Darum gehts
- Proteste begleiteten Israels Auftritt beim Eurovision Song Contest in Wien
- Ein Demonstrant wurde wegen «Stop Genocide»-Rufen entfernt
- Drei weitere Störer und ein Mann mit «Palestine»-Schriftzug wurden verwiesen
Am Eurovision Song Contest in Wien trifft Kunst auf Protest: Die Teilnahme Israels sorgte bereits im Vorfeld für starke Kritik, die in der Gastgeberstadt deutlich spürbar ist.
Pro-Palästina-Aktivisten haben während der ESC-Woche mehrere Proteste angekündigt. Auch in der Wiener Stadthalle, dem Austragungsort der ESC-Show, kam es am Dienstagabend während des Halbfinals zu Störaktionen.
Störaktion neben ORF-Mikrofon
Als Israels Sänger Noam Bettan (28) die Bühne betrat, ertönten aus dem Publikum «Stop Genocide»-Zwischenrufe (Deutsch: Stoppt den Völkermord), die auch deutlich in der Live-TV-Übertragung zu hören waren.
«Eine Person aus dem Publikum, die sich in der Nähe eines Mikrofons befand, äusserte zu Beginn und während des Auftritts des israelischen Künstlers lautstark ihre Meinung», schreiben der ORF und die European Broadcasting Union (EBU) auf Blick-Anfrage. «Die Person wurde später, nach weiterem Störverhalten und mehrmaligem Auffordern, dies zu unterlassen, aus der Halle gebracht», heisst es weiter.
In den sozialen Medien kursieren mehrere Videos, auf denen ein Mann von Sicherheitskräften hinausbegleitet wird. Sein Oberkörper ist nackt und auf seinem Rücken steht das Wort «Palestine».
Dies war jedoch nicht der einzige Zwischenfall während der Halbfinal-Show: «Drei weitere Personen wurden ebenfalls wegen störenden Verhaltens und Nichteinhaltens der Hausordnung der Halle verwiesen.»
Der ORF betont in seinem Statement, dass er einen ungefilterten Audiofeed aus der Halle übertrage. Dies solle trotz des Zwischenfalls auch in den kommenden beiden Shows so bleiben.
«Es war sehr klar, wie viel Support Israel gestern hatte und ich bin sicher, dass sich das nichts ändern wird», sagte eine ORF-Sprecherin am Mittwoch an einer Pressekonferenz. «Wir können bestimmte Dinge, die geschehen, nicht ignorieren, aber wir versuchen, sie in die richtige Perspektive zu rücken.»
Im offiziellen Youtube-Video des Halbfinal-Auftritts von Noam Bettan sind die Zwischenrufe allerdings nicht mehr zu hören, sie wurden herausgefiltert. Dies liege in der Verantwortung der Europäischen Rundfunkunion EBU.
Israel-Proteste auch in Basel
Auch am letztjährigen ESC in Basel kam es in der St. Jakobshalle zu Störaktionen. Während der Halbfinal-Vorschau störten sechs Personen mit Palästina-Flaggen und Trillerpfeifen den Auftritt der israelischen Sängerin Yuval Raphael (25).
Später im Final versuchten sogar drei Personen mit Farbbeuteln auf die Bühne zu gelangen, schafften es aber nicht. Sie hatten die Beutel mit roter Farbe zuvor durch die Sicherheitskontrolle geschmuggelt.
Israel singt im Final
Trotz Zwischenfall in Wien hat sich Israel auch in diesem Jahr für das Finale des 70. Eurovision Song Contests qualifiziert und singt am kommenden Samstag um den Sieg.
Das zweite Halbfinal des Eurovision Song Contest mit Veronica Fusaro ist am 14. Mai um 21 Uhr auf SRF 2 zu sehen, das Finale am 16. Mai um 21 Uhr auf SRF 1.