Darum gehts
- Neue Initiative fordert Auslauf für Nutztiere, Unterschriftensammlung startet bald
- Über 90 Prozent der Masthühner leben ausschliesslich im Stall
- Bauern sagen: Schweiz hat bereits eines der strengsten Tierschutzgesetze
Wie Bauern arbeiten sollen, darüber entscheidet immer wieder die Bevölkerung. 2021 etwa stimmte die Schweiz über die Pestizid-Initiative ab, 2022 ging es um die Massentierhaltung.
Jetzt droht den Bauern neues Ungemach an der Urne: Tierschutzkreise wollen in wenigen Wochen mit der Unterschriftensammlung für eine neue Initiative beginnen. Diese fordert einen regelmässigen Auslauf für die Nutztiere. «Obwohl unsere Bundesverfassung die Würde der Tiere schon seit über 30 Jahren schützt, verbringen viele landwirtschaftlich gehaltene Tiere bis heute ihr ganzes Leben im Stall», schreibt das Initiativkomitee in einer Mitteilung.
«Bei den Masthühnern und den Schweinen liegt das grösste Problem», sagt Kampagnenleiterin Naomi Rey zu Blick. «Kühe sind öfter auf Weiden.» Bei den Schweinen habe rund die Hälfte der Tiere keinen oder zu wenig Auslauf. «Bei den Masthühnern sind es über 90 Prozent.»
«Nicht auf Kosten der Landwirtschaft»
Gespräche mit dem Bauernverband haben die Initiantinnen und Initianten geführt, man kam aber auf keinen gemeinsamen Nenner. Rey betont dennoch: «Die Initiative soll nicht auf Kosten der Landwirtschaft gehen.» Im Initiativtext sind Massnahmen zum Schutz der Bauern vorgesehen. So sollen bei einem Ja zur Initiative die Standards für Importe angepasst werden, damit nicht billige Auslandware mit tieferen Tierschutzstandards Schweizer Fleisch ersetzt.
Auch sollten Schweizer Bauern Geld für Stall-Umrüstungen oder für Hilfen bei der Produktionsumstellung erhalten. Wie genau dies geregelt würde, ist offen. Der Initiativtext nennt keine Details. Man sei dabei für Diskussionen mit den Landwirten offen, so Rey.
Bauern: Konsument kauft zu wenig oft entsprechende Ware
Beim Bauernverband ist man nicht glücklich über die neue Initiative. «Wir haben Mühe, zu verstehen, warum man gerade mal drei Jahre nach der klaren Ablehnung der Massentierhaltungsinitiative durch Volk und Kantone eine neue Tierhaltungsinitiative lancieren will», sagt Sandra Helfenstein vom Bauernverband. «Die Schweiz hat eines der strengsten Tierschutzgesetze der Welt.»
Unter verschiedenen Labels gebe es zudem «ein grosses Angebot an tierischen Lebensmitteln», die über die gesetzlichen Vorschriften hinausgingen und den geforderten Auslauf ins Freie beinhalten würden. Allerdings gebe es keine ausreichende Nachfrage nach diesen Lebensmitteln. «Der Wurm steckt also nicht in der Produktion, sondern im Konsum. Die Initiative setzt folglich am falschen Ort an», so Helfenstein.
Die Kampagnenverantwortlichen zeigen sich trotz des Widerstands aus dem Bauernlager zuversichtlich: Bereits 7500 Personen hätten sich fürs Unterschriftensammeln registriert. «Das Thema mobilisiert schon jetzt unglaublich viele Menschen.»