Darum gehts
- Justizminister Jans stoppte im Februar 2026 Amazon-Einsatz für E-ID-Infrastruktur
- Amazon unterliegt US-Recht, widerspricht digitaler Souveränität der Schweiz
- E-ID mit 50,39 Prozent Ja-Stimmen im September 2025 beschlossen
Die Schweiz bekommt eine E-ID. So hat es das Stimmvolk im vergangenen Herbst beschlossen. Seither laufen in Bundesbern die Vorbereitungen. Dabei stand offenbar auch eine politisch heikle Option im Raum: Für die geplante Einführung prüften die zuständigen Beamten den Einsatz des amerikanischen Cloud-Anbieters Amazon Web Services für einen Teil der technischen Infrastruktur.
Justizminister Beat Jans (62, SP) stoppte das Vorhaben im Februar 2026. Das berichtet das Online-Magazin «Republik» unter Berufung auf eigene Recherchen und Quellen aus dem Umfeld des Bundesrats.
Demnach wollten das Bundesamt für Justiz und das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation zusätzliche Kapazitäten für den Betrieb der sogenannten Vertrauensinfrastruktur über Amazon bereitstellen. Vereinfacht gesagt: Diese Infrastruktur umfasst unter anderem Register, mit denen die Gültigkeit einer E-ID sowie autorisierte Aussteller und Verifizierer überprüft werden können.
Politisch zu heikel
Politisch wäre ein Einsatz heikel gewesen. Amazon unterliegt als US-Unternehmen amerikanischem Recht, darunter dem sogenannten Cloud Act. Zudem verweist die «Republik» auf Abhängigkeiten und Haftungsfragen in bestehenden Cloud-Verträgen des Bundes.
Die Amazon Web Services seien insbesondere wegen der hohen Verfügbarkeit ihrer Rechenzentren als Option geprüft worden. Bei einem Ausfall der Bundesinfrastruktur hätte der Bund dem Bericht zufolge auf zusätzliche Cloud-Ressourcen des US-Konzerns zurückgreifen können.
Das Bundesamt für Justiz bestätigte dem Online-Magazin, dass im Rahmen der Projektarbeiten «aus technischer Sicht sämtliche Optionen geprüft» worden seien. Laut dem Bericht legte Jans Mitte Februar sein Veto gegen den entsprechenden Zuschlag ein. Eine Vergabe an den US-Konzern hätte nach Einschätzung von Personen aus seinem Umfeld den Bestrebungen des Bundes nach mehr digitaler Souveränität widersprochen, so die «Republik».
Hauchdünnes Volks-Ja zur E-ID
Die E-ID war Ende September 2025 mit hauchdünnen 50,39 Prozent Ja-Stimmen angenommen worden. Ihre Einführung war zunächst für Ende 2026 vorgesehen, wurde inzwischen aber auf das erste Halbjahr 2027 verschoben.
Jede Schweizerin und jeder Schweizer soll sich dann eine digitale Identität einrichten können. Diese kann man fast überall dort einsetzen, wo heute ein Ausweis nötig ist.
Was die E-ID konkret können soll und wie sie den Schweizer Alltag verändern könnte, erfährst du in diesem Artikel.