«Schweiz wäre ohne USA nichts»
1:39
Trumps Rundumschlag:«Schweiz wäre ohne USA nichts»

Die Lehren aus Davos – und wer unser neues Vorbild sein muss
Trump und die braven Schweizer Zwerge – Schluss damit!

Trump machte die Schweiz am WEF noch kleiner, als sie ist. Der Eklat in Davos ist ein Weckruf. Welche Lehren wir daraus ziehen müssen - und wer das neue Vorbild der Schweiz sein sollte. Der Wochenkommentar.
Kommentieren
1/12
Verspottet das Gastgeberland: Trump am WEF 2026.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Donald Trump verspottet die Schweiz am WEF in Davos 2026
  • Finanzministerin Keller-Sutter reagiert mit Gelassenheit trotz persönlicher Angriffe
  • Kanada zeigt mit 2026-Strategie: Weniger Abhängigkeit, mehr Eigenständigkeit, Allianzen
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
THM_0348.jpg
Rolf CavalliChefredaktor Blick

Die Schweiz ist nichts.
Ohne Amerika ist die Schweiz nichts. 

Donald Trumps spöttische Botschaft am WEF hallt nach. Die Schweiz rollt dem US-Präsidenten in Davos den roten Teppich aus – und lässt sich dann vor der Weltöffentlichkeit fertig machen?

Die persönlich angegriffene Finanzministerin Karin Keller-Sutter reagierte souverän. Keine Retourkutsche, kein Pathos. Stattdessen sitzt sie am Tag der Beleidigung stoisch im Migros-Restaurant – bei Pommes-Frites, unter Bürgerinnen und Bürgern. Bodenständig. Schweizerisch.

Doch es täuscht nicht über den Kern hinweg: Trumps Verachtung ist ernst gemeint. Und wir haben es verstanden.

Davos als Schaufenster der neuen Weltordnung

Europa wirkt ratlos. Emmanuel Macron setzt auf Sonnenbrille und Rhetorik – bleibt aber vage. Ursula von der Leyen ruft zur Unabhängigkeit Europas auf – und klingt, als müsste sie sich selbst überzeugen. Nur Wolodomir Selenski spricht Klartext: Wenn Europa zögert, verliert es. Ein Weckruf.

Am klarsten aber war: Mark Carney, Kanadas neuer Premier. Seine Rede war ein Wegweiser – auch für die Schweiz.

Kanada zeigt, wie ein Land zwischen Trumpismus und globaler Unsicherheit souverän bleibt. Carneys Konzept: wertebasierter Realismus. Heisst: Mittelmächte brauchen strategische Autonomie – sonst werden sie zum Spielball der Grossen. Kanada stärkt seine wirtschaftliche Unabhängigkeit, investiert in Innovation, sucht Allianzen – ohne Unterwerfung. Nicht gegen die USA, sondern für sich selbst. Ein Vorbild für Kleinstaaten mit Grösse.

Selbstverzwergung war gestern

Ja, die Schweiz ist klein. Aber kein armes Bergvolk. Wirtschaftlich auf Augenhöhe mit Kanada, diplomatisch gut vernetzt, technologisch mit an der Spitze. Warum also die Rolle der braven Zwerge?

Die Schweiz muss aufhören, sich zwischen Brüssel und Washington aufzureiben. Sie braucht eine Politik, die eigene Interessen verfolgt – klar, nüchtern, ohne Illusionen. Nicht pro EU. Nicht pro USA. Pro Schweiz.

Carneys Kanada macht es vor: Weniger Abhängigkeit von einzelnen Märkten, mehr Partnerschaften mit vielen. Mehr Mut, in Zukunftsbranchen zu investieren. Kanadas Rezept ist kein Geheimnis, es ist konsequent. Das ist auch für die Schweiz ein Weg.

Linke Moralisten und rechte Trump-Romantiker

Links-grüne Aussenpolitik gefällt sich in symbolischen Gesten ohne Wirkung: Empörung über Trumps Friedenspläne, Solidarität mit Grönland – das stärkt das eigene Gewissen, nicht die Position der Schweiz.

Die Rechte nutzt Trumps Attacken für EU-Bashing – und verkennt, dass selbst viele ihrer Wähler genug haben vom Gehabe des Sonnenkönigs. Wer für Rechtsstaat, Souveränität und Liberalismus steht, kann keinen verteidigen, der Institutionen schwächt, Autokraten hofiert und Protektionismus predigt.

Mit Trumps Worten antworten

Davos war ein Theater der Macht mit Trump als Hauptdarsteller. Die Welt sortiert sich neu. Die Schweiz muss sich nicht neu erfinden – aber neu positionieren. Weg vom Kleinmut. Hin zur selbstbewussten Mittelmacht. Nicht devot, nicht trotzig. Strategisch.

Droht Washington erneut mit Strafzöllen, braucht es keine Opferhaltung – sondern eine klare Botschaft: Wer mit der Schweiz Handel treibt, bekommt Qualität und Verlässlichkeit. Wer sie erpresst, bekommt: Alternativen.

Und wenn beim nächsten Mal einer sagt: Die Schweiz ist nichts – dann sagen wir es in Trumps Worten: In dem, was zählt, sind wir – big, big, big!

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen