Jetzt live im Stream:Das macht heute Schlagzeilen

10-Millionen-Initiative der SVP
Gewerkschaftsboss Maillard warnt vor Prämienexplosion

Am 14. Juni stimmt die Schweiz über die 10-Millionen-Initiative der SVP ab. Gegner warnen: Es drohe ein Chaos. Bundesrat Beat Jans, Kantone, Gewerkschaften und die Arbeitgeber treten heute vor die Medien. Blick berichtet live.
Kommentieren
1/11
Die SVP will mit ihrer Initiative die 10-Millionen-Schweiz verhindern.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • SVP-Initiative gegen 10-Millionen-Schweiz löst heftige politische Debatte aus
  • Gegner warnen vor Rentenloch und Fachkräftemangel ohne gezielte Zuwanderung
  • Abstimmung am 14. Juni entscheidet über Zukunft der Personenfreizügigkeit
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Externe Inhalte
Möchtest du diesen ergänzenden Inhalt (Tweet, Instagram etc.) sehen? Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies gesetzt und dadurch Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen lassen.
RMS_Portrait_AUTOR_817.JPG
Joschka SchaffnerRedaktor Politik
vor 6 Minuten

Sag uns deine Meinung zur SVP-Initiative

Externe Inhalte
Möchtest du diesen ergänzenden Inhalt (Tweet, Instagram etc.) sehen? Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies gesetzt und dadurch Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen lassen.
vor 7 Minuten

Was würde ein Ja für die EU-Verträge bedeuten?

Nun beantworten die Anwesenden Fragen. Jans wird über die Konsequenz einer Annahme der 10-Millionen-Initiative gefragt – insbesondere hinsichtlich der Bilateralen III. «Ich möchte klarstellen: Genau weil diese Initiative den bilateralen Weg gefährdet, lehnt der Bundesrat sie ab», sagt Jans. Das EU-Paket sei aber nun in den Händen des Parlaments. Heisst: Würde die SVP-Initiative im Juni angenommen, könne der Bundesrat nicht selbst handeln.

vor 11 Minuten

«Zweiklassensystem» auf dem Arbeitsmarkt

Travailsuisse-Präsident Adrian Wüthrich schliesst sich den Kritikpunkten seiner Vorrednern an. Die Initiative wäre auch mit den flankierenden Massnahmen verknüpft – also dem Lohnschutz in der Schweiz. Wenn die Personenfreizügigkeit fallen würde, geriete auch dieser in Gefahr. «Die Initiative richtet sich gegen die Interessen der Arbeitnehmenden», sagt Wüthrich.

Wie Regazzi spricht Wüthrich von einer drohenden Rückkehr zur Kontingentierung. Dieses System habe in der Vergangenheit zu einem grossen Machtgefälle zwischen Arbeitnehmenden und Arbeitgebern geführt. Mit der Annahme der SVP-Initiative drohe wieder ein «Zweiklassensystem», indem Arbeitnehmende schlechter geschützt wären.

vor 18 Minuten

Weniger Zuwanderung sorge für Überalterung

«Auf den ersten Blick» könne man einen Wachstumsdeckel als attraktiv betrachten, sagt Arbeitgeber-Präsident Severin Moser. «Betrachtet man die demografische Realität, wäre ein solcher Deckel aber wirtschaftlich gefährlich und sozialpolitisch fahrlässig.»

Moser verweist wie Maillard zuvor auf die Überalterung in der Schweiz. Die Zuwanderung von Erwerbstätigen würde dies abfedern. «Die Folgen eines Deckels wären auf dem Arbeitsmarkt unmittelbar spürbar.» Er warnt vor höherer Mehrwertsteuer und Lohnabzügen. Neben den Sozialwerken würde auch die Wirtschaftsleistung aufgrund der fehlenden Fachkräfte deutlich leiden.

vor 23 Minuten

Gewerkschaftsboss warnt vor Prämienexplosion

«Um das Bevölkerungswachstum zu stoppen, braucht es normalerweise eine Rezession», sagt Gewerkschaftsboss Pierre-Yves Maillard. Das Vorhaben der Initiative sei ganz klar daran gekoppelt: Durch die klaren wirtschaftlichen Einbussen würden auch die Krankenkassenprämien steigen, die Vorsorge leiden und die Lohnsicherheit auf dem Spiel stehen.

vor 31 Minuten

Für die KMUs würde es eng

Nun spricht Gewerbeverband-Präsident Fabio Regazzi. Er trete heute auch als Unternehmer eines Tessiner Metallbauunternehmens auf. Er warnt vor mehr Bürokratie, mehr Kosten und mehr Unsicherheit für die KMUs, würde die Initiative angenommen. «Die Realität sieht oft anders aus als die politische Debatte», sagt Regazzi. Genau Unternehmen wie seines suchen händeringend nach Fachkräften. 20'000 bis 30'000 Arbeitskräfte würden ohne Personenfreizügigkeit fehlen. 

vor 35 Minuten

Bedenken der Bevölkerung würden ernst genommen

«Es gibt Herausforderungen aufgrund des Bevölkerungswachstums», sagt Dieth. Die Kantone würden die Bedenken der Bevölkerung ernst nehmen. Ein Wachstumsdeckel löse aber kein Problem. «Die Initiative schränkt die Handlungsfähigkeit der Kantone stark ein.»

vor 38 Minuten

Kantone fürchten sich um die Steuereinnahmen

«Gesundheit und Pflege beschäftigt die Kantone fast täglich», sagt Dieth. Auch der ÖV, Kinderbretreuung, den Schulen und im Energiewesen suche man händeringend nach Fachkräften. Die Initiative würde dies deutlich verschärfen.

