Darum gehts
- AfD-Chefin Alice Weidel lebt in Einsiedeln SZ, das sorgt für Kritik
- Abgeordneter verteidigt Weidels Wohnsitz mit hohen Lebenshaltungskosten in der Schweiz
- Wohnsitzfrage flammt in Deutschland immer wieder auf
Eine deutsche Spitzenpolitikerin, die im Nachbarland lebt? Der Schweiz-Wohnsitz von Alice Weidel (47) sorgt im Deutschen Bundestag regelmässig für Spott und Sticheleien. Immer wieder gerät die Chefin der Alternative für Deutschland (AfD) ins Kreuzfeuer, weil sie in Einsiedeln SZ wohnt. Mal wird ihr Doppelmoral vorgeworfen, mal der Spitzname «Alice aus dem Steuerparadies» angehängt.
Bisher liessen die Parteichefin und andere AfD-Spitzenleute die Seitenhiebe meist kommentarlos stehen, wohl auch mangels Argumenten. Jetzt aber wurde Weidel im Bundestag offensiv verteidigt – mit einer eher skurrilen Begründung.
«Das schreiben Sie sich mal hinter die Ohren!»
Zum Schlagabtausch kam es kürzlich erneut in einer Debatte über das Kindergeld. Die AfD fordert seit langem Einschränkungen bei Zahlungen für Kinder, die nicht in Deutschland leben. Ihr Abgeordneter Marcel Queckemeyer (45) beklagte, im vergangenen Jahr seien «528 Millionen Euro deutsches Kindergeld» auf ausländische Konten geflossen. Prompt kam der spitze Zwischenruf des Grünen-Parlamentariers Stefan Schmidt (45): «Scheinbar zu Frau Weidel, oder?»
Kurz darauf setzte Queckemeyer zum Konter an. Es sei ja «schön und gut», dass der «Herr Kollege» erwähne, dass Weidel in der Schweiz lebe. «Aber ich kann Ihnen eins sagen: In der Schweiz sind die Lebenshaltungskosten noch viel höher als in Deutschland. Das schreiben Sie sich mal hinter die Ohren!»
Queckemeyer bestritt Weidels Wohnsituation also nicht. Im Gegenteil: Er machte sie kurzerhand zum Verteidigungsargument. Wer in der Schweiz lebe, müsse auch deutlich höhere Preise bezahlen.
«Sie wollen mehr Geld ausgeben!»
Queckemeyers Äusserungen lösten im Plenum gleich weitere Zurufe aus. SPD-Mann Michael Schrodi (49) bemerkte spöttisch: «Deswegen sind Sie für eine Erhöhung! Sie wollen mehr Geld ausgeben!»
Das Wortgefecht änderte am Ausgang der eigentlichen Debatte nichts. Kurz vor der Sommerpause beschloss der Bundestag, beim Kindergeld für junge Familien ein ziemliches Stück Bürokratie abzubauen.