Darum gehts
- Alexandra Lüönd baute Beauty2Go mit 2000 Franken Startkapital auf
- 2025 geschätztes Vermögen: 20 bis 50 Millionen Franken
- CEO-Posten abgegeben, schreibt jetzt Blick-Kolumnen und Sachbuch
Mit gerade einmal 2000 Franken Startkapital legte Alexandra Lüönd (39) vor neun Jahren den Grundstein für ihre Erfolgsgeschichte. Heute gibt es acht Standorte ihrer Schönheitsklinik Beauty2Go, das Wirtschaftsmagazin Bilanz listet sie seit 2023 mit einem geschätzten Vermögen von 20 bis 50 Millionen Franken mehrfach bei den jüngsten Reichen unseres Landes auf. Anfang 2025 gab sie den CEO-Posten ihres Unternehmens an ihren Bruder Patrick Lüönd (37) ab, sie selbst bleibt als Verwaltungsratspräsidentin aktiv. Und verbringt nun Zeit mit dem Schreiben eines Buches, Reisen, Selbstfindung und Dating. Und neu auch mit ihrer eigenen Blick-Kolumne über Unternehmertum, Frauen in der Wirtschaft und Gesellschaftsthemen wie Dating.
Blick: Frau Lüönd, sind Sie die jüngste Rentnerin der Schweiz?
Alexandra Lüönd: (lacht) Ich liebe diesen Titel, weil ich das oft selbst auch über mich sage. Wenn ich an einem Montag um 14 Uhr mit Rentnern im Apple Store stehe, witzle ich auch immer: «Ich bin jetzt frühpensioniert. Ich warte auf meinen Rentnerrabatt!»
Wie viel arbeiten Sie heute als Verwaltungsratspräsidentin?
Für die Firma vielleicht ein bis zwei Tage. Zusätzlich schreibe ich ein Sachbuch und habe ein TV-Projekt, über das ich noch nicht sprechen darf. Mir wird nicht langweilig.
Wie sieht denn ein Tag in Ihrem Leben jetzt aus?
Um 10 Uhr stehe ich auf. Früher habe ich mich mit Frühaufstehen gequält, wobei ich nie Meetings vor 10 Uhr zugesagt habe. Jetzt schlafe ich intuitiv. Am Montag spiele ich früh Tennis oder mache Sport, um einen Rhythmus zu haben. Die ersten zwei Tage der Woche bin ich gerne für mich alleine und arbeite von zu Hause aus. Ab Mittwoch treffe ich Kollegen, um mit ihnen ortsunabhängig zu arbeiten. Donnerstag und Freitag sind ein bisschen spassiger.
Was heisst das? Party?
Ich bin auch mit 39 nicht aus dem Partymachen herausgewachsen. Ich bin seit zweieinhalb Jahren Single, da muss man auch ein bisschen rausgehen, um Leute kennenzulernen. Ich bin sehr aktiv und teilweise auch rastlos, aber auf eine neugierige Art. Manchmal besuche ich meine zwei besten Freunde in Paris. Und wenn mir die Decke auf den Kopf fällt, gehe ich für ein paar Tage nach Rom und arbeite von dort aus.
Wie war der Loslösungsprozess vom CEO-Posten?
Lang, aber es geht immer besser. Ich muss mich aktuell auch neu finden. Ich habe mein Leben dieser Firma gewidmet und mein Privatleben hintangestellt. Jetzt kann ich wirklich wieder leben, draussen sein und Sachen nachholen, die die letzten zehn Jahre einfach liegengeblieben sind.
Was für Dinge?
Ich bin in letzter Zeit viel gereist, zum Beispiel alleine nach Mittelamerika. Das ist schon eine eigene Erfahrung, in einer Bar in Panama wildfremde Leute anzusprechen und mich Gruppen anzuschliessen.
Wie reagieren die Menschen auf Sie?
Ich habe mit vielen alleinreisenden Frauen gesprochen. Als ich von meiner Laufbahn erzählte, kamen Sätze wie «Das möchte ich auch gerne erreichen» oder «Den Mut möchte ich auch haben».
Wann sind Sie zum ersten Mal mit der Schönheitsindustrie in Berührung gekommen?
Als Halb-Südamerikanerin kommt man damit automatisch in Kontakt. Meine Mutter liebte Mode und Schönheit schon immer, wir fuhren gemeinsam ins Seedamm-Center in Pfäffikon SZ zum Shoppen. Für mich als junges Mädchen, das in Galgenen im Kanton Schwyz aufwuchs, war das ein Ereignis. Im letzten Gymi-Jahr wurde ich zudem Model und war als Money Girl bei «Deal or No Deal» dabei. Ich war die Koffernummer 12 und 18. So finanzierte ich mein Studium.
