Darum gehts
- Politiker verteidigen Bargeld in Restaurants gegen zunehmende elektronische Zahlungen
- Genf verpflichtet Gastrobetriebe bald zur Annahme von Bargeld
- In vielen Kantonen kämpft die Politik für neue Bargeldregeln
Bye, bye Bargeld? Der Abschied passiert schleichend – und zeigt sich etwa in Restaurants: Immer mehr Gäste zücken die Karte oder zahlen mit dem Handy. Gleichzeitig gibt es Gastrobetriebe, die gar kein Bargeld mehr akzeptieren. Das ist erlaubt – solange klar darauf hingewiesen wird, dass nur elektronisch gezahlt werden kann.
Doch diese Entwicklung wollen viele nicht einfach hinnehmen. Am 8. März stimmt die Schweiz über die Bargeld-Initiative und den direkten Gegenvorschlag ab. Einen eigentlichen Cash-Befehl gäbe es damit nicht – Bargeld würde als Zahlungsmittel jedoch symbolisch gestärkt.
Handfester sind da schon die Bestrebungen, die in den Kantonen laufen. Es gibt zahlreiche Vorstösse und Unterschriftensammlungen, um Bargeld als Zahlungsmittel zu sichern. Besonders im Fokus: die Gastrobetriebe.
Bemerkenswert ist, dass Vertreter von links bis rechts hinter diesen Anliegen stehen – in ganz unterschiedlichen Konstellationen. Das zeigt: Die Vorhaben haben realistische Chancen. Für Beizen, die kein Bargeld annehmen, könnte es ungemütlich werden!
Genf hat schon durchgegriffen
Am weitesten ist man im Kanton Genf. Dort hat das Kantonsparlament im vergangenen Herbst beschlossen, Gastrobetriebe zur Annahme von Bargeld zu verpflichten. Auslöser war ein Vorstoss der SVP-Politikerin Virna Conti (30). Sie störte sich daran, dass man an gewissen Orten – etwa im Fussballstadion – eine Portion Pommes nur noch mit Karte oder Handy bezahlen könne. Das sei «absolut nicht normal», so Conti. Bargeld schliesse niemanden aus und verursache keine Kommissionen.
Der Vorstoss sorgte für ungewöhnliche Allianzen. Während FDP, Mitte und die Regierung vor einer «unverhältnismässigen Verpflichtung» warnten, stellten sich auch SP und Grüne hinter die Idee. Genaue Details sind noch unklar, die Genfer Regierung muss jetzt ein Gesetz ausarbeiten.
Kampf gegen «cashless only» im Aargau
Anderswo gilt Genf nun als Vorreiter zum Schutz des Bargelds in der Gastronomie. Im Kanton Aargau ist es unter anderem ein Mitte-Politiker, der das Thema aufgreift. Grossrat Daniele Mezzi (32) und seine SVP-Kollegin Nicole Burger (45) wollen das Gastgewerbegesetz so anpassen, dass Restaurants, Cafés und Veranstalter Bargeld zwingend akzeptieren müssen. Der Trend zu «cashless only» bereite ihnen Sorgen.
Der Regierungsrat stellt sich gegen den Vorstoss: Er sieht in einer Bargeldpflicht einen unzulässigen Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit und bezweifelt die kantonale Zuständigkeit. Nun ist das Kantonsparlament am Zug.
Breite Allianz in Bern
Gleich sechs Vertreter von fünf Parteien – GLP, Mitte, FDP, EDU und SVP – fordern im Kanton Bern ein «Recht auf Bezahlung mit Bargeld im Gastgewerbe». Der Kanton solle sicherstellen, dass in Beizen weiterhin mit Noten bezahlt werden kann.
«In den letzten Jahren ist zu beobachten, dass immer mehr im Berner Gastgewerbe tätige Betriebe und Veranstalter Bargeldzahlungen verweigern und ausschliesslich elektronische oder digitale Zahlungsmittel akzeptieren», so Erstunterzeichner Nils Fiechter (29, SVP). Die Politiker warnen vor einer Diskriminierung: Gerade Jugendliche oder Ältere ohne Bezahlkarte würden ausgeschlossen. Der Vorstoss ist noch hängig.
Ein Zeichen setzte bereits der Berner Stadtrat – auch wenn davon nicht alle Gastbetriebe betroffen sind. Wer in Bern eine Veranstaltung auf öffentlichem Grund besucht, soll immer mit Bargeld bezahlen können. Das Stadtparlament überwies ein entsprechendes Postulat aus den Reihen von SVP und Alternativer Linker.
Hitzige Bargeld-Debatte in Zürich
Im Kanton Zürich taucht die Bargeld-Pflicht in mehreren Vorstössen auf – eingereicht von linker und rechter Seite. Der Zürcher Regierungsrat zeigt sich für eine Bargeldannahmepflicht offen: Er will überprüfen, ob öffentliche Einrichtungen wie Schwimmbäder oder Museen dazu verpflichtet werden könnten. Dies schreibt die Regierung in ihrer aktuellen Antwort auf eine EDU-Anfrage.
Noch weiter ging die Einzelinitiative eines Bürgers: Sie verlangte eine allgemeine Bargeld-Annahmepflicht für den ganzen Kanton. Dieser Vorstoss blieb im Zürcher Parlament allerdings chancenlos.
Wie stark das Thema polarisiert, zeigte spätestens ein Vorfall im Dezember 2025 in der Stadt Zürich. Die Veranstalter des Weihnachtsmarkts im Hauptbahnhof wollten zunächst ausschliesslich Kartenzahlungen zulassen. Nach lautstarkem Widerstand ruderten sie zurück – und akzeptierten schliesslich doch auch Bargeld.
Auch Bahn und Bus im Visier
Im Zürcher Kantonsrat ist zudem ein parteiübergreifender Vorstoss von AL, SP, EVP und Grünen pendent. Er verlangt, dass im regionalen Verkehrsverbund auch künftig mit Bargeld bezahlt werden kann. Andernfalls drohe, so die Initianten, dass insbesondere Kinder, ältere Menschen und Touristen vom öffentlichen Verkehr faktisch ausgeschlossen würden.
Das führt zu einem weiteren Spielfeld der Bargeld-Politik: Neben Gastrobetrieben geraten auch Verkehrsbetriebe ins Visier. In mehreren Kantonen laufen entsprechende Debatten. So etwa auch in Graubünden: Dort können Postauto-Tickets nicht mehr beim Chauffeur gelöst werden, zudem müssen Fahrten digital bezahlt werden. Eine Bürgerin lancierte eine Petition dagegen. Innert weniger Tage kamen mehr als 8000 Unterschriften zusammen.