Airbus A320 aus Albanien plötzlich in Moskau
Russland kommt mit Oman-Trick immer wieder an Flugzeuge

Russland umgeht westliche Sanktionen in vielen Bereichen. Nun tauchte in Moskau ein Airbus A320 auf, der einst für Air Albania im Dienst stand. Immer wieder werden Flugzeuge über Umwege und verschleierte Eigentümerwechsel eingeflogen. Ein Überblick.
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Hier landet der A320 in Moskau.
Foto: Screenshot X

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Russland nutzt Oman als Transitland für Flugzeugkäufe trotz Sanktionen
  • Airbus A320 taucht Mai 2026 nach Oman-Zwischenstopp in Moskau auf
  • 2011 gebauter Jet war bis April in Istanbul eingelagert
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Janine EnderliRedaktorin News

Russlands zivile Luftfahrt steht seit Jahren unter Druck. Seit den westlichen Sanktionen infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine fehlen Ersatzteile, Wartungszugang und neue Flugzeuge von Airbus, Boeing und anderen Herstellern. Doch statt am Boden zu bleiben, findet Moskau immer neue Wege, um weiterzufliegen und an Maschinen zu kommen. Das neuste Beispiel: Mitte Mai taucht plötzlich ein Airbus A320 in Moskau auf, der vorher auch für eine Airline mit Sitz in Albanien im Dienst war, wie die Aviatikplattform Aero Telegraph berichtet. Doch wie funktioniert die Masche?

Besonders beliebt als Transitland ist der Oman. Dort verschwinden Flugzeuge aus dem Blickfeld des Westens, bevor sie in Russland oder im ebenfalls sanktionierten Belarus wieder auftauchen. Denn: Der Oman trägt die Sanktionen gegen Russland nicht mit. Diese Fälle der vergangenen Jahre zeigen, wie vorgegangen wird. 

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Sommer 2024: Airbus ACJ320

Im Sommer 2024 wurde ein Airbus ACJ320 via Maskat nach Moskau überführt. Das sorgte international für Aufsehen. Das Flugzeug wurde Ende 2019 in Hamburg gebaut und danach zu einem Luxusjet ausgebaut. Danach wechselte die Maschine mehrmals Besitzer und Länder – ging unter anderem nach Malta, San Marino, Aserbaidschan und für kurze Zeit auch nach Tadschikistan.

Im Juni 2024 wurde der Jet schliesslich in Russland neu registriert. Kurz davor flog er von Oman nach Moskau. Heute steht er in Moskau und soll einem reichen russischen Unternehmer gehören. Die vielen Länderwechsel wirken auffällig und lassen vermuten, dass der Weg des Flugzeugs absichtlich kompliziert gemacht wurde, bevor es schliesslich nach Russland kam.

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Frühling 2026: A320 flog einst für europäische Airline

Das jüngste Beispiel für die russische Schattenflotte aus der Luft ist ein Airbus A320, der in Moskau auftauchte, obwohl er bis April noch in Istanbul eingelagert war. Zuvor flog der Jet für Etihad Airways und später für Air Albania. Nach einem Zwischenstopp im Oman landete er schliesslich in Russland, wie Aero Telegraph berichtet. 

2011 wurde das Flugzeug in Toulouse (F) gebaut und flog ab Indienststellung für Etihad Airways. 2022 wechselte die Maschine den Besitzer. Neue Eigentümerin wurde die Leasinggesellschaft GA Telesis, die den Flieger von März 2023 bis Oktober 2025 an Air Albania verleaste. Nach der Rückkehr aus Tirana wurde das Flugzeug bis Mitte April in Istanbul in der Türkei eingelagert. Nun wurde es unter russischer Registrierung in Moskau gesichtet. Betrieben wird die Maschine inzwischen von einer russischen Airline, die sich auf Businessjets, Charterflüge und Flugzeugverkäufe spezialisiert hat. 

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Bombardier Global 6000: in der Schweiz stationiert

Im Februar berichtete «Tribune de Genève», dass eine Maschine, die vorher in der Schweiz stationiert war, nun mit russischem Kennzeichen fliegt. Der Privatjet Bombardier Global 6000 war vorher viele Jahre in Genf stationiert und gehörte der Fluggesellschaft Swiss Private Jet. Die Besitz- und Betriebsstruktur lief nach 2023 über eine Firma aus dem Kanton Nidwalden, bevor die Maschine Ende Dezember 2025 schliesslich aus dem Schweizer Flugzeugregister gelöscht wurde. Als Exportziel war Oman angegeben.

Der Betreiber betonte, dass der Verkauf des Jets ordnungsgemäss und unter Aufsicht der Schweizer Behörden erfolgt sei. Der Kaufvertrag verpflichtete den Käufer ausdrücklich zur Einhaltung internationaler Sanktionen. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt bestätigte die Ausfuhr nach Oman und die Löschung aus dem Register. Weitere Kontrollen gab es nicht. 

Solche Fälle zeigen, wie flexibel Russland und seine Partner beim Verschieben von Flugzeugen geworden sind. Doch warum steht der Oman so im Fokus? Weil es keine Sanktionen gibt, eignet sich das Land als Transit- und Tarnstation. Das macht es schwieriger, allfällige Eigentümerwechsel zu überwachen. 

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