Staat will nicht helfen!
Zweitgrösste Schweizer Molkerei in «schwerer Krise»

Die zweitgrösste Molkerei der Schweiz befindet sich in finanziellen Schwierigkeiten. Eine Schliessung wäre für Bauern aus der Region Freiburg mit erheblichen Nachteilen verbunden. Doch die Kantonsregierung will nicht eingreifen.
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Cremo S.A. – die zweitgrösste Molkerei der Schweiz – befindet sich in finanziellen Schwierigkeiten.
Foto: Cremo

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Molkerei Cremo S.A. kämpft mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten
  • 1800 Milchproduzenten betroffen, 15 Freiburger Kantonsräte fordern Eingreifen
  • Regierung lehnt Einmischung ab, beobachtete die Lage aber genau
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Patrick GerberRedaktor Politik

Bleiben viele Schweizer Bauern bald auf ihrer Milch sitzen? Die Cremo S.A. – die zweitgrösste Molkerei der Schweiz – kämpft aktuell mit einer «schweren Krise». Das heisst es in einem Vorstoss, der von etlichen Freiburger Grossräten unterstützt wird – von Links-Grün bis SVP. Sie wollen den Kanton zum Eingreifen bewegen. Doch die Regierung stellt sich dagegen, wie die «Bauernzeitung» zuerst berichtete. 

«Cremo S.A. ist ein wichtiger, ja sogar entscheidender Akteur für unseren Kanton», heisst es im Vorstoss. Das Problem: «Sein Fortbestand ist ungewiss.» Die Bevölkerung, die Gemeinden sowie die Milchlieferanten seien besorgt. Sie befürchteten «menschliche, wirtschaftliche und soziale Folgen». Zudem könne auch die Glaubwürdigkeit des Kantons Schaden nehmen. 

Um diese Probleme zu lösen, solle der Staatsrat eine Kommission einsetzen – bestehend aus Experten und zwei Vertretern des Grossen Rates. Diese solle die Situation analysieren sowie Lösungsansätze und Massnahmen vorschlagen. Dabei müsse es um die Milchproduzenten, Arbeitsplätze oder die Wirtschaft des Kantons im Allgemeinen gehen.

Geht um «verlässliche wirtschaftliche Perspektive»

Was eine Betriebseinstellung von Cremo konkret bedeuten würde, erklärt Anja Scherz, Fachperson Kommunikation bei Swissmilk, gegenüber Blick. Ein solcher Schritt würde die «Milchproduzenten vor grosse Herausforderungen stellen», sagt sie. 

Milch falle täglich an und müsse laufend abgeholt und verarbeitet werden. Es sei schwierig, kurzfristig neue Abnehmer und genügend Verarbeitungskapazitäten zu finden. «Für die betroffenen Bauernfamilien geht es dabei nicht nur um die Logistik, sondern auch um eine verlässliche wirtschaftliche Perspektive», so Scherz weiter. Diese sei wichtig, damit sie weiter produzieren und in ihre Betriebe investieren könnten. 

«Cremo verfügt über wichtige Verarbeitungskapazitäten, unter anderem für Butter und Milchpulver.» Ein Wegfall könne die Verarbeitung und Verwertung von Milch kurzfristig erschweren, zusätzliche Transporte nötig machen und den Markt belasten. «Leistungsfähige Verarbeitungsstrukturen sind zentral, damit aus hochwertiger Schweizer Milch Wertschöpfung für die gesamte Kette entsteht.»

Einmischung wäre «illusorisch»

Der Freiburger Staatsrat ist sich der Wichtigkeit von Cremo für die gesamte Schweizer Milchwirtschaft durchaus bewusst, wie aus der Antwort an die Grossräte hervorgeht. Man verfolge die Lage «mit grösster Aufmerksamkeit». Könnte das Unternehmen keine Milch mehr entgegennehmen, beträfe dies rund 1800 Produzenten aus den Kantonen Freiburg, Waadt, Wallis und Bern, so der Staatsrat. Zudem sei Cremo wichtig für die Stabilisierung der Milchwirtschaft. Alleine im letzten Jahr hat Cremo 17,1 Millionen Franken Verlust gemacht. 

Eingreifen will die Regierung trotzdem nicht. «Der Staatsrat ist der Ansicht, dass der Kanton es vermeiden muss, sich in die Angelegenheiten eines privaten Unternehmens einzumischen, das auf einem wettbewerbsorientierten Markt tätig ist.» Dies würde einen «gefährlichen Präzedenzfall» schaffen. Der Kanton verfüge gar nicht über die nötigen Kompetenzen – und habe keinen Einblick in die privaten Daten des Unternehmens. «Es wäre daher illusorisch, Szenarien auf der Grundlage von nicht überprüften Hypothesen oder Annahmen zu entwerfen». 

«Verpflichtungen stets nachgekommen»

Der Staatsrat wolle dem Unternehmen selbst «die Chance geben», die wirtschaftlichen Herausforderungen zu bewältigen. Und da tue sich bereits einiges: Tiefgreifende Strukturreformen seien geplant. «Obwohl Cremo S.A. bisher bereits mehrere aufeinanderfolgende defizitäre Geschäftsjahre verzeichnet hat, ist das Unternehmen seinen Verpflichtungen stets nachgekommen.» 

Auch der Freiburgische Milchverband (FMV) – Hauptaktionär von Cremo – schrieb in einer Medienmitteilung vom Februar, dass die Schwierigkeiten des Unternehmens offensichtlich seien. Gleichzeitig «bekräftigt er sein Vertrauen in Cremo» und sieht im Verwaltungsrat den Willen, «den Kurs schnell zu korrigieren». Entschieden ist aber noch nichts: Ob der Staatsrat dereinst eine Kommission bezüglich Cremo einsetzen muss, liegt in der Hand des Grossen Rates. 

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