Darum gehts
- Stadler Rail baut in den USA ihren Standort aus
- Patron Peter Spuhler fordert Geschlossenheit im Zollstreit
- Der Ex-SVP-Nationalrat geht hart ins Gericht mit Schweizer Bauern
Wo vor zehn Jahren noch eine Kuhweide war, steht heute ein moderner Industriepark: Direkt neben dem Flughafen von Salt Lake City (Utah) produziert Stadler Rail für den US-Markt. Am Mittwoch weihte Patron Peter Spuhler (67) eine neue Zugbauhalle ein – im Beisein von Bundespräsident Guy Parmelin (66) sowie hochrangigen Vertretern aus US-Politik und Wirtschaft. Direkt nach den Feierlichkeiten griff Spuhler zum Hörer, um mit Blick Klartext zu reden.
Herr Spuhler, mit Ihrer neuen Fabrikhalle in Salt Lake City schaffen Sie rund 300 neue Arbeitsplätze. Hat sich Donald Trump schon bei Ihnen bedankt?
Peter Spuhler: Nein, dafür sind wir eine zu kleine Nummer. Aber wir haben engen Kontakt zu Trumps Administration. Vor allem hat uns die Regierung in Utah in den letzten zehn Jahren stark unterstützt. Sie interessiert sich auch sehr für die Lehrlingsausbildung nach Schweizer Vorbild.
Darauf kommen wir zurück. Bleiben wir beim Zollstreit. Wie stark traf Sie der 39-Prozent-Strafzoll?
Wir unterliegen dem Buy America Act. Das heisst, dass wir mindestens 70 Prozent der Wertschöpfung in den USA erbringen müssen. Im letzten Jahr zahlte Stadler 10,5 Millionen Dollar Zoll. Zwei Drittel konnten wir überwälzen oder zurückfordern. Für Stadler sind Trumps Zölle also nicht existenziell, tun aber auch weh. Für die Schweizer Exportwirtschaft sind sie dagegen existenziell.
Wie muss die Schweiz reagieren?
Die Schweiz als kleines Land ist mit ihrer Exportwirtschaft einer der grössten Investoren in den USA und ein verlässlicher Partner, der seine Versprechen hält. Bundesrat Guy Parmelin und Staatssekretärin Helene Budliger machen einen hervorragenden Job in einem der schwierigsten Dossiers. Ich verstehe das Theater in der Schweiz nicht. Alles wird zerredet. Innenpolitisch schiessen wir uns gegenseitig ins Knie. Wir sollten im Zollstreit parteiübergreifend zusammenstehen und für die Exportindustrie kämpfen.
Macht sich die Schweiz nicht erpressbar, wenn sie einem unberechenbaren Präsidenten einseitig Versprechen macht?
Natürlich ist Trump unberechenbar. Was heute ist, gilt morgen nicht mehr. Aber wir machen uns selbst kaputt, wenn wir jeden Lösungsansatz zerreden!
An welche Massnahme denken Sie?
Zum Beispiel an die Zulassung für amerikanische Chlorhühner. Was soll das Kabarett? Unterschreibt diese Vereinbarung! Sie tut niemandem weh. Am Ende entscheidet der Schweizer Konsument eigenverantwortlich am Regal.
Widerstand dagegen kommt selbst aus dem bürgerlichen Lager. Sei es beim US-Zolldeal oder wie kürzlich beim Handelsabkommen mit Mercosur, das die Bauern mit den Linken zusammen bodigten.
Im Parlament habe ich immer alle Anliegen der Bauern unterstützt. Jetzt kann ich nicht nachvollziehen, dass der Bauernverband das Mercosur-Abkommen torpediert und 800 Millionen Franken Kompensation will. Das ist ein No-Go! Das sprengt jedes Mass und ist ein massiver Vertrauensbruch zwischen Wirtschaft und Bauernverband.
Sie sind richtig empört. Vertritt die Bauernlobby nicht einfach ihre Interessen – so wie Sie die Ihren?
