Daniel Lampart verlässt Gewerkschaftsbund – das Exklusiv-Interview
Der Arbeitgeber-Schreck tritt ab

Während 20 Jahren hat Daniel Lampart die Politik des Gewerkschaftsbundes wesentlich geprägt – als Chefökonom und später als Zentralsekretär. Per Ende Jahr verlässt er den Gewerkschaftsbund, wie er nun im Blick-Interview ankündigt.
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Seit 20 Jahren gehört Daniel Lampart beim Gewerkschaftsbund zu den führenden Köpfen. Per Ende Jahr tritt er ab.
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Darum gehts

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  • Daniel Lampart verlässt den SGB Ende 2026 nach 20 Jahren Tätigkeit
  • Zu seinen grössten Erfolgen gehört das Ja zur 13. AHV-Rente
  • Nun ist er für das Präsidium des PK-Netzes nominiert
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Ruedi StuderBundeshaus-Redaktor

Die Gewerkschaften sind politisch so mächtig wie schon lange nicht mehr. Die 13. AHV-Rente haben sie gewonnen, die Pensionskassen-Reform gebodigt. Nun steht der Kampf gegen die Aufweichung des Arbeitsgesetzes bevor. 

Daniel Lampart (57) gehört dabei zu den wichtigsten Köpfen beim Gewerkschaftsbund (SGB): Seit 20 Jahren als Chefökonom und seit 2011 als Zentralsekretär hat er den Kurs wesentlich mitgeprägt. Per Ende Jahr verlässt er den Gewerkschaftsbund. 

Neu ist er für das Präsidium des PK-Netzes nominiert. Ein gewerkschaftlicher Verein, der die Arbeitnehmervertreter in den Vorsorgeeinrichtungen der zweiten Säule unterstützt. Im Blick-Interview erklärt Lampart seine Pläne.

Blick: Herr Lampart, die Wirtschaftsverbände können aufatmen. Der Arbeitgeber-Schreck tritt ab!
Daniel Lampart: Ich durfte 20 Jahre für die Arbeitnehmenden Politik machen. Es war eine wunderbare Zeit, in der wir einiges erreicht haben. Die Probleme bleiben aber weiterhin gross. Die Löhne, die sich nicht richtig entwickeln. Oder die Lehre, die sich abwertet. Die Arbeit geht weiter, aber ich übergebe sie jemand anderem. 

Hat Ihr Abgang auch mit SGB-Präsident Pierre-Yves Maillard (58) zu tun? Er hat einmal gesagt, Sie zwei hätten sich zuerst finden müssen.
Ich habe mit zwei Präsidenten zusammengearbeitet, zwei wirklich herausragenden Persönlichkeiten. Paul Rechsteiner ein Ostschweizer, Maillard ein Lausanner. Das sind zwei Welten. Ich bin Zentralschweizer und damit der Ostschweiz wahrscheinlich näher. Ich habe aber sehr viel gelernt von Maillard. Er ist eine grosse soziale Figur. Es ist top, wenn man mit Leuten wie Rechsteiner und Maillard zusammenarbeiten darf.

Maillard verkörpert als hemdsärmliger Gewerkschaftsboss das Herz und Sie als nüchterner Zahlenmensch das Hirn des SGB. Was sagen Sie zu dieser Rollenverteilung?
Bei mir ist immer alles von Herzen gekommen, auch wenn es vielleicht nicht so rübergekommen ist. (Lacht.) Es braucht immer eine klare Analyse der Probleme, damit man konsequent Forderungen entwickeln und durchsetzen kann. Es ist schön, wenn man sagt, die Gewerkschaften überlegen, was sie machen. Daher haben wir mit der Initiative für eine 13. AHV-Rente auch einen historischen sozialpolitischen Sieg verbucht.

Die kantonalen Mindestlöhne sind unter Druck, das Arbeitsgesetz soll aufgeweicht werden, die Teuerung zieht an. Sie verlassen den SGB in einer heiklen Phase.
Arbeit gibt es immer. Man sollte den Stab aber übergeben, bevor man als Sesselkleber tituliert wird. Ich bleibe aber noch bis Ende Jahr und werde bis dahin an vorderster Front gegen Verschlechterungen für die Arbeitnehmenden kämpfen. So auch gegen die arbeitnehmerfeindliche 10-Millionen-Initiative der SVP. Diese führt die Leute an der Nase herum, indem sie so tut, als würde sie ihre Probleme lösen. 

