Droht wirklich ein russischer Angriff auf die Nato?
«Damit wäre die gesamte Ostsee kaum noch nutzbar»

Während einzelne Experten vor einem möglichen russischen Angriff auf Nato-Staaten warnen, sehen andere aktuell keine konkrete Gefahr. Im Zentrum steht die Frage: Hätte Russland überhaupt die Kapazitäten?
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«Die Sache geht zu Ende», betonte der russische Präsident Wladimir Putin noch bei der Siegesparade am 9. Mai in Bezug auf den Ukraine-Krieg.
Foto: Sergei Bobylev/Pool Sputnik Kremlin via AP

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Experten warnen vor möglichem russischen Angriff auf Nato-Staaten in Europa
  • Gotlands Kontrolle könnte russischen Einfluss auf die Ostsee massiv stärken
  • Estnischer Geheimdienst sieht Angriff Russlands als aktuell unwahrscheinlich
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Gina Grace ZurbrüggRedaktorin News

Dieses Szenario wird seit Jahren immer wieder in sicherheitspolitischen Debatten aufgegriffen und sorgt regelmässig für kontroverse Einschätzungen. «Ich gehe davon aus, dass in diesen Tagen in Moskau ernsthaft die Option geplant wird, in Absprache mit China Nato-Staaten militärisch anzugreifen, um die Unterstützung der Ukraine zu schwächen», sagte der deutsche Politologe Joachim Krause zu «20 Minuten».

Als mögliche Ziele nannte er die baltischen Staaten, Polen, Schweden, Finnland sowie Deutschland. Solche Warnungen nehmen derzeit zu. Zwar bindet der Krieg in der Ukraine weiterhin einen grossen Teil der russischen Kräfte. Jedoch wächst im Westen zugleich die Sorge vor zusätzlichen Eskalationsoptionen seitens Moskau.

«Wer Gotland kontrolliert, kontrolliert den zentralen Teil der Ostsee»

Militärexperte Thomas Theiner warnt zudem vor der strategischen Bedeutung einzelner Orte: «Fällt Gotland in russische Hände, werden die Russen dort Antischiffsraketen und Luftabwehrsysteme stationieren – damit wäre die gesamte Ostsee für Nato-Schiffe kaum noch nutzbar.» Der schwedische Oberbefehlshaber Michael Claesson sieht das ähnlich. «Wer Gotland kontrolliert, kontrolliert den zentralen Teil der Ostsee», sagte er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur mit Blick auf die Nato-Übung «Aurora 26».

Gotland liegt nur wenige Hundert Kilometer von der russischen Exklave Kaliningrad entfernt. Genau diese Nähe macht die Insel strategisch wichtig. Wer dort militärisch präsent ist, kann grosse Teile der Ostsee kontrollieren.

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Gegenposition aus Estland: Aktuell keine Eskalation

Der Chef des estnischen Geheimdienstes, Kaupo Rosin, sieht die Lage deutlich anders. «Derzeit benötigt Russland die meisten seiner militärischen Ressourcen für den Krieg gegen die Ukraine», sagt er im Deutschlandfunk. Ein Angriff auf Nato-Staaten sei deshalb aktuell unwahrscheinlich.

Gleichzeitig betont er, dass sich die Lage künftig verändern könne und der Westen seine Verteidigungsfähigkeit weiter stärken müsse.

«Wir müssen wissen, wann Schluss ist»

Ein geleaktes Dokument aus dem Umfeld der russischen Präsidialverwaltung wirft neue Fragen zur Kommunikationsstrategie des Kreml im Ukraine-Krieg auf. Das Papier beschreibt laut Medienberichten, wie ein mögliches Ende des Kriegs der eigenen Bevölkerung als Erfolg vermittelt werden könnte – selbst dann, wenn die ursprünglichen Kriegsziele nicht vollständig erreicht werden. Im Zentrum steht die Frage, wie ein solcher Verlauf politisch dargestellt werden könnte – etwa durch die Betonung von Gebietsgewinnen und eine klare Abgrenzung gegenüber dem Westen. In dem Dokument heisst es: «Wir müssen wissen, wann Schluss ist. Zu viel ist eine Niederlage.» Laut SRF soll das Dokument ohne das Wissen von Wladimir Putin entstanden sein.

Ukraine-Krieg als nationale Sackgasse?

Klar ist: Die Ukraine setzt Russland zunehmend unter Druck. Mit massiven Drohnenangriffen trifft Kiew inzwischen auch Ziele tief im russischen Hinterland – zuletzt auch Moskau und das Umland. Getroffen wurden Raffinerien, Pipelines und weitere Infrastruktur tief im russischen Territorium. Der Kreml sendet dabei widersprüchliche Signale. Präsident Putin sagte nach der Siegesparade am 9. Mai zwar: «Die Sache geht zu Ende.» Jedoch betonte der Kremlchef auch, dass es noch «sehr viel Vorbereitungsarbeit» brauche.

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