Darum gehts
- Am Freitagmittag läuft die SVP-Frist für Bundesratskandidaturen ab
- Fraktionschef Thomas Aeschi überlegt sich nach 2015 einen zweiten Anlauf, ist diesmal aber im Dilemma
- Die Genferin Céline Amaudruz ist bisher die einzige Kandidatin, bis Freitag dürfte sich aber noch der eine oder andere aus dem Busch wagen
Satte 50 Stimmen machten im dritten Wahlgang den Unterschied: Bei der Bundesratswahl 2015 musste SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi (47) dem nun abtretenden Guy Parmelin (66) den Vortritt lassen. Nun könnte der Zuger auf den Tag genau elf Jahre später bei Parmelins Nachfolgewahl auf seinen damaligen Gegenspieler folgen. «Ich überlege mir eine Kandidatur», sagt Aeschi zu Blick. Ob er tatsächlich antritt, will er aber noch nicht verraten. Bis Freitagmittag hat er Zeit für seinen Entscheid. Eine Frist, die er ausreizen dürfte.
Hört man sich in seiner Bundeshausfraktion um, erwarten viele Aeschis Kandidatur. Dass er entsprechende Ambitionen hegt, ist ein offenes Geheimnis. Im Bundeshaus gilt er als intelligenter Typ und als Arbeitstier, das dem Job durchaus gewachsen wäre. Wenn man näher mit ihm zusammenarbeite, sei der eher distanziert wirkende Politiker durchaus auch empathisch, heisst es selbst ausserhalb der Partei.
Die SVP-Linie würde er jedenfalls treu vertreten. Tritt er an, dürfte er es locker aufs offizielle Ticket schaffen.
Amaudruz als Risiko
Um seine Wahlchancen in der Bundesversammlung zu erhöhen, müsste aber wohl erst die Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz (47) auf dem offiziellen Ticket verhindert werden. Das ginge nur mit einem Zweier-Vorschlag. Die Welsche hat bisher als Einzige ihre offizielle Kandidatur erklärt. Die Parteizentrale allerdings ist wenig begeistert. Zu oft ist Amaudruz in der Vergangenheit auch in wichtigen Fragen von der Parteilinie abgewichen.
Doch auch ohne Amaudruz als direkte Konkurrentin bliebe die Bundesversammlung für Aeschi eine grosse Hürde. Denn es gibt auch Gründe gegen ihn. Allein schon aus geografischer Sicht: Mit Mitte-Magistrat Martin Pfister (63) sitzt bereits ein Zuger in der Landesregierung. Besonders schwierig haben dürfte es Aeschi mit seiner klaren Kante im links-grünen Lager, obwohl er jüngst bei der Verschärfung der Lex Koller mit der Linken zusammengespannt hat.
Auch das Handgemenge mit Bundespolizisten während des Besuches des ukrainischen Parlamentspräsidenten vor zwei Jahren dürften einige als nicht gerade bundesratswürdig taxieren. Im bürgerlichen Lager sollte der SVP-Mann trotzdem auf einigen Support zählen können.
Aeschi im Dilemma
Aeschis Dilemma: Ein zweites Mal anzutreten und erneut abzuschmieren, möchte er in seiner politischen Vita kaum lesen wollen. Gleichzeitig gilt es, Chancen dann am Schopf zu packen, wenn sich diese ergeben – niemand weiss, ob und wann sich für ihn die Tür zum Bundesrat nochmals öffnen könnte.
Sein Entscheid wird daher davon abhängen, ob er sich gewisse Erfolgschancen ausrechnen kann. Er wird genau hinschauen, wer nun tatsächlich antritt und mit ihm auf dem Ticket landen könnte. Was für ihn spricht: In den vergangenen Tagen haben gleich mehrere prominente Köpfe abgesagt, die als Mitfavoriten gehandelt worden sind.
Bis zu einem halben Dutzend
In der Partei rechnet man dennoch mit bis zu einem halben Dutzend Kandidaten, die sich bis Freitag aus dem Busch wagen dürften. Neben Amaudruz könnten weitere Parlamentarier folgen – etwa der Walliser Michael Graber (45), der Solothurner Rémy Wyssmann (59) oder der Luzerner Franz Grüter (63).
Gerechnet wird zudem mit dem Aargauer Regierungsrat Jean-Pierre Gallati (60), allenfalls auch dem Berner Regierungsrat Pierre Alain Schnegg (63) oder dem Walliser Staatsrat Franz Ruppen (55). SVP-intern aber werden nicht allen Chancen beigemessen, es aufs offizielle Ticket zu schaffen.