Darum gehts bei der Nachhaltigkeits-Initiative
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10-Millionen-Schweiz:Darum gehts bei der Nachhaltigkeits-Initiative

Die Zahlen zur Zuwanderung
Wie viele Menschen in die Schweiz kommen – und wo sie arbeiten

Im Abstimmungskampf um die 10-Millionen-Initiative fliegen die Fetzen – und Befürworter und Gegner werfen mit Zahlen um sich. Blick macht den grossen Check und zeigt die genauen Daten zur Zuwanderung.
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Wie viele Menschen kommen jedes Jahr in die Schweiz? Und in welchen Branchen arbeiten sie?
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Die Schweiz wird 2041 laut Bund zehn Millionen Einwohner haben
  • 2025: 204'000 Zuwanderer, davon 43 Prozent Arbeitsmigranten
  • Über 40 Prozent der Ärzte in der Schweiz stammen aus dem Ausland
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Céline ZahnoRedaktorin Politik

Der Abstimmungskampf um die 10-Millionen-Initiative ist auch ein Kampf um die Zahlen. Beide Seiten haben ihr Repertoire an Daten, mit dem sie regelmässig argumentieren. Während SVP-Präsident Marcel Dettling (45) vorrechnet, wie der Bundesrat das Zehn-Millionen-Szenario mit Massnahmen im Asylbereich abwenden kann, warnen die Gegner vor einem gravierenden Fachkräftemangel. 

Zeit für einen genauen Blick in die Statistik. Wie viele Menschen kommen heute in die Schweiz und aus welchen Gründen? Wie viele sind tatsächlich erwerbstätig und in welchen Branchen stossen sie hinzu?

Wie viele Menschen kommen in die Schweiz?

Die Schweiz wächst. Der Bund rechnet in seinem Referenzszenario damit, dass die 10-Millionen-Hürde 2041 gerissen wird. Entscheidend für das Wachstum ist der Wanderungssaldo – die Differenz zwischen Ein- und Auswanderung. Doch auch die Bruttozuwanderung ist relevant, da jeder Neuankömmling integriert werden muss.

Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS) zeigen: In den letzten drei Jahren kamen jährlich über 200'000 Menschen in die Schweiz, darunter auch Schweizer Staatsbürger. Gleichzeitig verliessen mehr als 100'000 Personen das Land. 2025 ergab sich so ein Wanderungssaldo von 77'300 Personen. 

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Aus welchen Gründen wandern sie in die Schweiz ein?

Über die Einwanderungsgründe geben Statistiken des Staatssekretariats für Migration (SEM) Aufschluss. 2025 kamen 88'355 Ausländer wegen Erwerbstätigkeit in die Schweiz – mehr als die Hälfte der gesamten Zuwanderung. Ein weiteres Viertel entfiel auf den Familiennachzug.

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Allerdings erfasst das SEM in seiner Statistik nur die ständige ausländische Wohnbevölkerung – das gesamte Asylwesen wird in einer separaten Statistik erfasst. Zählt man Asylsuchende und Personen mit Schutzstatus S hinzu, verschieben sich die Verhältnisse, denn sie sind zum Zeitpunkt der Einwanderung normalerweise nicht erwerbstätig. 2025 wurden 25'781 Asylgesuche gestellt, und 12'897 Menschen beantragten Schutzstatus S. Insgesamt kamen so rund 204'000 Personen neu ins Land. Der Anteil der Arbeitsmigration sinkt dadurch auf etwa 43 Prozent. 

Ein direkter Vergleich mit der restlichen Zuwanderung ist aber schwierig: Die Asylmigration unterliegt ganz anderen Gesetzen als die Arbeitsmigration. Jedes Jahr werden Asylgesuche abgelehnt und Personen reisen wieder aus der Schweiz aus. 2025 erhielten 7382 Personen Asyl, was einer Quote von 27 Prozent entspricht. Weitere 5005 Menschen wurden vorläufig aufgenommen, da sie wegen Krieg, Verfolgung oder gesundheitlicher Gründe nicht zurückkehren konnten.

In welche Branchen wandern am meisten Leute ein?

Am meisten ausländische Arbeitskräfte finden Jobs in der Branche «Planung, Beratung, Informatik». Dazu gehören Software-Entwickler, Qualitätsmanagerinnen in der Produktion oder Cyber-Spezialisten. Laut dem Fachkräftemangel-Index von Adecco aus dem Jahr 2025 ist der IT-Bereich jedoch kein Mangelberuf. Eher im Gegenteil: Stark KI-exponierte Berufe wie Software-Entwickler würden seit der Einführung von generativer KI eine deutlich höhere Arbeitslosigkeit verzeichnen.

In den Top Ten der Branchen mit Zuwanderung gelten Berufe in der Gesundheits- und Baubranche sowie im Maschinen- und Fahrzeugbau als Berufe mit Fachkräftemangel.

