«Geiz ist geil» beim Brot
«Wir Schweizer Bauern bluten!»

Kürzlich wurde der Richtpreis für Brotgetreide gesenkt. «Die Produktionskosten steigen, und gleichzeitig sinken die Preise», kritisiert ein Landwirt gegenüber Blick. «Das ist ein Affront.» Auch die Branchenverbände hätten Probleme.
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Kürzlich wurde der Richtpreis für Brotgetreide gesenkt – dies forderten etwa die Müller.
Foto: imago/Martin Wagner

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Richtpreis für Brotgetreide fällt 2026 um 2.50 Franken pro Dezitonne
  • Preise von landwirtschaftlichen Produktionsmitteln stiegen laut Statistik in fünf Jahren um 13,5 Prozent
  • Landwirt Markus Dietschi kritisiert die Preissenkung scharf; «Affront für die Landwirtschaft»
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Patrick GerberRedaktor Politik

Ackerbauern haben derzeit wenig zu lachen: Der Richtpreis für Brotgetreide wurde um durchschnittlich 2.50 Franken pro 100 Kilogramm gesenkt. Bei «Weizen Top» sinkt der Preis sogar um 3 Franken auf noch 57 Franken. Gleichzeitig steigen die Produktionskosten. «Wir Bauern bluten», sagt Markus Dietschi (51), Landwirt und Solothurner FDP-Kantonsrat. «Ich bin dem völlig ausgeliefert.» Vor allem für Landwirte, die vom Ackerbau leben und keine Viehzucht betreiben, sei es schwierig, Alternativen zu finden. «Die Direktzahlungen decken einen Teil der Produktionskosten. Wenn ich ein Einkommen generieren will, muss ich etwas produzieren», so Dietschi. 

Beschlossen wurde die Senkung des Richtpreises von der zuständigen Kommission von Swiss Granum, der Schweizerischen Branchenorganisation Getreide, Ölsaaten und Eiweisspflanzen. Forderungen nach tieferen Richtpreisen kamen vor allem vom Dachverband Schweizerischer Müller (DSM) – auch wegen der steigenden Importe. 

«Geiz ist geil bei Lebensmitteln»

Für Markus Dietschi ist diese Entwicklung nicht akzeptabel. «Wir haben einen starken Anstieg bei den Produktionskosten», sagt er zu Blick. Konkret seien die Ausgaben für Betriebsstoffe, Maschinen, Dünger oder Pflanzenschutzmittel gestiegen. In den letzten fünf Jahren seien landwirtschaftliche Produktionsmittel um 13,5 Prozent teurer geworden. 

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Zudem sei auch der Preiskampf bei Lebensmitteln zunehmend ein Problem. Als Beispiel nennt er etwa das 99-Rappen-Brot, das Aldi letztes Jahr ins Sortiment aufnahm. Lidl, Coop oder auch die Migros zogen mit vergleichbaren Angeboten nach. «‹Geiz ist geil› ist das Dümmste, was bei Lebensmitteln passieren kann – für die Natur und auch die Gesundheit», kritisiert Dietschi. Für solch tiefe Preise litten die Bauern mit. 

Auch der Schweizerische Bauernverband (SBV) kritisiert das «Preisdumping bei Lebensmitteln». Im Detailhandel habe eine «verantwortungslose Preisspirale gegen unten eingesetzt», heisst es in einer Medienmitteilung. «Mehr Wertschätzung für das Essen und kostendeckende Produzentenpreise» seien notwendig. 

In den letzten Jahren war die Entwicklung allerdings auch eine andere: Seit 2021 stieg der Richtpreis für «Weizen Top», die höchste offizielle Qualitätsklasse für Brotweizen, von 52 auf 60 Franken. Dieser Trend ist nun beendet – zumindest für die Ernte 2026.

«Sie geben immer zu schnell auf»

Einen Teil der Verantwortung sieht Dietschi auch bei den Branchenverbänden selbst. «Sie geben immer zu schnell auf. Wir verkaufen uns falsch.» 

David von Wattenwyl, Präsident des Schweizerischen Getreideproduzentenverbandes, war bei den Verhandlungen dabei. Er erklärt gegenüber Blick, dass die festgelegten Richtpreise nur bedingt zufriedenstellend seien, auch wenn sie einen tragfähigen Kompromiss innerhalb der Branche darstellten. «Tatsache ist einfach, dass der Druck seitens des Marktes da ist.» Ein wesentlicher Grund dafür sei, dass die Müller infolge des hohen Importvolumens an Aufbackware mit rückläufigen Verarbeitungsmengen zu kämpfen hätten, erklärt von Wattenwyl. 

«Schwierig, eine Lösung zu finden»

Es sei wichtig gewesen, überhaupt einen Kompromiss zu finden. Dieser sei auf jeden Fall besser als gar kein Richtpreis. «Die Getreidevermarktung orientiert sich jetzt an den Richtpreisen statt an den Importpreisen, die rund 15 Franken tiefer liegen.»

Von Wattenwyl weist den Vorwurf zurück, dass der Verband zu früh nachgegeben habe. «Es ist schwierig, eine Lösung zu finden, wenn beide Parteien auf ihrem Standpunkt stehen bleiben – vor allem mit den Herausforderungen, die wir aktuell haben.» 

Für ihn ist zudem klar: «Weitere Preissenkungen können wir nicht akzeptieren.» Wie die Verhandlungen über die nächsten Richtpreise verlaufen werden, hänge jedoch stark von der Entwicklung auf dem Weltmarkt und von politischen Entscheidungen ab. «Prognosen sind deshalb schwierig, aber die Branche muss jetzt gemeinsam Lösungen suchen, um den Schweizer Getreidesektor zu stärken.»

Nach Lösungen suchen nun auch die Bauern. Ein Ansatz sei die Steigerung der Effizienz, erklärt Dietschi. Diese sei zwar nötig, habe aber auch Grenzen. Viele vergrösserten heute ihre Anbaufläche oder übernähmen immer mehr Verantwortung, um wettbewerbsfähig zu bleiben. «Dabei steigen aber auch die Arbeitsbelastung und das unternehmerische Risiko.»

Es sei kein Zufall, dass Landwirte ein fast doppelt so hohes Risiko für Burnouts hätten. «Manch einer hat schon das ganze Jahr gearbeitet und dann festgestellt, dass er keinen Franken verdient hat.»

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