Gemäss jüngsten Umfragen hat sie Chancen.
Wird die Initiative angenommen, brechen wir mit Europa, werden Familien zerrissen und die Arbeitsbedingungen verschlechtert. Dann bekommen wir eine dunkle und einsame Schweiz. Das will ich nicht.

Die SVP beteuert, mit weniger Zuwanderung würden die einheimischen Arbeitnehmenden besser vor Lohndruck geschützt.
Das Gegenteil ist der Fall. Mit der Personenfreizügigkeit würden die flankierenden Massnahmen und damit auch der Lohnschutz fallen. Wir haben Schweizer Löhne immer erfolgreich verteidigt – gegen die Angriffe der SVP. Die Initiative ist schlecht für die Löhne und für die Renten.

Schon in der Sommersession entscheidet sich auch die Finanzierung der 13. AHV-Rente. Weil sich National- und Ständerat gegenseitig blockieren, droht ein Scherbenhaufen.
In der Schweiz gilt: Erhält man eine Rechnung, wird diese auch bezahlt. Für mich ist unverständlich, dass das Parlament diesen Grundsatz ignoriert und noch keine Lösung gefunden hat. Ich hoffe nach wie vor, dass Vernunft einkehrt und das Parlament eine Lösung findet. Sonst muss letztlich der Bund die «Dreizehnte» aus der Bundeskasse finanzieren, weil er dafür verantwortlich ist. 

Die Rechte drängt stattdessen auf ein höheres Rentenalter.
Das ist eine sinnlose Zwängerei. Ein höheres Rentenalter ist nicht mehrheitsfähig. Das hat die Kanterniederlage der Bürgerlichen bei der Abstimmung über die jungfreisinnige Renten-Initiative gezeigt. 

Fix ist: Im Dezember 2026 wird die 13. AHV-Rente erstmals ausbezahlt. Lassen Sie dann die Champagnerkorken knallen?
Wir sind nicht so gut im Feiern! (Lacht.) Es wird ein bewegendes Erlebnis. Vor allem für die Menschen, die sie erhalten. Viele Rentnerinnen und Rentner sind auf die «Dreizehnte» angewiesen. Für jemanden, für den einmal auswärts eine Pizza essen ein Luxus ist, für den ist die 13. AHV-Rente ein Fest. 

Sie sind für das Präsidium des PK-Netzes nominiert und bleiben damit der Rentenfrage treu. Wo wollen Sie ansetzen, falls Sie im Juni gewählt werden?
Viele Arbeitnehmende haben keine eigene Pensionskasse mehr, sondern sind einem kommerziellen Anbieter wie beispielsweise Sammelstiftungen von Lebensversicherern angeschlossen. Diese wollen mit unseren Vorsorgegeldern Profit machen! Wir müssen dafür sorgen, dass die Arbeitnehmenden bei der Wahl der Vorsorgelösung mitentscheiden.

Warum?
Weil es einen grossen Unterschied macht, ob der Anbieter Profit machen und üppige Dividenden ausschütten will oder auf ein Non-Profit-Modell setzt. Das ist eine Riesenkiste! Unter dem Strich geht es für den Maler oder die Verkäuferin rasch einmal um Zehntausende Franken mehr Rente oder nicht. Während der Preisüberwacher bei jeder Güselsack-Gebühr überprüft, ob das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt, wird den kommerziellen Vorsorgeanbietern nicht auf die Finger geschaut.

Dann sehen Sie auch politischen Handlungsbedarf?
Eigentlich braucht es ein Gesetz, wonach Vorsorgeanbieter keinen Gewinn einstreichen dürfen. Die zweite Säule ist ein Sozialwerk und kein Business! Die Arbeitnehmenden können heute schon mitentscheiden. Das wird von den Arbeitgebern aber viel zu wenig eingehalten. Mein Ziel ist in den nächsten Jahren, dass dies endlich besser durchgesetzt wird, damit weniger Geld der Arbeitnehmenden abgezügelt wird.

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