Wir hatten in der SVP-Fraktion einen Deal: Wir helfen den Bauern, die Bauern helfen uns. Die Landwirtschaft erwirtschaftet gerade einmal 0,6 Prozent des Schweizer Bruttoinlandprodukts. Ich verteidige unseren Bauernstand. Aber in dieser schwierigen Phase erwarte ich, dass die Bauern auch die Wirtschaft unterstützen. Dank einer starken Exportindustrie sind wir in der Lage, auch die Bauern mit Direktzahlungen zu finanzieren. Wenn man uns den Stecker zieht, leidet am Ende auch der Bauernstand. Wenn die Bauern die Wirtschaft derart erpressen, geht die Rechnung für alle nicht mehr auf.
Der Ausgangspunkt: Stadler ist seit 2001 auf dem US-Markt, fertigte die Fahrzeuge jedoch anfangs in der Schweiz. Mithilfe staatlicher Ausnahmebewilligungen liessen sich die Vorgaben des protektionistischen Buy American Act (heute 70 Prozent lokale Wertschöpfung) zunächst umgehen.
Der Standortwechsel: Ein Grossauftrag aus Texas, gekoppelt an eine Produktion vor Ort, änderte die Situation. Stadler wählte nach der Prüfung von 20 Standorten Utah.
Der Ausbau: Seither wurde der Standort kontinuierlich vergrössert. Innerhalb von zehn Jahren vergrösserte sich die Belegschaft in Salt Lake City kontinuierlich auf mittlerweile rund 750 und wird mit der Werkserweiterung auf rund 1000 Arbeitsplätze anwachsen.
Der Ausgangspunkt: Stadler ist seit 2001 auf dem US-Markt, fertigte die Fahrzeuge jedoch anfangs in der Schweiz. Mithilfe staatlicher Ausnahmebewilligungen liessen sich die Vorgaben des protektionistischen Buy American Act (heute 70 Prozent lokale Wertschöpfung) zunächst umgehen.
Der Standortwechsel: Ein Grossauftrag aus Texas, gekoppelt an eine Produktion vor Ort, änderte die Situation. Stadler wählte nach der Prüfung von 20 Standorten Utah.
Der Ausbau: Seither wurde der Standort kontinuierlich vergrössert. Innerhalb von zehn Jahren vergrösserte sich die Belegschaft in Salt Lake City kontinuierlich auf mittlerweile rund 750 und wird mit der Werkserweiterung auf rund 1000 Arbeitsplätze anwachsen.
Kommen wir zurück zur Lehrlingsausbildung in Utah, auf die Sie stolz sind. Hand aufs Herz: Ist das nicht vor allem teure Imagepflege?
Auf keinen Fall! Trump will die Industriearbeitsplätze zurück in die USA holen, doch die Fachkräfte fehlen. Deshalb sichern wir unseren Bedarf auch mit der Ausbildung von eigenen Lehrlingen. In den USA fehlen Fachleute an allen Ecken. Nach der Highschool haben viele Jugendliche keine strukturierte Weiterbildung. Wer nichts findet, landet ungelernt in Billigjobs. Wir bilden dort die klassischen Berufe aus, die wir für unsere Produktion brauchen: Mechaniker, Schreiner, Elektriker.
Amerikaner gelten als Jobhopper. Investieren Sie da nicht viel Geld in Lehrlinge, die am Ende zur Konkurrenz wechseln?
Im Gegenteil. Die Lehre stärkt die Loyalität zur Firma. Zuvor hatten wir eine enorme Fluktuation. Wenn der McDonald’s auf der anderen Strassenseite 50 Cent mehr pro Stunde bot, waren die Mitarbeiter weg. Zurzeit sind 35 Lehrlinge in der Ausbildung und bereits 28 amerikanische Lehrlinge haben die Lehre bei Stadler USA erfolgreich abgeschlossen. Nach den drei Jahren Ausbildung konnten wir alle bis auf einen im Betrieb halten.
Profitiert auch der Rest der US-Industrie von Ihrer Pionierarbeit?
Das Interesse vor Ort ist riesig, Grosskonzerne wie Boeing schauen sich unser Modell genau an. Selbst die US-Botschafterin war deshalb kürzlich bei uns in Bussnang im Thurgau. Die Amerikaner haben begriffen: Wenn sie das Problem der Berufsbildung nicht lösen, scheitert Trumps Reindustrialisierung. Die Schweiz ist ein echtes Vorbild. Diesen Trumpf müssen wir noch selbstbewusster ausspielen.