Darum gehts
- Bauern fordern jährlich bis zu 110 Millionen Franken für Ausfälle durch Handelsabkommen
- Mercosur-Abkommen würde Schweizer Firmen jährlich 155 Millionen Franken Zölle ersparen
- Schweizer Exporte in Mercosur-Länder 2024: über 4 Milliarden Franken – plus 32 Prozent seit 2014
Die Bauern wollen Geld sehen: Sie fordern bis zu 110 Millionen Franken pro Jahr als Entschädigung für wegbrechende Verkäufe. Sonst, so droht der Bauernverband um Präsident Markus Ritter (59) jetzt, gibt es ein Nein zum geplanten Freihandelsabkommen der Schweiz mit den Mercosur-Staaten (Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay, Bolivien). Die Landwirte fürchten bei einem Abkommen Einbussen im Geschäft wegen zusätzlicher Importe, und zwar von 70 bis 115 Millionen Franken jährlich.
Der Hintergrund der Drohung: Am Dienstag hat die zuständige Nationalratskommission die Beratung über das Freihandelsabkommen begonnen. Zwar will die Kommission, dass der Bundesrat Kompensationsmöglichkeiten ausarbeitet. Doch aus Sicht der Bauern ist dies «zu unverbindlich und zu vage». Denn «ihre» Eingabe kam in der Kommission ganz knapp nicht durch. Diese sah 880 Millionen Franken Kompensation für die acht Jahre zwischen 2028 und 2035 vor.
Exporte sind stark gestiegen
Ohne die richtigen Begleitmassnahmen könne das Abkommen nicht unterstützt werden, drohen die Bauern nun. Damit setzen sie das Parlament unter Druck. Und auch Bundesrat Guy Parmelin (66, SVP). Dieser ist Wirtschafts- und Landwirtschaftsminister in einem.
Der ehemalige Weinbauer hatte das Abkommen im Herbst 2025 unterzeichnet und als «bedeutenden Meilenstein der schweizerischen Handelspolitik» gefeiert. Schweizer Firmen hatten in die Mercosur-Staaten 2024 Güter über mehr als 4 Milliarden Franken exportiert, 32 Prozent mehr als noch 2014. Die Unternehmen würden jährlich über 155 Millionen Franken an Zöllen sparen, rechnet der Bund vor.
Der Bundesrat beurteilte den Druck auf die Landwirtschaft in einer früheren Mitteilung als verkraftbar: «Die meisten Kontingente sind begrenzt (unter 2 Prozent des Schweizer Gesamtkonsums) oder ihr Umfang entspricht den derzeitigen Importen», so der Bund vergangenes Jahr.
Der Bundesrat betonte in den vergangenen Monaten die Wichtigkeit neuer Freihandelsabkommen für die Schweizer Exportwirtschaft – gerade seitdem die Vereinigten Staaten wieder auf Zolldrohungen setzten. Fast 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gehen auf Exporte zurück.