«Wirtschaftliche Integration wurde als Waffe eingesetzt»
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Carney wettert gegen Trump:«Wirtschaftliche Integration wurde als Waffe eingesetzt»

Trump provozierte mit Fotomontage
Jetzt spricht Kanadas Premier Mark Carney am WEF

Mark Carney hielt seine erste Rede als kanadischer Premierminister beim WEF. Nach Trumps umstrittener Fotomontage zu Kanada als «51. Bundesstaat» erklärte Carney seine Sicht der Weltordnung und ging auf die Lage der mittelgrossen Mächte ein.
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Mit dieser Fotomontage irritierte US-Präsident Donald Trump so manchen.
Foto: Truth Social

Darum gehts

  • Mark Carney spricht am WEF über Kanadas Handelspolitik und Weltordnung
  • Trump fordert Kanada als «51. Bundesstaat» in kontroverser Fotomontage
  • Carney, 60, spricht heute um 16.30 Uhr live aus Davos
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
17:14 Uhr

Pointierte Rede mit viel Applaus

Kanadas Premierminister hat am WEF in Davos ein Votum für die mittelgrossen Mächte gehalten. Länder wie Kanada, die sich zwischen Grossmächten befinden, müssen für sich selbst einstehen, «ansonsten landen wir auf der Speisekarte», sagte der Regierungschef während seiner Rede. 

Die ersten Schritte dazu seien die Akzeptanz, dass die Weltordnung nicht mehr dieselbe sei. Habe man das verstanden, könne der Weg zu mehr wirtschaftlicher Unabhängigkeit gelingen. Dies bedeute jedoch nicht, dass man Zusammenarbeit und Kooperation aufgeben muss. Sie müsse nur diversifizierter ausfallen und nicht mehr in starrem Denken vollzogen werden. 

Auch zum Grönland-Streit nahm Carney Stellung. «Wir stehen Seite an Seite mit Dänemark und Grönland.» Zölle als Druckmittel lehne er ab. 

An dieser Stelle bedanke ich mich herzlich fürs Mitlesen dieser Rede und wünsche noch einen ganz schönen Abend!

17:09 Uhr

Carney bestätigt Einladung zu Trumps Friedensrat

«Ja, wir haben eine Einladung erhalten.» Zunächst müsse aber noch geprüft werden, wie dieser Gaza-Friedensrat von US-Präsident Donald Trump genau aussehen wird. Dann könne man Kanadas Rolle definieren. Mit diesen Ausführungen endet Carneys Auftritt. 

17:07 Uhr

«Es geht um die Menschen in Grönland»

Nun wird Carney gefragt, ob er glaubt, dass die Nato Grönland vor Russland schützen kann? «Wir bauen die Infrastruktur aus, um die Insel zu schützen.» Kanada sei an vorderster Front mit dabei. Die ganze arktische Region müsse auch wirtschaftlich gestärkt werden. 

Denn schliesslich dürfe man nicht vergessen: «Bei all diesen Diskussionen geht es um Menschen.» Die US-Ansprüche auf Grönland und die Rolle von US-Präsident Donald Trump hat Carney in diesem Punkt nicht erwähnt. 

17:01 Uhr

«Lebt Nato noch in alter Weltordnung?»

Jetzt geht es in die Diskussion. Besonders die Erosion der regelbasierten Weltordnung scheint zu interessieren. «Lebt die Nato noch in dieser alten Weltordnung?», wird Carney gefragt. «Ich glaube, wir sind daran, die Nato-Politik in die richtige Richtung zu lenken. Es ist eine grosse Herausforderung, aber ich glaube, wir reagieren richtig.»

16:58 Uhr

Carney bekommt Standing Ovations

Wenn man Carney zuhört, wird seine Botschaft klar: Mittelgrosse Mächte sind in der heutigen Gesellschaft sehr gefährdet. Reagiere man nicht bald, gehen diese Länder zwischen den Grossmächten unter. Hierzu stehen jedoch auch die Länder selbst in der Pflicht. Mit diesem Votum geht Carneys Rede zu Ende. Er bekommt eine Standing Ovation vom Publikum. 

