Darum gehts
- Der Bundesrat prüft die Altersverifikation für Online-Pornos mit E-ID in der Schweiz
- E-ID soll Jugendschutz ohne Netzsperren und Datenverlust ermöglichen
- Schweiz führte E-ID im September 2025 nach knapper Abstimmung ein
Hose runter, Identitätskarte raus! So könnte es bald aussehen, wenn man einen Online-Porno anschauen möchte. Der Bundesrat um Innenministerin Elisabeth Baume-Schneider (62, SP) ist bereit, zu prüfen, welche Massnahmen nötig sind, damit Anbieter von Online-Pornos die Altersverifikation durchsetzen. Die Regierung hat einen Vorstoss von EVP-Nationalrat Nik Gugger (55) nun kommentarlos zur Annahme empfohlen.
In der Schweiz dürfen unter 16-Jährige keinen Zugang zu Online-Pornos haben. «Dennoch gelingt es Minderjährigen, über einfache Umgehungswege auf pornografische Inhalte zuzugreifen», so Gugger in seinem Vorstoss. Nun soll der Bundesrat in einem Bericht aufzeigen, welche rechtlichen Anpassungen nötig sind. «Mit der Einführung der E-ID verfügt die Schweiz nun über ein Instrument, für eine technisch zuverlässige, anonyme und datenschutzfreundliche Altersprüfung», schreibt Gugger weiter.
EU-Staaten testen ähnliche Lösung
Zur Erinnerung: Im September 2025 hatte das Volk einer elektronischen Identitätskarte hauchdünn zugestimmt. «Damit kann die Schweiz einen wirksamen Jugendschutz vor anstössigen Inhalten – ganz ohne Netzsperren und ohne Eingriffe in die Informationsfreiheit realisieren», erinnert Gugger.
Die Schweiz wäre damit nicht allein. In Dänemark, Frankreich, Spanien, Griechenland und Italien startet die Europäische Union ein Pilotprojekt. Dafür stellt sie eine technische Lösung zur Altersverifikation bereit, die es Portalen ermöglicht, das Alter von Nutzerinnen und Nutzern anonym zu prüfen – dafür sollen auch keine Daten gespeichert werden. Später soll der Altersnachweis mit digitalen Identitätswallets zusammenarbeiten.
Die E-ID soll in der Schweiz noch in diesem Jahr kommen. Doch mittlerweile gibt es Kritik. Die Finanzkontrolle ist «angesichts der Zahl der noch offenen Themen» besorgt. Sie kritisiert mehrere Punkte – so seien beispielsweise wichtige Sicherheitsfunktionen noch nicht vollständig eingebaut.
So oder so wird man weiterhin die analoge Identitätskarte zur Identifizierung beim Porno nutzen. Während des Abstimmungskampfes hiess es stets, dass die E-ID freiwillig bleibt und es keine Pflicht gibt.
Stimmt auch der Nationalrat dem Vorstoss von Gugger zu, muss der Bundesrat einen Bericht schreiben. Die Chancen dafür sind intakt: Im Dezember 2025 hatten Parlamentarierinnen und Parlamentarier von allen Parteien Guggers Vorstoss unterschrieben.
Doch erst nach dem Bericht des Bundesrates könnten die Regierung oder Politiker weitere Massnahmen oder Gesetzesänderungen vorschlagen. Bis zu einer Entscheidung dürften noch Jahre vergehen.