Darum gehts
- Bis am Freitag müssen alle Interessentin ihre Bundesratskandidatur bekannt geben,
- Bisher ist nur Céline Amaudruz offiziell im Rennen.
- Ob die SVP ihre Vize-Präsidentin nominiert, gilt nicht als sicher.
- Fraktionschef Thomas Aeschi und Ex-Parteipräsident Marco Chiesa überlegen sich, ins Rennen zu steigen.
Die Uhr tickt und SVP-Politiker tauchen ab. Am Freitag läuft die Frist für die Anmeldung der Bundesratskandidaturen ab. Aus der Deckung gewagt hat sich bisher nur die Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz (47).
Alle anderen haben entweder abgesagt oder bleiben in Deckung. So drängen sich die Fragen auf: Hat die sonst so gut organisierte SVP einen Plan? Oder bringt sie aus Verzweiflung bald schon mal das Personal aus der zweiten Reihe in Stellung? Und: Warum äussert sich aus der Deutschschweizer SVP kaum jemand begeistert über Amaudruz?
Eigentlich ist mit der Genfer Nationalrätin eine Favoritin der ersten Stunde im Rennen. Bundesrat Guy Parmelin (SVP, 66) höchstpersönlich hatte sie ins Feld geführt. Jünger, weiblich, aus der Romandie: Zumindest auf dem Papier sind alle Kriterien erfüllt. Sie habe das Profil der SVP-Genf geschärft, loben einige in der Partei. Andere zweifeln, ob sie nicht zu viel Kante zeige. In der SVP ist nicht nur Begeisterung über Amaudruz zu hören. Worin man sich in der Partei einig zu sein scheint: Schlägt die SVP eine Dreierauswahl für das Bundesratsrennen vor, müsste Amaudruz auf dem Ticket sein. Ob dies jedoch passieren wird, darauf erhält Blick auf Nachfrage bei Exponenten der Partei unterschiedliche Antworten.
Welcher Mann wagt es?
Wer auch immer gegen Amaudruz antreten wird, eins ist relativ sicher: Es wird ein Mann sein. Die Favoritinnen Esther Friedli (49), Magdalena Martullo-Blocher (57) und zuletzt Natalie Rickli (49) haben abgesagt. Oft genannt werden aus dem nationalen Parlament: der Thurgauer Nationalrat Pascal Schmid (50), der Luzerner Franz Grüter (63), der Walliser Michael Graber (45), der Freiburger Nationalrat Nicolas Kolly (40) und Fraktionspräsident Thomas Aeschi (47, ZG). Sie alle denken aktuell über eine Kandidatur nach.
Ebenfalls überlegen soll es sich der ehemalige Parteipräsident und Tessiner Ständerat Marco Chiesa (52), heisst es. Dieser war auf Anfrage jedoch nicht zu erreichen. Als mögliche Kandidaten aus den Kantonen klären derzeit die Regierungsräte Franz Ruppen (VS, 55) und Jean-Pierre Gallati (AG, 60) eine Kandidatur ab.
Doch hätte einer dieser Herren eine Chance gegen Céline Amaudruz? Noch einige Tage nach Guy Parmelins Rücktrittsankündigung hatte sich die Ratslinke klar hinter die Forderung einer Frauen-Kandidatur gestellt. Diese Dynamik hat inzwischen nachgelassen, so gab SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer (38) in der SRF-Arena zu verstehen: Die Stimmen der SP wären Amaudruz – nur weil sie kein Mann ist – keineswegs gewiss.
Warten auf Aeschi
Doch warum sind die Herren alle so schüchtern? Eine gegenüber Blick mehrfach genannte These: Thomas Aeschi könnte erneut seine Ambitionen anmelden. In diesem Falle würde ihm wohl mancher potenzieller Konkurrent parteiintern den Vorrang lassen. 2015 war er bereits erfolglos gegen Norman Gobbi (TI, 49) und Guy Parmelin als Nachfolger von Eveline Widmer-Schlumpf (70) angetreten.
Handkehrum: Will sich Aeschi wirklich dem Risiko aussetzen, zweimal nicht in den Bundesrat gewählt zu werden? Auf Nachfragen von Blick wird dies konsequent verneint. Was allerdings weiter die Frage aufwirft: Gegen wen stünden die Chancen des Fraktionspräsidenten gut? Und dürfte die Fraktion Amaudruz in diesem Fall tatsächlich aufs Ticket setzen? Ob dies geschieht, ist offen. Einige Parteimitglieder sind überzeugt: Kommt die erfahrene und gut vernetzte SVP-Vizepräsidentin aufs Ticket, würde sie gewählt.
Zwei Optionen der lateinischen Schweiz dennoch, auf anderen Wegen als mit der Kandidatur der Genferin, gerecht zu werden, böten Nicolas Kolly und Marco Chiesa. Insbesondere letzterer bewegte sich bisher – obwohl von 2020 bis 2024 Parteipräsident – unter dem Radar der Öffentlichkeit. Zugleich müsste sich die SVP in diesem Falle anhören, ihre Vizepräsidentin abgesägt zu haben. Nun, da Amaudruz als erste Farbe bekennt, muss die Partei entscheiden, was gesucht ist: Ein Zweier- oder Dreierticket mit Amaudruz oder eine Möglichkeit, sie auf dem Ticket zu verhindern. Dann käme das alte Sprichwort zum Tragen: Feind, Todfeind, Parteifreund.