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Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) betont auf Anfrage von Blick: Von den Personen, die im Rahmen des Freizügigkeitsabkommens zuwandern, sind 56 Prozent in einem Beruf mit sehr hohen Qualifikationsanforderungen tätig. Im mittleren und unteren Qualifikationsbereich hätten zugewanderte ausländische Arbeitskräfte teilweise Lücken gefüllt, welche sich dadurch ergaben, dass der einheimische Nachwuchs kleiner wurde und die Erwerbstätigkeit von Schweizern und Schweizerinnen zurückging.

Wie viele wandern in Branchen mit Fachkräftemangel ein?

Das Gesundheitswesen ist die klassische Mangelbranche. Von den 2025 neu eingewanderten 93'086 Erwerbstätigen arbeiteten 5923 im Medizin- und Gesundheitswesen, 1186 in Wohnheimen und der Pflege. Eine genauere Aufschlüsselung liefern die Erhebungen des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (Obsan). Ärzte und Ärztinnen kamen 2025 neu 1575 in die Schweiz, Pflegende 1096 Personen. Zusammengenommen sind das rund 2,9 Prozent aller zugewanderten ausländischen Erwerbstätigen.

Das ist nur ein kleiner Anteil. Ist die Initiative also gar kein Problem für das Gesundheitswesen? Doch, sagen verschiedene Verbände. Laut der Ärztegesellschaft FMH kommen über 40 Prozent der Ärztinnen und Ärzte aus dem Ausland. Verschärfend komme hinzu, dass viele der praktizierenden Mediziner kurz vor dem Ruhestand stehen.

Christina Schumacher vom Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK) sagte kürzlich, der Personalbedarf könne schon heute nicht mit inländischen Fachkräften gedeckt werden, weil viele ausgebildete Pflegefachleute den Beruf nach kurzer Zeit wieder verliessen. Ein Viertel der Beschäftigten in der Pflege hat seine Ausbildung im Ausland absolviert.

Zusätzlich gibt das SEM zu bedenken: Es sei ungewiss, ob die rund 6000 ausländischen Fachkräfte, die jährlich ins Gesundheitswesen einwandern, der Branche auch künftig zur Verfügung stehen. Eine mögliche Obergrenze pro Branche könnte dies verhindern.

Warum gibt es Zuwanderung in Branchen mit vielen Arbeitslosen?

In manchen Branchen gibt es viele Arbeitslose, und dennoch wird im Ausland rekrutiert. Klassisches Beispiel ist die Gastronomie. 2025 nahmen 13'650 ausländische Zuwanderer in diesem Bereich eine Arbeit auf. Dies müsse allerdings nicht auf Verdrängungseffekte hindeuten, schreibt Michael Siegenthaler von der Konjunkturforschungsstelle (KOF) an der ETH Zürich auf Anfrage. «Es gibt verschiedene strukturelle Besonderheiten der Branche, die dieses Phänomen erklären können», sagt er. 

Ein Beispiel: Die Gastronomie sei stark saisonabhängig. In der Zwischensaison seien viele Beschäftigte vorübergehend arbeitslos, während in der Hochsaison intensiv rekrutiert werde – auch im Ausland. «Die Zuwanderung erfolgt also zeitlich dann, wenn die brancheninterne Arbeitslosigkeit gering ist.» Weiter gebe es etwa vergleichsweise viele arbeitslose Hilfsarbeitskräfte in der Branche, gesucht werden aber ausgebildete Köchinnen und Köche.

«Insgesamt kommen die meisten wissenschaftlichen Studien zur Zuwanderung zum Schluss, dass die Zugewanderten die ansässige Bevölkerung gesamtwirtschaftlich nicht verdrängen», so Siegenthaler. Einzelne Fälle liessen sich jedoch nicht ausschliessen.

Laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) gibt es ähnliche Phänomene – also hohe Arbeitslosigkeit und hohe Zuwanderung – auch im Baugewerbe, in der produzierenden Industrie oder bei einfacheren wirtschaftlichen Dienstleistungen. Dort sei es allerdings weniger stark ausgeprägt. 

Wie viele Personen könnten pro Jahr noch in die Schweiz kommen?

Die SVP spricht davon, dass bei einem Ja immer noch 40'000 Personen jährlich in die Schweiz einwandern könnten. Das ist der Wanderungssaldo – insgesamt könnten es mehr sein, wenn zum Beispiel 140'000 Personen zuwandern und 100'000 wieder abwandern.

Wahrscheinlich würde der mögliche Saldo etwas tiefer liegen: Ende 2025 hatte die Schweiz 9,1 Millionen Einwohner. Bis 2050 dürfen noch rund 900'000 dazukommen. Im Schnitt sind das 35'000 Personen pro Jahr. Wegen der abnehmenden Geburtenrate könnte der Spielraum etwas höher sein.

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