Wie sind Sie aufgewachsen?
Als Tochter eines Schweizers und einer Peruanerin. Mein Vater ist leider verstorben, da war ich sieben und mein Bruder fünf. Das war eine schwierige Situation, weil meine Mutter nicht gut Deutsch sprach. Ich bin meiner Mama aber für sehr vieles sehr dankbar. Sie hatte wenig finanzielle Mittel und wusste: Wir würden es nur über Bildung schaffen, nicht über Netzwerke. Und ich bin dem Schweizer Staat dankbar – für die Stipendien und Subventionen, die ich bekommen habe. Als ich aufs Gymi ging, hat mir ein Stipendium zum Beispiel den Zug bezahlt.
Welcher Moment hat Sie geprägt?
Ich habe sehr früh verstanden, was finanzielle Unsicherheit bedeutet. Ich glaube, daraus ist bei mir dieses starke Bedürfnis nach Unabhängigkeit entstanden. Ich wollte nie in eine Situation kommen, in der ich keine Wahl habe, weil mir das Geld, die Möglichkeiten oder die richtigen Kontakte fehlen. Gleichzeitig habe ich früh gelernt, dass man sich Dinge selbst ermöglichen kann und nicht darauf warten sollte, dass einem jemand den Weg ebnet. Dieses Gefühl hat mich später sicher auch als Unternehmerin geprägt.
Und Sie schafften den Aufstieg, ohne aus einer gutbetuchten Familie zu sein.
Es braucht mega viel Mut. Aber vielleicht war es auch ein Segen, dass ich nicht alles hatte. Ich hatte keinen Plan B – wie Eminem singt: one shot, one opportunity. Nur halt in Galgenen statt in Detroit.
Gemäss «Bilanz» haben Sie ein Vermögen von 20 bis 50 Millionen.
Das Vermögen habe ich nicht bei mir daheim auf dem Konto, das wäre schön. Das ist die Bewertung der Firma.
Wird man als Unternehmerin unterschätzt?
Als Frau wird man generell unterschätzt. Besonders, wenn man sich herausputzt und feminin auftritt. Ich gründete ein Unternehmen in einer Branche, die stark männerdominiert ist. Hätte ich da klein beigegeben, wäre ich nicht weit gekommen. Einmal wurde ich von einem Lieferanten bei Preisverhandlungen angeschrien. Da habe ich zurückgeschrien, bis er ruhig war. Manchmal muss man sich so verhalten, auch wenn es schwierig ist. Mädchen wird oft gesagt, dass «der Gescheitere nachgibt», während man Buben beibringt, für sich einzustehen. Ich finde, Mütter sollten ihre Töchter lehren, auch mal zurückzuschubsen, wenn sie geschubst werden.
Haben Männer Angst vor Ihnen?
Manche schon. Früher habe ich mich erklärt und mich gefragt, ob ich zu viel bin. Heute weiss ich: Wer sich von einer Frau einschüchtern lässt, die weiss, was sie will, ist ohnehin nicht der Richtige.
Wie läuft Dating bei Ihnen?
Das könnte Kolumnen füllen. Ich bin sehr gerne Single und brauche eigentlich finanziell, emotional oder sozial gesehen keinen Mann. Ich bin gut integriert, kann mich emotional selber tragen und mein Leben selber finanzieren. Das heisst, wenn ich mit einem Mann zusammenkomme, muss er mir wirklich einen Mehrwert geben. Ich akzeptiere keinen Bullshit. Aber ich bin eine Romantikerin. Ich hätte schon Lust, mich wieder zu verlieben.
Wie sieht Ihre Zukunft aus?
Ich bin an einem Wendepunkt und überlege, was die nächsten Schritte sind. Auf eine Art kann ich mir vorstellen, die ganze Welt zu bereisen, Firmen aufzubauen und mich für eine bessere Welt einzusetzen. Aber wer weiss, vielleicht verliebe ich mich, heirate und habe ein Kind. Aus der operativen Führung zurückzutreten, war etwas sehr Grosses. Ich gebe mir die Zeit, irgendwann wird es Klick machen. Und ich freue mich mega, dass ich beim Blick eine eigene Kolumne schreiben darf, in der ich davon erzählen kann.
Die Kolumne von Alexandra Lüönd erscheint ab sofort jeden zweiten Samstag auf Blick.ch und ab 2027 auch im Blick fürs Wochenende.