16:54 Uhr

«Wenn man nicht gemeinsam am Tisch sitzt, landet man auf der Speisekarte»

Carney verdeutlicht in seiner Rede die Dynamiken der heutigen Politverhältnisse. Mittelgrosse Mächte müssen schauen, dass sie sich zwischen Grossmächten nicht abhängen lassen. «Wenn man nicht gemeinsam am Tisch sitzt, landet man auf der Speisekarte.» Aus diesem Grund müsse man der Realität ins Auge blicken und aufhören, so zu tun, als ob die regelbasierte Weltordnung noch bestehe. «Nostalgie ist keine Strategie.»

16:52 Uhr

«Wir stehen fest an der Seite Grönlands»

Nun äussert sich auch Carney zum Grönland-Streit. «Wir stehen fest an der Seite Grönlands und Dänemarks», unterstreicht Carney. Dafür erntet er Szenenapplaus im Saal. Zölle als Druckmittel seien hier nicht angebracht. Kanada möchte mit gleichgesinnten Demokratien zusammenarbeiten, um langfristige Koalitionen zu bilden. 

16:50 Uhr

So möchte Kanada vorgehen

Nun erklärt der Premier, wie Kanada sich positionieren möchte. «Wir verlassen uns nicht mehr nur auf die Stärken unserer Werte, sondern auch auf die Werte unserer Stärke.» Kanada habe eine Reihe an Investitionen beschlossen und baut seine Verteidigung so aus, dass die heimische Infrastruktur gestärkt wird. Diverse Freihandelsabkommen werden beschlossen. «Wir verfolgen unterschiedliche Koalitionen basierend auf Werte und Interesse.»

16:46 Uhr

«Grosse Nationen setzen Zölle als Druckmittel ein»

Nun richtet sich Carney direkt an das Publikum: «Lassen Sie mich ehrlich sein: Wir befinden uns in einem Umbruch. Grosse Nationen beginnen, Zölle als Druckmittel einzusetzen.» Durch solche Praktiken werden die mittelgrossen Mächte geschwächt. 

Das Ziel dieser Länder müsse also sein: Eine grössere Autonomie entwickeln. «Wenn die Regeln einem nicht mehr schützen, muss man sich selbst schützen.»

Dies habe jedoch auch seinen Preis: Synergien könnten schliesslich auch zu Gewinnen führen. Diese würden wegfallen, wenn jeder auf sich selber schaut. 

16:43 Uhr

Carney über Weltordnung: «Es ist eine neue Brutalität»

«Ich werde heute über den Beginn einer neuen Brutalität sprechen», sagt Carney einleitend. Was er meint: Die Weltordnung habe sich grundlegend geändert. 

«Wir leben in einer Zeit, in der sich die regelbasierte Weltordnung aufzulösen scheint. Länder versuchen sich dem anzupassen, um Sicherheit zu gewinnen. «Die Starken tun, was sie können und die Schwachen ertragen, was sie müssen.»

Es ist sein erster WEF-Besuch als kanadischer Premierminister. Mark Carney (60) wird am ersten Tag des WEFs eine Rede aus dem Davoser Kongresszentrum halten und dabei wohl vor allem das Thema Handel ansprechen. 

Carney besuchte letzte Woche Peking und Katar und beendet seine Reise nun in Davos, deren Schwerpunkt auf der Ausweitung des Handels Kanadas mit anderen Ländern als den USA lag.

Fotomontage sorgt für Aufsehen

Die Beziehungen zum Nachbarland sind angespannt. Am Dienstag hat US-Präsident Donald Trump auf Truth Social mit einer Fotomontage deutlich gemacht, dass er neben Grönland auch Kanada unter die Kontrolle der Vereinigten Staaten bringen will.

Auf einem der Bilder wird Trump im Oval Office mit europäischen Staats- und Regierungschefs und einem Plakat gezeigt, auf dem neben den USA auch Venezuela, Grönland und Kanada in US-Flagge dargestellt werden.

Trump will Kanada als «51. Bundesstaat»

In der Vergangenheit hatte Trump bereits mehrfach öffentlich mit dem Gedanken gespielt, Kanada unter US-Kontrolle zu bringen. So solle das Nachbarland Teil der Vereinigten Staaten und der «51. Bundesstaat» werden. Carney hatte Trumps territorialen Ambitionen vergangenen Mai eine klare Absage erteilt.

Laut dem kanadischen Fernsehen wird Carney in seiner Rede vor allem auf Kanadas Pläne im Umgang mit dieser sich verändernden Weltordnung eingehen. Ob er da auch Trump erwähnt, werden wir erfahren. Blick tickert die Rede ab 16.30 Uhr live. 

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