Darum gehts
- Kritik an Amaudruz wegen ihrer Kinder löste Sexismusvorwürfe und eine feministische Debatte aus
- Linke Stimmen sind unsicher, weil Amaudruz als bankennah gilt und nach Politik beurteilt wird
- Amaudruz unterstützte Vorstösse gegen Gewalt, lehnte aber andere Frauenanliegen im Nationalrat ab
Céline Amaudruz findet sich – ganz gegen ihren Willen – im Zentrum einer feministischen Debatte wieder. Seit der Ankündigung ihrer Kandidatur ist die Bundesratstauglichkeit der 47-jährigen Genferin infrage gestellt worden – aus dem einfachen Grund, dass sie Mutter von zwei kleinen Kindern ist. Das wiederum sorgte für eine Gegenbewegung. Es kam der Vorwurf auf, die Kritik sei sexistisch; überholte Rollenbilder würden gepflegt. Sogar mit der linken SP-Ikone Christiane Brunner, die 1993 nicht in den Bundesrat gewählt wurde, wurde Amaudruz gleichgestellt.
Hilft das Amaudruz? Wird die SVP-Politikerin zum Symbol des Kampfes für Gleichstellung? Bekommt sie Support von feministischer Seite?
Nicht unbedingt. SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer deutete in der SRF-Arena bereits an: Allein die Tatsache, dass Céline Amaudruz eine Frau ist, wird ihr nicht automatisch linke Stimmen einbringen. Letztlich steht Amaudruz den Banken nahe, was auf linker Seite auch für Kritik sorgt.
«Céline Amaudruz sollte nicht von Kritik ausgenommen werden, nur weil sie eine Frau ist», sagt Adèle Zufferey, Psychologin und Psychotherapeutin. Sie ist auf Geschlechterfragen spezialisiert. «Natürlich kann man die Frau verteidigen, indem man sexistische Aussagen bekämpft», sagt Zufferey. «Andererseits muss man ihre Politik und das Programm beurteilen können, wie man es bei jeder Person in der Politik tun würde.»
Verteidigerin von Frauen, die Opfer von Gewalt sind
Die SVP setzt sich in ihrem Parteiprogramm zwar für gleiche Löhne ein, ist aber gegen Geschlechterquoten oder «Gleichmacherei». Die Partei findet, Subventionen für Kitas könnten traditionelle Familien benachteiligen. Das Familienbild ist eher konservativ.
Vertritt Amaudruz die Vorstellungen ihrer Partei? Die Frage ist ambivalent: Im Dezember 2023 und 2025 reichte sie beispielsweise zwei eindeutig feministische Vorstösse ein: «Die Dauer der Vergewaltigung darf kein Kriterium sein» und «Gewalt gegen Frauen: zuerst an die Opfer denken», der auf eine Verschärfung der Strafen für Gewalttäter abzielte.
Nachdem sie erklärt hatte, selbst unangemessenes Verhalten und Belästigung erlebt zu haben, lassen sie diese Fragen alles andere als kalt. Im vergangenen September stimmte sie zudem für ein Rahmengesetz zum Schutz vor häuslicher Gewalt, einen von SP-Nationalrätin Tamara Funiciello (36, BE) eingereichten Vorstoss.
Ist Céline Amaudruz Feministin?
«Die Sicherheit aller Menschen und insbesondere der Frauen ist mir enorm wichtig», sagt Amaudruz zu Blick. «Ebenso der Kampf gegen Belästigung, Missbrauch und Femizide.» Die Frage der Sicherheit von Frauen kommt übrigens auch im Programm der Genfer SVP vor, auch wenn die Partei der Ansicht ist, es sei «illusorisch, bestimmte menschliche Verhaltensweisen ändern zu wollen, so bedauerlich sie auch sein mögen».
Auch in anderen Punkten stellte sich Céline Amaudruz klar gegen ihre Partei: So sprach sie sich für die Ehe für alle, Lohngleichheit, die Eizellenspende und die Kostenübernahme von Schwangerschaftsabbrüchen durch die Krankenkassen aus. «Die Mitgliedschaft in einer Partei nimmt einer gewählten Person niemals ihre Entscheidungsfreiheit», erklärt sie uns. Ihre Partei stelle dieselbe Problemdiagnose wie sie, sagt Amaudruz. Man sehe aber andere Lösungen als nötig an. Auf die Frage, ob sie sich als Feministin betrachte, antwortet Céline Amaudruz nicht.
Jüngste Abstimmungen gegen den Feminismus
Andererseits lehnte Amaudruz auch Frauenanliegen ab. So stimmte sie im September gegen eine Vorlage, die das Recht auf körperliche und sexuelle Selbstbestimmung in der Verfassung festschreiben wollte. In der Herbstsession stimmte die Genferin auch dem Vorstoss ihres Zürcher Kollegen Gregor Rutz (SVP/ZH) zu, der verlangte, das erleichterte Asylrecht für afghanische Mädchen und Frauen aufzuheben.
Wie erklärt sie die unterschiedlichen Haltungen? Sie wolle «die physische und psychische Sicherheit von Frauen» verteidigen, sagt Amaudruz zu Blick. «Ohne jedoch sämtliche Forderungen der feministischen Bewegungen zu übernehmen.»