation angeschaut, wie andere Städte nach Katastrophen den Spagat zwischen Gedenken und Normalität meistern. «Wir können Unglücke nicht miteinander vergleichen – und trotzdem gemeinsam lernen», sagt Huggler. Nizza (F) beispielsweise hat ein Jahr nach dem Terror vom 14. Juli 2016 auf Musik und Feuerwerk verzichtet. An der Promenade des Anglais legten Menschen weisse Rosen nieder.
Bereits jetzt steht fest: Ein öffentliches Feuerwerk wird es an Silvester nicht geben. Huggler: «Darauf verzichten wir in Crans-Montana schon seit einigen Jahren.»