Ebenfalls fürchtet sich Dieth um die Exportindustrie. Seit der Einführung der Personenfreizügigkeit sei das BIP um rund 50 Prozent gestiegen. Dies abzubrechen, würde die Kantone besonders treffen – weil die Steuereinnahmen gefährdet seien. Ebenfalls würde eine Begrenzung der Zuwanderung wohl in einer Kontingentierung enden, die zu zusätzlicher Bürokratie führen würde.

vor 41 Minuten

Nun spricht Kantonsregierungs-Vertreter Markus Dieth

«Die Schweiz ist erfolgreich, weil sie förderal organisiert ist», sagt Dieth. «Wir sind eine Einheit in der Vielfalt.» Deshalb würden die Kantonsregierungen die Initiative klar ablehnen. Kantone seien eigenständige Wirtschaftsräume und stünden im Wettbewerb um Innovation und Arbeitskräfte. Die Initiative würde dies klar zunichtemachen. Besonders die ländlichen Regionen würden unter einem «zentralisierten Wachstumsdeckel» leiden.

vor 45 Minuten

SVP-Versprechen würden nicht eintreffen

Die Initianten würden sich zahlreiche Entlastungen versprechen. «Der Bundesrat ist überzeugt, dass es leere Versprechen sind», sagt Jans. Keine Wohnung würde billiger, kein Sitzplatz im Zug frei und kein Stau sich deswegen auflösen. Der Bund würde bereits Millionen von Franken investieren, um die Probleme anzugehen. «Wir gehen die Herausforderungen zielgerichtet und lösungsorientiert an», sagt Jans. Ohne dabei den «erfolgreichen» bilateralen Weg zu gefährden.

vor 49 Minuten

«Asylinsel» Schweiz?

Mit der Initiative drohten hunderte Millionen Franken mehr Kosten wegen der Sicherheit und des Asylwesens, so Jans. Mit dem Wegfall von Schengen/Dublin würde die Schweiz zu einer «Asylinsel» werden. Zudem würden die Schweizer Behörden Zugang zu europäischen Sicherheitsdatenbanken verlieren und so im «Blindflug» operieren.

Durch die wegfallenden ausländischen Fachkräfte würden zudem besonders das Gesundheitswesen oder die Ausbauprojekte im öffentlichen Verkehr leiden. Ebenfalls würden Menschenrechts-, Flüchtlings- und Kinderrechtskonvention wegfallen. «Die Schweiz würde dadurch ihre eigenen Werte verraten», sagt Jans.

Eine SVP-Initiative hält die Schweizer Politik auf Trab. Mit dem Volksbegehren gegen eine 10-Millionen-Schweiz sticht die Sünneli-Partei in ein Wespennest.

Das zeigt sich auch daran, wer Asylminister Beat Jans (61, SP) am Montagmorgen in Bern zur Seite steht: Neben den Kantonsregierungen – vertreten durch den Aargauer Mitte-Regierungsrat Markus Dieth (58) – üben Gewerkschaftsboss Pierre-Yves Maillard (57), Travailsuisse-Präsident Adrian Wüthrich (45), Arbeitgeber-Präsident Severin Moser (63) sowie Mitte-Ständerat und Gewerbeverbandspräsident Fabio Regazzi (63) den Schulterschluss gegen die Vorlage.

Viel Widerstand gegen die «Chaos-Initiative»

Die Kernaussage: Die Initiative sei verheerend für den Schweizer Arbeitsmarkt, das Gesundheitswesen und die innere Sicherheit. Am 14. Juni muss die Schweizer Stimmbevölkerung entscheiden, ob Massnahmen gegen das Bevölkerungswachstum in die Verfassung geschrieben werden sollen. Ab Überschreiten der 9,5-Millionen-Grenze müsste der Bund handeln – notfalls auch mittels Kündigung der EU-Personenfreizügigkeit.

Externe Inhalte
Möchtest du diesen ergänzenden Inhalt (Tweet, Instagram etc.) sehen? Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies gesetzt und dadurch Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen lassen.

Bei den bürgerlichen Gegnern wurde die Vorlage daher umgetauft. Mit der «Chaos-Initiative» drohten bereits 2031 gravierende Folgen, warnt die Nein-Allianz. Ohne gezielte Zuwanderung würden Fachkräfte fehlen. Insbesondere in jenen Bereichen, in denen heute schon Engpässe bestehen: in den Spitälern, im Bau, in der Gastronomie oder in der Landwirtschaft. 

Besonders bei einem Thema blasen bürgerliche und linke Gegner ins selbe Horn: Ohne ausländische Erwerbstätige wird sich die Bevölkerung in der Schweiz deutlich rascher überaltern. Heisst: Es droht ein Loch bei den Renten.

Was wird aus dem EU-Deal?

Noch am Freitag warb Jans zusammen mit Bundespräsident Guy Parmelin (66, SVP) und Aussenminister Ignazio Cassis (64, FDP) für den neuen EU-Deal. Mit der 10-Millionen-Initiative könnte dieser bereits wieder in Gefahr sein. Nicht nur die Personenfreizügigkeit, sondern gleich alle bilateralen Verträge drohten mit der Verfassungsänderung durchzufallen, befürchten die Gegner der Initiative.

Fallen auch die Sicherheits- und Asylabkommen Schengen/Dublin, drohe gar ein Asylchaos. Hunderttausende in der EU abgewiesene Asylsuchende könnten dann in der Schweiz ein Zweitgesuch stellen.

Zumindest im Parlament hat Asylminister Jans bereits einen Teilsieg errungen: Die eidgenössischen Räte entschieden sich letztes Jahr nach hitzigen Diskussionen, der Initiative keinen Gegenvorschlag entgegenzustellen. Für den Bundesrat und seine Schützenhilfe geht es am Abstimmungssonntag im Juni folglich um alles oder nichts.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen